Franz Hohler hatte ein Heimspiel. Es sei für ihn eine Herzensangelegenheit, den Autor nach Olten zu holen, bekannte der Verleger Thomas Knapp bei der Begrüssung. Deshalb habe er Hohler auch eine Carte blanche gegeben, mit wem zusammen er an diesem Abend innerhalb der Veranstaltungsreihe Knapp live auftreten wolle. So betrat denn Hohler die Bühne in der ausverkauften Schützi gemeinsam mit dem Schlagzeuger Julian Sartorius.

Mit dem Auftritt bei «Knapp live» kehrte Franz Hohler nicht nur in die Stadt seiner Kindheit zurück, wo sein Vater als Lehrer wie auch als Laienschauspieler wirkte. Auch mit dem Lokal verbindet Hohler Jugenderinnerungen, fungierte die Schützi damals noch als wirkliche Turnhalle. Bis heute hat der Ort, wo er als Schüler zur Ertüchtigung antreten musste, das Ambiente behalten. Und Hohler liess es sich nicht nehmen, die immer noch vorhandenen Ringe mit einer angedeuteten Ringübung zu prüfen.

Den Abend eröffnete Julian Sartorius, Hohlers Partner auf der Bühne. Bei Sartorius ist das Schlagzeug nicht bloss Begleitinstrument in der Rhythm-Section. Deshalb setzte der Thuner Solist nebst dem üblichen Schlagzeuger-Werkzeug wie Pauke, Trommel, Becken und Hi-Hat weitere Klanginstrumente ein.

Im ersten Stück etwa lotete er über einem monotonen Paukenschlag die klanglichen Möglichkeiten eines Metallofons aus. Im Laufe des Abends bearbeitete Sartorius zudem Messingschalen, Kuhglocken, Holzklötze oder Klappern. Damit kreierte er rhythmische Kombinationen, die wie Sätze wirkten. Repetitive Sätze, die er aneinanderreihte und bei jeder Wiederholung spielerisch mit zusätzlichen Adjektiven verschnörkelte. Und Schlagzeug braucht nicht laut zu sein. So legte Julian Sartorius ein leises Solo nur mit stricknadelfeinen Schlagstöcken vor.

Hohlers Cello blieb zu Hause

Im zwei Mal eine Stunde füllenden Abendprogramm wechselten sich Sartorius und Hohler ab. Der Schriftsteller trug Gedichte und Kurzgeschichten aus seiner gesamten Schaffensperiode vor. Mit 20 Jahren verfasste Hohler ein rätselhaftes und tiefsinniges Gedicht über den Tod, das er in der Schützi nicht ohne Selbstironie rezitierte.

Diesem Jugendwerk hängte der heute 75-Jährige umgehend eine aktuelle Poesie mit dem Titel «iPhone» an, die mit dem Aufruf endet: «Wisch den Tod weg – und wähle die App ‹Leben›!». Wenns so einfach wäre. Versöhnlich klingt es in Hohlers «Herbstgedicht», wo er verwelkten Blättern zusieht, wie sie im Wind tanzen und sich schliesslich unter eine Hecke kuscheln: «So lustig kann Sterben sein», resümiert der Lyriker.

Sein Cello liess Franz Hohler zu Hause. Das Lied mit dem prosaischen Titel «Olten und Umgebung» trug er deshalb a cappella vor, eine wahre Liebeserklärung an die Kleinstadt seiner Jugend. Den Abend schloss Hohler mit Auszügen aus seinem neusten Werk, dem Kinderbuch «Hamster Hugo», ab.

Dem Reime zuliebe isst der Titelheld «Spaghetti mit Sugo», aber auch die anderen Tiergeschichten bewegen sich in manchmal absurden Welten. Und schliesslich durfte als grosses Finale quasi Hohlers Markenzeichen, sein «uganteligs bärndütsches Gschichtli» aus dem Jahre 1967 nicht fehlen. Dabei erhielt man den Eindruck, dass es Hohler nach wie vor selber Spass macht, das «Totemügerli» zu erzählen. Wenn das kein Kompliment ist.