Kein Thema zu schmal, um nicht als Motiv für eine Schnitzelbank herhalten zu können. Und – logisch – auch keines zu breit. In der Schützi Olten, einem der total 17 Fuko-Lokale jedenfalls wurde man diesen Eindruck am Abend des Schmutzigen Donnerstag nicht los. Schnitzelbank-Abend: Da warten jeweils volle Lokale auf die Bankheroen beiderlei Geschlechts. Deren Beliebtheit: ungebrochen. «Wir könnten deutlich mehr als die rund 2500 Eintritte absetzen», pflegt Fuko-Präsident Beat Loosli alljährlich zu sagen.

Nun, der Schnitzelbankjahrgang 2019 brachte keinen eigentlichen Brüller hervor und nicht wenige Bänke plätscherten so vor sich hin, die, bei Lichte betrachtet (das heisst, wenn man sie im Büchlein nachliest), eigentlich gar nicht so übel daherkamen. Aber aus unerfindlichen Gründen verpufften sie im Publikum fast ohne Wirkung; und das lag nicht nur an der gelegentlich undeutlichen Artikulierung der Sänger.

Das lag wohl auch am dramaturgischen Setting der jeweiligen Gruppe, das häufig zu aufgesetzt wirkte, zu gekünstelt, zu verstellt. Zuweilen wurden Bänke auch nicht sauber vom Garniturgesang getrennt, der die Auftritte jeweils begleitet. Rampensäue aber erobern ihr Publikum mit unverblümter Direktheit, ohne Unterbruch. Je freier, desto besser möchte man sagen. Am Timing und am Outfit der Gruppen kanns übrigens nicht gelegen haben: Der Fahrplan wurde schon fast erschreckend konsequent eingehalten, und die Kostüme waren in aller Regel originell, manchmal gar eine Augenweide.

Themenmix breit

Der Spannungsbogen unter den Themen 2019: weit. Klar, dass der kleine Kunstskandal um Jörg Binz im Kantonsspital wie der budgetlose Zustand der Stadt ein häufig vorkommender Brocken war; allerdings warfen die meisten der Budget-Verse keine hohen Wellen. Vielleicht ist das Gebiet schon abgelutscht, zu gewöhnlich. Da waren der Parkplatzmangel (eigentlich erstaunlich, wie lange sich dieses Klischee zu halten vermag), das städtische Beizensetting (eröffnen - schliessen - eröffnen - schliessen; inklusive überbordendem Schnellverpflegungsangebot) oder die inflationär vorkommenden Baustellen in der Stadt Olten weit dankbarer. Ebenso die androgyn wirkende Magdalena Martullo Blocher, die gleich von mehreren Gruppen aufgenommen wurde. Ein Thema, das im Grundsatz halt nie fehlschlägt. Selbiges gilt auch fürs Chlausschwimmen. Gut aufbereitet, und das waren die meisten der diesbezüglichen Bänke, verfehlte dieses Thema seine Wirkung im Publikum nicht; auch weil irgendwie ein überhöhtes Überraschungsmoment drinsteckte.

Auch Grobschlächtiges

Es gab zum Teil auch Martialisches zu hören: «grüne umsägen» (darunter verstehe einer was er will), «amputierte Pimmel», oder «am Arsch angewachsene Füsse». Vielleicht halt doch eine Spur zu derb, zu schmal, zu leicht, zu frontal, um die grossen Lacher zu generieren. Überhaupt scheint ein gewisses Kokettieren mit Anzüglichkeiten wieder etwas Mode zu kommen.

Umso mehr freute sich das Publikum am geglückten Wort- und Gedankenspiel mit der überraschenden Wende: Zu den Vertretern solcher Spielereien gehörten am Donnerstag etwa die Banausen, die Tannzapfe-, die Säli- oder die Nachtwächter Zunft, die ihrerseits zwei, drei Glanzlichter setzte. Nicht eigentliche Knaller, wohlverstanden. Aber die Regungen im zusehends gesättigten Publikum waren deutlich wahrzunehmen. Ein gutes Zeichen.
Fazit: Wollte man den Jahrgang 2019 mit einer Weinklassifizierung näher beschreiben, man landete wohl unweigerlich bei der Bezeichnung Tafelwein. Warum eigentlich nicht. Der gefällt dem Gaumen meistens ganz ordentlich. Nur: Eine sogenannten «Brausebirne» möchte man sich damit nicht unbedingt holen. Prost.

