Coronafall in Olten

«Terminus»-Gäste dank Oltner Start-Up zurückverfolgt

Im Club Terminus kamen zahlreiche Partygäste mit einem Coronainfizierten in Berührung.

Im Club Terminus kamen zahlreiche Partygäste mit einem Coronainfizierten in Berührung.

Der Tickerverkäufer «Eventfrog» vereinfachte die Identifizierung jener, die dem Coronainfizierten nahe kamen. Allgemein erlebt die Oltner Firma ein grosses Wachstum, weil Veranstaltende ihre Gäste registrieren müssen.

Eine Person infiziert sich mit dem Coronavirus an, noch unwissend besucht sie eine Day-Dance im Club Terminus sowie weitere Lokale in Olten. Resultat: 340 Personen in Quarantäne und viel Arbeit für das Corona Tracing-Team des Kantons, die sich jüngst auch mit einem ähnlichen Vorfall in Grenchen beschäftigt.

Dass die Identifizierung der Teilnehmenden an der Day-Dance so schnell erfolgte, hat mit dem Ticketvorverkauf zu tun. Das Event besass keine Kasse vor Ort, sämtliche Besuchende hatten im Vorfeld Tickets online erworben über den in Olten etablierte Verkäufer Eventfrog.

Nachfrage-Boom beim Ticketvorverkäufer

Die Firma erlebt in den vergangenen Wochen einen wahren Boom, seit der Bund Veranstaltungen wieder erlaubt hat. Denn die Auflage, Gäste bei Veranstaltungen oder Clubs zu registrieren, hat viele Organisierende von Anlässen und Clubbesitzende dazu animiert, Vorverkäufe anzubieten. «Bei der Day-Dance im Terminus gab es keine Abendkasse. Somit hatten sämtliche Gäste ihre Kontaktinformationen (Name, Email und Telefonnummer) bereits beim Kauf des Tickets online hinterlegt», sagt Reto Baumgartner, einer der Gründer von Eventfrog.

Es sei nämlich einfacher als eine mühselige Auflistung vor Ort, bei dem zudem auch Falschangaben möglich sind: «Jede Person, die bei uns ein Ticket kauft, braucht ein Benutzerkonto. Sie ist also nie anonym». Beim Club Terminus gab es deshalb keine Probleme wie vor zwei Wochen im Zürcher Club Flamingo, wo bis zu einem Drittel der Partygäste falsche Informationen angaben und das Tracing von Personen deutlich erschwerten.

Eventfrog hat ausserdem seine Dienstleistung der Notwendigkeiten angepasst: So werden beim Ticketkauf bei Veranstaltungen mit Sitzplätzen automatisch zwei Sitze rechts und links gesperrt, um den nötigen Abstand zu wahren. Auch können Veranstaltende die Anzahl Pflichtfelder bestimmen und mehr Informationen von ihren Kunden fordern. Ausserdem bietet Eventfrog eine Scanning-App an, die ein Checkin aber auch ein Checkout ermöglicht. «So kann der Veranstalter bei Bedarf belegen, wer wann und wie lange im Lokal war.» Die Firma plant in den nächsten Tagen eine Handy-Verification aufzuschalten, sodass der Veranstaltende sicherstellen kann, dass die angegebene Handy-Nummer auch korrekt ist.

Seit Juni 1500 neue Events bei Eventfrog registriert

Diese Dienstleistungen stossen bei zahlreichen Kleinveranstalter Anklang: «Das ist auch primär unsere Zielgruppe: Nicht nur Clubs, sondern auch Theater, sogar Vereinsveranstaltungen. Jene, die keine professionnelle Lösung für den Ticketverkauf haben.» Seit der Lcokerung im Juni sind über 1500 neue Events bei Eventfrog erfasst worden. «Viele davon sind neue Kunden, die vorher kein Ticketing hatten.»

Baumgartner hält zudem fest, dass sein Unternehmen einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten pflege: «Unsere Server sind in der Schweiz und der Datenschutz ist jederzeit gewährt. Persönliche Daten der Ticketkäufer stehen einzig dem Veranstalter, bei dem das Ticket gekauft wurde, für Kommunikationszwecke zur Verfügung.»

Dass jemand lieber keine persönlichen Informationen rausrücken will, versteht er, meint aber auch: «Das ist jedem einzelnen überlassen. Wer aber in der jetzigen Situation Probleme mit Contact-Tracing hat, soll auch nicht ins Club.»

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