Schönenwerd
Robotik als Fluch oder Segen? Die Wirtschaftsförderung AareLand diskutierte den technologischen Wandel

Gemeinsame Wirtschaftsförderung AareLand führte in Schönenwerd ein Netzwerk-Frühstück durch.

Hans Peter Schläfli
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Der Küttiger Unternehmer Peter Tischhauser (links mit Mikrophon) stellte mit seinen Fragen die Experten auf der Bühne auf die Probe.

Der Küttiger Unternehmer Peter Tischhauser (links mit Mikrophon) stellte mit seinen Fragen die Experten auf der Bühne auf die Probe.

Hans Peter Schläfli / Oltner Tagblatt

Früh Aufstehen war angesagt. Rund 80 Unternehmer, darunter exakt fünf Frauen, machten sich im Morgengrauen auf den Weg ins Niederamt, um zusammen einen Kaffee zu trinken. Unter den wenigen Frauen im Hotel Storchen, Schönenwerd, war auch die neue Gemeindepräsidentin von Schönenwerd, Charlotte Shah-Wuillemin, die in der Begrüssung über die frühere Schuhfabrik Bally und die Schönenwerder Erfolgsgeschichte bei der Ansiedlung neuer Firmen im alten Fabrikareal sprach.

Sie sollen Gefühle zeigen, obwohl sie keine haben

Der erste Referent war Hartmut Schulze, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, der eine Übersicht lieferte, die von Industrierobotern bis zum automatisierten Rasenmäher reichte. Dann konzentrierte er sich auf die sozialen Roboter, die mit Menschen interagieren können.

«Sie sollen Gefühle zeigen, aber in Wahrheit haben sie natürlich keine Gefühle.»

Die Einsatzgebiete seien breit gestreut, von der Betreuung über die Bildung bis hin zum Gesundheitswesen. Aber die Entwicklung stehe noch ganz am Anfang. Er stellte das Prinzip des Telepräsenzroboters vor, das gerade in der Pandemiezeit eine Kommunikation aus der Distanz ermöglichte, sei es in Altersheimen oder bei Ferndiagnosen durch Ärzte.

Der These, die Robotik ein Arbeitsplatzkiller sei, widersprach Roger Bachmann, Unternehmer aus Zofingen. «Die Wirtschaft fordert mehr Automation, um ermüdende, repetitive und unbefriedigende Arbeitsplätze abzulösen», meinte Bachmann. Er präsentierte anhand der Fabrikation von Seilbahnkabinen in Olten, wie Roboter die Produktion perfektionieren und Arbeitsplätze in der Region halten können. Heinrich Lüthi von der Firma Swisslog zeigte auf, wie Roboter im Laden die Verkaufsgestelle mit Ware nachfüllen und das Inventar automatisch führen könnten. Im Gespräch meinte Lüthi zu seinem Vorredner Roger Bachmann: «Wenn ich Sie bei unserem Einstieg in die Robotik im Jahr 2014 schon gekannt hätte, dann hätte Swisslog einige Probleme der Robotik vermutlich schneller gelöst.»

Warum jeder für sich alleine?

Bei den Fragen aus dem Publikum griff der Küttiger Unternehmer Peter Tischhauser diese Bemerkung auf. Er nämlich wollte wissen, warum in der Automation und der Robotik jeder für sich alleine das Rad immer wieder neu erfinden wolle. «Wir laufen Gefahr, dass die Hochschulen an Dingen forschen, die es anderswo schon längst gibt», meinte Tischhauser.

«Es fehlt eine Anlaufstelle für den Wissensaustausch und jeder wurstelt für sich alleine.»

Hartmut Schulze von der Fachhochschule Nordwestschweiz nahm diese Anregung dankbar auf und Heinrich Lüthi wies darauf hin, dass gerade deshalb solche Netzwerkanlässe so wichtig sind, um sich zu vernetzen und um herauszufinden, wo in der Region AareLand solches Know-how zu finden ist. Im Vergleich zu China oder Singapur noch in Steinzeit «Die Thematik der Robotik interessiert mich seit 30 Jahren», sagte Tischhauser. «Wir setzen in unserem Unternehmen ­Tiventa ferngesteuerte Roboter ein, um Lüftungs- und Klimaanlagen zu reinigen, die Menschen gar nicht reinigen könnten, weil Rohre zu klein sind oder weil darin gefährliche Stoffe vorkommen. Aber im Vergleich mit ­China und Singapur befinden wir uns beim Thema Robotik noch in der Steinzeit. Wir wären alle viel weiter, wenn es eine Anlaufstelle des Bundes für den Wissenstransfer zwischen der Wissenschaft und zwischen den interessierten Unternehmen gäbe.»

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