Amtsgericht Olten-Gösgen

Staatsanwalt fordert 19 Jahre und Verwahrung für Messerstecher von Trimbach

Handelte der Täter kaltblütig oder aus Eifersucht?

Handelte der Täter kaltblütig oder aus Eifersucht?

War es Gefühlskälte oder krankhafte Eifersucht, die einen Eritreer 2013 in Trimbach dazu trieben seine Partnerin mit 20 Messerstichen zu töten? Die Antwort darauf wird grossen Einfluss auf das Urteil haben.

War alles abgesprochen? Hatte die Familie des Opfers falsch ausgesagt, um den Täter als gewissenloses Monster darzustellen? Zumindest der Verteidiger des 42-jährigen Eritreers, der seine ehemalige Partnerin im Oktober 2013 mit über zwanzig Messerstichen tödlich niederstreckte, vertrat diese Ansicht. Es handelte sich am Montag bereits um den dritten Prozesstag im Fall der Trimbacher Bluttat.

Unglaubwürdige Aussagen?

So hatte etwa die Schwester der getöteten Frau ausgesagt, das Opfer habe ihr gegenüber am Telefon nur Minuten vor der Tat geäussert, dass der Vater ihrer Kinder ihr etwas antun wolle. Fakt ist: Die Polizei ermittelte, dass dieses Telefonat nie stattgefunden hat. Verschiedene Zeugen sagten zudem aus, dass der Täter der Frau gegenüber schon seit längerem Drohungen ausgesprochen habe. Dass er sie geschlagen, ihr gar die Hand gebrochen habe. Ein Handbruch konnte von der Gerichtsmedizin nicht festgestellt, die Drohungen im Vorfeld nicht bewiesen werden. Die Aussagen der Familie seien, resümierte der Verteidiger, unglaubwürdig.

«Ungeheuer»

Der Staatsanwalt, an dem ein Dramatiker verloren gegangen zu sein scheint, sah die Lage naturgemäss anders. Untermalt von Nietzsche-, Shakespeare- und Goethe-Zitaten («Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft») und einer Schwemme von Superlativen (krassester und primitivster Egoismus, ausserordentliche Grausamkeit, unbeschreibliche Gefühlskälte usf.) stilisierte er den Täter in seinem Plädoyer zum «Ungeheuer» hoch.

Die Tötung der Frau sei von Bestrafung und Rachsucht motiviert gewesen, sei der Täter doch dem Eindruck erlegen, seine Partnerin unterhalte eine Beziehung zu einem anderen Mann. Die von den Zeugen konstatierten Todesdrohungen im Vorfeld sprächen dafür, dass es sich nicht um ein Affektdelikt handeln könne. Auch sei die Tötung nicht abrupt verlaufen, sondern habe sich in fünf Etappen und damit einem lang gezogenen «Tötungsrausch» abgespielt. Er plädierte auf den Tatbestand Mord und 19 Jahre Freiheitsstrafe. Zusätzlich verlangte er die Verwahrung des Täters.

Tötung aus Eifersucht

Der Vertreter der Kinder und der Schwester des Opfers plädierte ebenfalls auf Mord. Er beantragte für jedes der Kinder 70 000 Franken Genugtuung. Für die Schwester, die die Kinder in ihre Obhut genommen hat, forderte er weitere 15 000 Franken Genugtuung. Auf das Strafmass mochte er sich nicht festlegen.

Der Verteidiger allerdings wollte von Mord nichts hören. In seinen Augen handelt es sich bei der Tat um eine eventualvorsätzliche Tötung. Er führte aus, dass der Beschuldigte die Frau geliebt habe, dafür spreche auch seine Eifersucht. «Mord ist ausgeschlossen bei Liebe», zitierte er sinngemäss aus einem juristischen Lehrbuch. Mord als Tatbestand sei in diesem Fall also nicht vertretbar. Die Tat sei durchaus aus dem Affekt erfolgt, was sich stark strafmildernd auswirken müsse. Er forderte acht Jahre Freiheitsstrafe und eine angemessene Genugtuung für die Kinder. Den Forderungen nach einer Genugtuung für die Schwester der Getöteten sowie der Verwahrung des Täters sei nicht Folge zu leisten.

Das Urteil wird am 15. Juni verkündet.

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