Gewerbetreff

So verbessert Verband aus Schönenwerd die Strom-Situation in Südostasien

Brigitte Nussbaumer und Referent Walter Christen geniessen einen wohlverdienten Apéro.

Brigitte Nussbaumer und Referent Walter Christen geniessen einen wohlverdienten Apéro.

Der Gewerbetreff in der Firma Nussbaumer Elektroanlagen gewährte Einblicke in Projekte im südostasiatischen Staat Myanmar. Dort können Bewohner eine Elektroinstallateur-Lehre machen, damit die Installationen und Leitungen künftig sicherer werden.

«Da wir uns in einem Elektro-Betrieb treffen, können Sie davon ausgehen, dass es beim Referat auch um Strom gehen wird.» Mit diesen Worten begrüsste der Schönenwerder Gemeindepräsident Peter Hodel zum Gewerbetreff. Schon bald darauf zeigte sich, dass er recht behalten sollte.

Gastreferent war Walter Christen. Ein Elektroinstallateur, der im südostasiatischen Staat Myanmar ein Projekt betreut, bei dem es darum geht, den Lernberuf des Elektroinstallateurs aufzubauen und damit die Strom-Situation im Land zu verbessern. Dies ist auch dringend nötig, wie die von Christen gezeigten Fotos aus der Hauptstadt Naypyidaw deutlich zeigen: Blanke Stromkabel, die so nahe vor den Balkonen verlaufen, dass die Bewohner Wäsche aufhängen könnten. Strommasten mit Dutzenden, wenn nicht sogar Hunderten angehängter Leitungen zieren das Stadtbild – ungesicherte Leitungen, versteht sich. Mit der Sicherheit hätten es die Menschen in Myanmar nicht so, erklärt Christen: «Überall gibt es Schilder, auf denen ‹Safety First› geschrieben steht. Und nebenan stehen Elektriker mit Flip-Flops auf Leitern aus Bambusrohren und Schnüren.»

Chance auf gute Ausbildung

«Deshalb mussten wir, als wir das Projekt 2004 starteten, zuerst vor allem im Bereich der Sicherheit Veränderungen vornehmen», ergänzt Christen, der gekonnt und mit Witz referiert. 2005 konnte der erste Kurs, eine dreijährige Elektroinstallateur-Lehre, gestartet werden. Einen Tag in der Woche mussten die jungen Lehrlinge in die Gewerbeschule gehen. Dabei zeigten sie sich äusserst geschickt, wissbegierig und engagiert.

«Sie erkannten, dass sich hier die Chance auf eine gute Ausbildung ergibt», sagte Christen, der beim Projekt für den praktischen Teil verantwortlich ist. Die Gewerbeschule leitet ein befreundeter Elektroinstallateur, der bereits in der Schweiz unterrichtete. Die grösste Herausforderung bestand laut Christen darin, den jungen Burschen selbstständiges Denken und kritisches Hinterfragen beizubringen. «Was der Lehrer sagt, stimmt und wird nicht hinterfragt.»

Drei Jahre später fanden die ersten Lehrabschlussprüfungen statt. Aktuell kann an der Schule neben dem Beruf des Elektroinstallateurs auch derjenige des Schlossers oder des Schreiners erlernt werden. Damit dies weiter möglich ist, wird zusammen mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ein neues Schulgebäude gebaut, das 2017 fertiggestellt werden soll.

Arbeit gibt es für die jungen Elektroinstallateure genug: «Die Baubranche in Myanmar boomt, und deshalb sind gute Handwerker sehr gefragt», erklärt Christen. Es gäbe auch solche, die nach dem Lehrabschluss einige Jahre auf ihrem Beruf arbeiteten, ehe sie als Lehrer zurück an die Schule kämen.

Im Anschluss an das Referat stellte Brigitte Nussbaumer die Firma Nussbaumer Elektroanlagen AG vor. Sie erzählte von der beruflichen Laufbahn ihres Gatten Urs Nussbaumer, der die Firma 1998 gündete und bis heute Geschäftsführer ist. Von der Entwicklung vom kleinen Unternehmen mit vier Mitarbeitern an einem Standort bis hin zum Mittelunternehmen mit 42 Festangestellten, dem Hauptsitz in Schönenwerd und einer Filiale in Trimbach. Zum Abschluss zeigte sie ein Firmenvideo. Und dabei zeigte sich ganz deutlich: In der Schweiz wird doch ein wenig anders gearbeitet als in Myanmar.

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