Amtsgericht

Täter hinterlässt Spuren auf seinem Einbruchswerkzeug

Der Täter von Winznau und Hägendorf hat Spuren auf seinem Werkzeug hinterlassen.

Der Täter von Winznau und Hägendorf hat Spuren auf seinem Werkzeug hinterlassen.

Mithilfe von DNA-Spuren auf einem Schraubenzieher will die Staatsanwaltschaft vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen einen Kriminaltouristen überführen, der in Hägendorf und Winznau Einbrüche verübt zuhaben. Die Verteidigung fordert hingegen einen Freispruch.

Drei Männer, die durch ihr Quartier im luzernischen Willisau spazieren, sind für Daniela N.* an sich nichts Besonderes. Besteigen sie alsdann ein Fahrzeug mit Solothurner Kennzeichen, ist das vielleicht ungewöhnlich, mehr aber auch nicht. An diesem Novemberabend im Jahr 2018 um halb sieben indes ist für N. nichts wie sonst. Soeben hat sie durch ihre Heimkehr Einbrecher aufgeschreckt. Die ungebetenen Gäste ziehen sich ebenso rasch zurück wie N. selbst, die sich ins Auto setzt und bei den Eltern ihres abwesenden Partners Zuflucht sucht. Unterwegs beobachtet sie drei Männer, die in ein Fahrzeug steigen. Könnten das womöglich die Einbrecher sein? Daniela N. ist ohnehin bereits mit der Polizei in telefonischer Verbindung, also gibt sie das Solothurner Kennzeichen durch. Das Trio wird bald verfolgt. Die Polizei registriert, dass aus dem Fenster des mutmasslichen Fluchtautos ein Gegenstand geworfen wird – ein grosser Schraubenzieher, wie sich später herausstellen sollte. Auf der Autobahn bei Rothrist endet die Fahrt im Mietauto für Shaip U.* und seine zwei mutmasslichen Komplizen: Sie werden angehalten und festgenommen.

DNA führte nach Winznau, Hägendorf und Roggwil

Am Montag musste der Kosovare Shaip U. vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen erscheinen, weil er nicht nur des Einbruchs in Willisau verdächtigt wird, sondern die Staatsanwaltschaft ihn auch für den Täter hält bei Einbruchsdelikten in Winznau und Hägendorf (2. und 3. März 2018) sowie Roggwil BE (1. November 2018). Die beiden Komplizen müssen sich ausserhalb des Kantons Solothurn verantworten. Laut Anklageschrift wird U. des Diebstahls, der Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs, der Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz (rechtswidrige Einreise und Schwarzarbeit) sowie des Führens eines Motorfahrzeugs ohne Führerausweis beschuldigt. Die Deliktsumme beträgt inklusive Bargeld und Schmuck knapp 9500 Franken , der angerichtete Schaden beläuft sich auf 18 000 Franken.

Die Staatsanwaltschaft bezeichnet Shaip U. als «Paradebeispiel für einen Kriminaltouristen» und beantragt eine unbedingte Freiheitsstrafe von 33 Monaten, 12 Jahre Landesverweis, eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 10 Franken sowie die Übernahme der Gerichtskosten durch den Beschuldigten.

Doch wie kommt die Staatsanwaltschaft zu ihrer Überzeugung? Immerhin vermochte niemand Shaip U. auf frischer Tat zu ertappen, und keiner der aufgerufenen Zeugen bekam ihn an einem Tatort zu Gesicht. Am Anfang der Ermittlungen steht besagter Schraubenzieher, auf dem die DNA von U. sichergestellt wurde. Und siehe da. Die DNA passt zu Spuren, die beim versuchten (aber gescheiterten) Einbruch in Winznau, sowie bei den Einbruchdiebstählen in Hägendorf und in Roggwil gefunden wurden. Die DNA bildet denn auch die Grundlage, auf der die Staatsanwaltschaft ihre Überzeugung aufbaut. Der Beschuldigte, der sich an der Hauptverhandlung eigentlich nicht mehr äussern wollte, bestreitet jedoch die Anwesenheit an den Örtlichkeiten: «Ich kann es nicht glauben», sagt er bezüglich gefundener DNA. Und: «Es ist unmöglich, ich habe noch nie in meinem Leben einen Einbruch begangen.» Reine Schutzbehauptung, sagt dazu die Staatsanwaltschaft.

Die Verteidigung zweifelt die Beweise an

Der Pflichtverteidiger seinerseits zieht in seinem Plädoyer die Erkenntnisse der Ermittlung in Zweifel. Es sei nicht erwiesen, dass Shaip U. sich tatsächlich an den Tatorten in Winznau, Hägendorf und Roggwil aufgehalten habe; zumal dessen DNA-Spuren von Handschuhen stammten, die auch eine Drittperson getragen haben könnte. Der Verteidiger bemängelt zudem, dass den möglicherweise entlastenden Spuren nicht dieselbe Aufmerksamkeit geschenkt worden sei wie den belastenden Argumenten; namentlich hätten die Ermittler Fussspuren nicht näher untersucht. Ebenso sei nicht rechtsgenügend belegt, ob sein Mandant in Hägendorf und Roggwil tatsächlich das Haus betreten und einen Diebstahl begangen habe.

Die im Zuge der Untersuchungen hinzugezogenen GPS-Daten des Mietwagens erachtet die Verteidigung als unzulässig, insbesondere sei Shaip U. als Mieter nicht über die Existenz des Ortungssystems in Kenntnis gesetzt worden. Sein Mandant sei freizusprechen und sofort freizulassen. Einzig dem Vorwurf der Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung setzt der Beschuldigte nichts entgegen; sein Verteidiger fordert diesbezüglich eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 20 Franken. Das Urteil wird demnächst schriftlich eröffnet.

*Name von der Redaktion geändert.

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