Hilari Zunft

Schmutziger Donnerstag - Schnitzelbank-Abend - Hilari bko

Auftritt der Hilari-Zunft zu Olten

E Stadtroots-Sitzig setisch gseh, du würdisch rüefe: Ach oh weh!
Dr Martin macht z’erscht churz Apäll, d’Iris goht uf’s WC schnäll.
Denn töi alli d’Mail no tschegge, der Benvi git – Trumpf isch hüt Egge.
So goht’s wyter, bis der Wey, rüeft: «s’isch Zwölfli, mir göi hei.»

Glugger

Glugger bko

Auftritt der Glugger-Clique Trimbach

Mi BMW dä stoht ganz z’fride - ir Garage vor mim Huus,
denn für schnäll a Bahnhof Olte - bisch schnäller z’Fuess - chunsch druus.
Bisch du sportlich guet trainiert - und körperlich top-fit,
chunnsch trotz Löcher, Hüüfe, Gräbe, Steine, Lättli-Läde, Sand und Chiis,
Abspeerige, Umwäge und Dräck, relativ no wit.

Banause

Banausen bko

Auftritt der Banause-Zunft Olten

E ha me vor chorzem gmäldet, för d’ Sändig Frauentausch,
ha ghofft es wärdi besser, uf jede Fall e riise Plousch;
jetze hani Hetzewallig ond Atemnot grad au
Set de José gseit het; Manito - Martullo Blocher isch eine Frau.

Fröscheweid

Fröscheweid bko

Die Fröscheweid-Zunft Olten

Dr Martin seit zum Trudeli –
göi zäme i mis Städteli –
längschtens ha’n’ eg dört scho welle –
alli lääre Läde zelle!

Tannzapfe

Tannzapfe bko

Die Tannzapfe-Zunft zu Olten

Dr Wey het chörzlech gsüüfzged – nachme feine Ässe:
«Schatz,e muess i d’Stadt no schnäu, ha Kondom vergässe».
Won är weder hei esch cho, schloft si Frou set Stonde.
Är flöschteret: «Schloof wiiter Schatz, i ha kei Parkplatz gfonde.»

Nachtwächter

Nachtwächter bko

Ausschnitt aus den Schnitzelbänken der Nachtwächter-Zunft Oute

Im Chalet a der Aare hocki gmüetlech bimne Bier.
Do gsehni plötzli i däm Fluss - paar gruusig wüeschti Tier.
E Nacktschnägg, es Rhinozeros, e dicke, fette Fisch,
ah nei, e ha vergässe, dass höt s’Chlouseschwömme esch.

Oltner Läckerli

Oltner Läckerli bko

Ausschnitt aus dem Auftritt der Frauenclique Oltner Läckerli am Schmudo

Gsesch födliblotti Mönsche i de Schötzi,
höchstens ufem Chopf es Chlousemötzli.
De Chlous het söscht e grosse Sack derby,
nochem Schwömme escher norno schrumplig ond chli.

Dreiangel Bully

Dreiangel Bully bko

Auftritt der Dreiangel-Bully-Zunft zu OIten

D’Lüt vo Oute düe sech zämme rouffe,
vor erscht Sekunde sött die Parkuhr louffe.
So öppis esch en Seich, das esch doch bireweich,
mer wei dä Parkplatz miete u net chouffe.

Säli

Schnitzelbank-Abend Säli Zunft mit Obernaar Reto dr Auerletscht bko

Schnitzelbank-Abend Säli Zunft mit Obernaar Reto dr Auerletscht

Am Ländiwäg, chasch ohni Sorge döre loufe,
Cannabis chasch döt jetzt nöme choufe.
Me monklet schins, das esch gar ned so vermässe:
E Veganer heig de Dealer s’Gras wäggfrässe!