An einer turbulenten Gemeindeversammlung gestern Abend in Rickenbach fiel das wichtigste Geschäft durch. Der Gemeinderat wollte rund 9000 m2 eigenes Land an den Oltner Verein Haus zur Heimat im Baurecht abgeben, damit dieser dort ein Pflegezentrum mit 75 Betten und 12 Alterswohnungen für 35 Millionen Franken realisieren kann.

Der Antrag des Stimmbürgers Martin Kamber auf Nichteintreten des Geschäfts wurde allerdings mit einer Zweidrittelmehrheit von 80 zu 40 Stimmen klar angenommen. «Es ist etwas eigenartig, dass die Versammlung nicht einmal die Vor- und Nachteile des Projekts diskutieren will», sagte ein enttäuschter Gemeindepräsident Dieter Leu nach dem Entscheid. Für ihn sei die Sache damit vom Tisch.

Bei der Eintretensdebatte äusserten sich mehrere Gegner des Projekts. Es sei eine enorme Fläche, die da einfach im Baurecht abgegeben werden solle, die Gemeinde könne darauf etwas anderes als ein Pflegeheim bauen, hiess es. Einige Votanten schlugen vor, dass dort Wohnungen realisiert werden könnten, die auch jüngere Steuerzahler und Familien mit Kindern anziehe. «Wir wollen uns jetzt nicht die Zukunft verbauen», sagte Pius Müller, FDP-Ortsparteipräsident, und erhielt dafür längeren Applaus.

Ein weiterer Vorwurf war die mangelnde Orientierung über das Projekt vonseiten der Verantwortlichen. Es sehe wie ein «Fait accompli» aus, monierte Alexander Wyrsch. Es hätte vorgängig eine Informationsveranstaltung geben müssen, ein Infoflyer reiche nicht aus. Zwar versuchte Markus Diener, der Präsident des Vereins Haus zur Heimat, den Antrag zu stellen, dass er noch vor der Abstimmung zum Eintreten das Projekt präsentieren könne. Es kam allerdings nicht dazu. Eine Mehrheit der 120 Stimmbürger tat ihren Unmut dazu kund. Selbst Gemeindepräsident Leu, der bei der Versammlungsführung nicht die beste Figur machte, konnte die Stimmbürger nicht davon überzeugen.

Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte Leu nach dem Entscheid, dass er gewusst habe, dass es eng werden könnte. «Ich rechnete allerdings mit einem knapperen Entscheid», sagte der ehemalige CVP-Kantonsrat. Es sei im Vorfeld gegen das Projekt geweibelt worden. Die FDP-Ortspartei soll sich dem Vernehmen nach dagegen starkgemacht haben.

Enttäuscht zeigte sich auch Haus-zur-Heimat-Vereinspräsident Markus Diener. «Es ist eine verpasste Chance für die Gemeinde», sagte der Rickenbacher. Das 35-Millionen-Projekt ist allerdings nicht gestorben. «Wir haben Ideen für andere Standorte.» Die seien allerdings noch nicht konkret.