Olten

Tiefgaragen-Ausfahrt sorgt für rote Köpfe bei der geplanten Überbauung an der Ziegelfeldstrasse

Das Alters- und Pflegeheim St. Martin (rechts vorne im Bild) will verhindern, dass die Tiefgaragen-Ausfahrt der geplanten Überbauung Ziegelfeldstrasse (mit Profilstangen links vorne im Bild ausgesteckt) über die Grundstrasse führt.

Das Oltner Alters- und Pflegeheim St. Martin wehrt sich gegen Mehrverkehr vor dem eigenen Gebäude – die Sicherheit der Bewohner sei gefährdet.

Nördlich der Kirche St.-Martin wollen die Frei Architekten AG aus Aarau die Überbauung Ziegelfeldstrasse mit 60 Wohnungen in unterschiedlicher Grösse und einer Tiefgarage realisieren. Deren Ein- und Ausfahrt sorgt nun für rote Köpfe. Im Gestaltungsplan ist nämlich vorgesehen, dass die Einfahrt über die Bleichmattstrasse, die Ausfahrt über die Grundstrasse erfolgen soll. Damit kann sich das Altersheim- und Pflegeheim St. Martin, das dadurch von zusätzlichem Durchgangsverkehr betroffen ist, nicht anfreunden. «Wir sind unglücklich über die Verkehrsführung», sagt Heimleiter Urs Hufschmid.

In ihrer Beschwerde an die Regierung führt die Institution aus, dass der Mehrverkehr «eine erhebliche Gefährdung unserer Bewohnerinnen und Bewohner darstellt». Zum einen sei die Sicherheit der älteren Leute gefährdet, die zur Hälfte wegen einer Demenzerkrankung eingeschränkt aufnahmefähig seien. Zum anderen macht das Altersheim bei den betagten Bewohnern eine erhöhte Lärm- und Lichtempfindlichkeit geltend. Weitere Gründe wie eine erhöhte Kollisionsgefahr mit dem zusätzlichen Gegenverkehr oder mehr Autokilometer wegen des Umwegs über die Innenstadt sprechen aus Sicht des Altersheims gegen eine Tiefgaragen-Ausfahrt in die Grundstrasse. Der letzte Punkt widerspreche zudem der übergeordneten Planung, dass der Verkehr in der Innenstadt reduziert werden soll.

Das Altersheim schlägt daher vor, die Überbauung direkt an die Kantonsstrasse, das übergeordnete Verkehrsnetz, anzubinden, indem die Ein- und Ausfahrt via Ziegelfeldstrasse erfolgt. Diesen Vorschlag hat das Altersheim bereits bei der Einsprache gemacht, die vom Stadtrat allerdings abgelehnt wurde. Als weitere Möglichkeit hat das Altersheim in der Einsprache vorgeschlagen, den Verkehr aus der Ausfahrt Grundstrasse direkt in die Ziegelfeldstrasse zu führen, ohne die Strasse allerdings für den Durchgangsverkehr zu öffnen. Die Grundstrasse würde wie bisher eine Sackgasse bleiben.

Baudirektion: Direkte Zufahrt sei rechtlich nicht zulässig

Der Stadtrat lehnte aber in seinem Entscheid die Einsprache des Altersheims mit beiden Vorschlägen ab. Die Oltner Regierung bezieht sich bei ihrer ablehnenden Haltung auch auf das kantonale Strassengesetz. Es ist gemäss Baudirektionsleiter Kurt Schneider rechtlich nicht zulässig, eine Überbauung neu direkt via Kantonsstrasse zu erschliessen, wenn eine Erschliessung über gemeindeeigene Strassen möglich ist. Schneider versichert aber, dass die Stadt nochmals alternative Zufahrten geprüft hat.

Zudem erkennt der Stadtrat keine «unmittelbare Gefährdung» der Altersheim-Bewohner, weil in der Tempo-20-Zone noch ein Trottoir existiert. Dies biete eine «zusätzliche Verkehrssicherheit», heisst es im Stadtratsprotokoll. Ferner handelt es sich um ein geringes Verkehrsaufkommen.

Auch wegen eines neuen Verkehrsgutachtens ist die Stadt nämlich von der ursprünglichen Version weggekommen, nur eine Tiefgaragen-Zufahrt in der Bleichmattstrasse vorzusehen. Das neue Regime – Einfahrt in der Bleichmatt- und Ausfahrt in der Grundstrasse – ist gemäss dem Gutachten sicherer, klarer und quartierverträglicher. Zudem hatte diese Möglichkeit mit der Aufteilung der Zu- und Ausfahrt erst bestanden, weil die eine Liegenschaft später dazugekauft werden konnte.

Was sagt der Bauherr zur umstrittenen Verkehrsführung? Auf Anfrage äussert sich Peter Frei vom gleichnamigen Aarauer Architekturbüro zurückhaltend: Selbstverständlich habe man «alle möglichen Erschliessungen» geprüft. Die Tiefgaragen-Einfahrt direkt über die Kantonsstrasse sei aber «nie eine echte Option» gewesen und verweist dabei – wie schon der Stadtrat – auf den Kanton, welcher dies so nicht wolle. Zudem wäre eine grössere Rampe nötig, weil das Gelände Richtung St.-Martinskirche Gefälle hat.

Beim kantonalen Baudepartement wird diese Sicht der Dinge bestätigt. Dadurch werde der Verkehrsfluss gestört, sagt Daniel Zimmermann, Leiter Projektmanagement Kreis II, auf Anfrage. Die Autos von der Grundstrasse direkt in die Ziegelfeldstrasse statt die Solothurnerstrasse ausfahren zu lassen, wie dies das Altersheim als weitere Variante vorschlägt, ist für den Kanton ebenfalls keine Option. Damit müsste der Knoten bei der Ziegelfeldstrasse nämlich baulich angepasst werden. «Das würde der Kanton sicher nicht bezahlen», sagt Zimmermann.

Bei der Regierung ist eine weitere Beschwerde eingegangen, wie das kantonale Baudepartement auf Anfrage sagt. Der Beschwerdeführer ist dieser Zeitung bekannt, war aber ferienhalber in den vergangenen Tagen nicht erreichbar.

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