Am Scheideweg

Studie fordert neue Perspektiven für Oltner Stadtbibliothek

Die HTW Chur hat eine Studie betreffend Gegenwart und Zukunft der Stadtbibliothek Olten durchgeführt.

Oltens Stadtbibliothek steht am Scheideweg: Entweder sie geht vergessen oder wird zu einer reinen allgemeinen öffentlichen Institution. Das besagt eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur.

Wenig schmeichelhaft und vielleicht etwas gar schwarzmalend, was die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur in ihrer Studie betreffend Gegenwart und Zukunft der Stadtbibliothek formuliert. Sie kommt zum Schluss: «Bleibt alles so, wie es ist, wird die Stadtbibliothek mittelfristig ihre Tore schliessen müssen.» Der Stadtbibliothek Olten fehle eine langfristige Perspektive, heisst es in der Mitteilung der Stadtkanzlei.
Woran aber machen die Hochschüler dies fest? Nach ihrer Einschätzung bleibt zwar die Medienausleihe der Bibliothek als Kernaufgabe erhalten, aber Aufgaben wie

  • Leseförderung für unterschiedliche Altersgruppen
  • vertiefte Vermittlung von Medienkompetenz
  • die Unterstützung des lebenslangen Lernens
  • Integrationsprojekte

bekämen zukünftig vermehrt ihre Bedeutung. Grundsätzlich: Bibliotheken würden als Begegnungs-, Austausch- und Lernort immer wichtiger. Dies alles sei am jetzigen Standort der Stadtbibliothek nur schwer zu erfüllen, wenn überhaupt. Grund: enge Räume, ungenügende Lichtverhältnisse, statische Regale, Angebot auf mehrere Etagen verteilt. Als Folge davon schlägt die Studie vor, die Stadtbibliothek andernorts, etwa im Stadthaus, zu verorten.

Ein Platzproblem

«Im Stadthaus haben wir einfach ein Platzproblem», sagt Stadtpräsident Martin Wey zum Rat der HTW. Obwohl sich im Zusammenspiel mit der bereits dort ansässigen Jugendbibliothek sicher Synergien nutzen liessen. Womöglich lassen sich aber auch andere Liegenschaften der Stadt im Zentrum dafür nutzen. So muss, wie Wey ausführt, die Standortfrage der Bibliothek mit jener des Kunstmuseums in Verbindung gebracht werden. «Bisher gibts aber in dieser Hinsicht noch keine durchdachten Varianten», so Wey. Zumal sich das Raumangebot des Gebäudes auch über mehrere Etagen erstreckt.

Neben der Standortfrage haben sich die Studierenden der HTW auch mit den personellen Ressourcen befasst. Zwar äussern sie sich dazu nicht konkret, halten aber fest: Eine deutliche Stellenerhöhung ist vonnöten. Derzeit ist die Stadtbibliothek mit einem Etat von drei Vollzeitstellen verteilt auf vier Mitarbeitende versehen. «Die Ressourcen müssen ganz bestimmt Thema werden», meint Wey. Von der neuen Leiterin Stadtbibliothek Dorothee Windlin (wie berichteten) könnte gemäss Wey ein Schub ausgehen. Aber auch hier ist noch nicht klar, ob und inwieweit der Stellenetat erhöht wird. Da könnte die Bemerkung der Studierenden stimulierend wirken: Für einen Schritt nach vorne brauche es ein klares politisches Bekenntnis zur Bibliothek und zu mehr Ressourcen in personeller wie in räumlicher Hinsicht.

Klar angegangen werden dagegen die Öffnungszeiten der Bibliothek. Bedarf danach hat auch eine Kundenbefragung der HTW ergeben. «Sie sollen den Kundenbedürfnissen angepasst werden», kommentiert Wey die Umfrageergebnisse lapidar. Derzeit ist die Stadtbibliothek an 24 Stunden in der Woche geöffnet, montags und wochentags über Mittag immer geschlossen. Kritik löst auch die Ausleihtheke aus, welche gleich beim Eintreten ins Auge fällt und die zu einer gewissen Distanz zum Personal führt. Aber die Zufriedenheit der Kunden ist dennoch gross: Von den rund 750 ausgewerteten Fragebogen äussern sich 91 Prozent lobend zur Stadtbibliothek. Rund zwei Drittel der Absender sind übrigens älter als 46-jährig.

Und jetzt: Wie weiter?

Die Aussensicht der HTW wird am 25. Februar, 19 Uhr, von Studienleiter Ivo Macek im Parlamentssaal vorgestellt. Zudem wird das weitere Vorgehen präsentiert, wie der Stadtrat aus dieser Aussensicht unter Einbezug von lokalem Wissen ein Zukunftsszenario unter der Prämisse «Bibliothek 2025» formen will. «Dafür werden wir eine Arbeitsgruppe einsetzen», gibt Martin Wey zu verstehen.

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