Olten

Totalausverkauf der Krankenmobilien in der Rötzmatt

Samariter Serge Viel an der Kasse beim Ausverkauf der Krankenmobilien.

Samariter Serge Viel an der Kasse beim Ausverkauf der Krankenmobilien.

Das Samariterteam musste sein Krankenmobilienmagazin aus finanziellen Gründen räumen. Seit über 90 Jahren wurden dort etwa Krücken oder Rollatoren an Patienten vermietet, welche diese nur temporär brauchten.

Das Krankenmobilienmagazin in der Rötzmatt öffnete die Türen morgens um neun Uhr. Eine Stunde später waren nur noch Restposten oder sperrige Dinge wie Toilettenstühle oder ein Bett verblieben. Die begehrteren Artikel wie Rollatoren, Rollstühle oder Krückenständer gingen schnell weg.

Wegen Geschäftsaufgabe liquidierte das Samariterteam Olten am Samstag seine ganze Auswahl an Hilfsmittel für Pflege und Mobilität. Mindestens 25 Prozent Rabatt auf neue Produkt und 50 Prozent auf gut erhaltene Leihartikel waren im Inserat angekündigt. Das Angebot war offensichtlich attraktiv. Eine Frau kaufte für fünf Franken ein Paar Krücken für Ihren Gatten, der demnächst das Spital verlassen wird.

Ein Mann deckte sich im Ausverkauf mit einem Rollator als Zweitwagen für seine betagte Mutter ein. Ein Ehepaar erwarb einen Rollstuhl; die (Schwieger-)mutter lebe im Altersheim, und dort seinen nicht immer genügend Rollstühle verfügbar. Deshalb wollte man etwas Eigenes, begründete das Paar seine Motivation für den Kauf. Gleich mit mehreren Hilfsmitteln hatte sich Gabriela Steiner-Gubler eingedeckt. Sie arbeitet als freiberufliche Pflegefachfrau in Dulliken. Sie kaufte deshalb die Artikel als Reserve für ihre Klienten, neben einem Rollstuhl beispielsweise eine spezielle Drehscheibe für den Transfer der pflegebedürftigen Person vom Bett in die Badewanne.

«Meine Frau führt eine Praxis für Physiotherapie; der Rollator und die Gehstöcke werden als Demonstrationsobjekte dienen», erklärt ein anderer Kunde auf die entsprechende Frage hin. Zudem betrachte er den Erwerb dieser Hilfsmittel als eine Art Vorinvestition zugunsten seiner betagte Mutter.

Schliessung unausweichlich

Mit der Liquidation des Krankenmobilienmagazins (KMM) in der Rötzmatt stirbt eine in Olten seit 1922 bestehende Institution. Sie fusst auf einer an sich bestechenden Idee, dass man solche Hilfsmittel in der Regel nur eine begrenzte Zeit benötigt. Nach einer Hüftoperation beispielsweise braucht man eine WC-Erhöhung für drei Wochen und bei Beinverletzungen kann man auf die Krücken verzichten, wenn sie verheilt sind. Da leuchtet Miete statt Kauf sofort ein. Der Samariterverein Region Olten führte deshalb ein KMM, das täglich zwei Stunden geöffnet war und abwechselnd von Margrit Furter und Karin Tengler betreut wurde. Diese Dienstleistungen sind jedoch je länger je weniger gefragt.

Krücken beispielsweise werden den Patienten im Spital direkt käuflich abgegeben. Deshalb schloss die Rechnung des KMM Olten bereits zum vierten Mal in Folge mit roten Zahlen ab, so dass die Reserven nahezu aufgebraucht sind. Der Samariterverein Region Olten (SVO), der das KMM mit separater Rechnung führt, musste auf die Defizite reagieren.

«Alternativen haben wir ernsthaft geprüft, aber am Ende war die Schliessung unabwendbar», betonte Serge Viel, Mitglied der dreiköpfigen Leitung des SVO und zuständig für das Ressort KMM. Was am Samstag nicht mehr verkauft werden konnte, geht nach Rumänien oder Afrika, wohin das Samariterteam schon immer Kontakte pflegte. Für allfällige Interessierte an Hilfsmittel für Mobilität und Pflege bestehen weiterhin - allerdings mit eingeschränkten Öffnungszeiten - die Krankenmobilienmagazine in Hägendorf oder Niedergösgen.

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