Region Olten
Kirchgemeinde in Geldnot: Oltner Kirchgasse erhält ein neues Ladenlokal - und Wohnungen?

Ein strukturelles Defizit setzt der christkatholischen Gemeinde zu: Um dieses zu vermindern, soll das Kirchgemeindehaus an der Oltner Kirchgasse versilbert werden. Ein Interessent für das Ladenlokal ist bereits vorhanden.

Fabian Muster
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Kirchgemeindepräsidentin Monique Rudolf von Rohr vor dem Kirchgemeindehaus, wo im rechten Teil ein Ladenlokal entstehen soll.

Kirchgemeindepräsidentin Monique Rudolf von Rohr vor dem Kirchgemeindehaus, wo im rechten Teil ein Ladenlokal entstehen soll.

Bruno Kissling

Die christkatholische Gemeinde mit etwas über 400 Mitgliedern steht finanziell nicht mehr auf gesunden Beinen. Mit einem jährlichen strukturellen Defizit von mehreren Hunderttausend Franken sieht die Zukunft alles andere als rosig aus. Sogar das Gespenst der Kantonsverwaltung schwebt über der Gemeinde. Vergangenes Jahr schrieb die Gemeinde ein Minus von 292'000 Franken, in diesem Jahr rechnet man laut Budget mit einem Verlust von 311'000 Franken.

Deshalb muss gespart werden: So leistet sich die Kirchgemeinde mit 31 angeschlossenen Gemeinden aus der Region Olten, Gäu und Thal seit der Trennung von Kai Fehringer vor über einem Jahr keine eigene Pfarrperson mehr, um den Lohn von jährlich bis zu 140'000 Franken nicht aufwenden zu müssen. Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem schweizweiten Pool der Christkatholiken sorgen dafür, dass es jeden Sonntag einen Gottesdienst in der Oltner Stadtkirche gibt. Das kostet unter dem Strich viel weniger.

Kirchgemeindehaus soll versilbert werden

Doch das reicht nicht aus, um das strukturelle Defizit auszugleichen: Es müssen auch Mehreinnahmen her. Dies sollen Vermietungen bringen, wie die ausserordentliche Gemeindeversammlung vom Dienstagabend zeigte. «Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kirchgemeinde wieder auf eine gesunde finanzielle Basis gestellt werden kann», schrieb Präsidentin Monique Rudolf von Rohr schon in der Einladung.

Ein Weg dazu seien Einnahmen mittels Mietzinsen. Dafür wollen die Christkatholiken ihr Kirchgemeindehaus in der Kirchgasse 15 versilbern: Im Erdgeschoss, wo es bisher einen grosszügigen Eingangsbereich zum Kirchgemeindesaal gibt, soll ein Ladenlokal von rund 100 m2 entstehen. Die Umbaukosten betragen dafür 152'000 Franken. Die kantonale Denkmalpflege und die zuständige Altstadtkommission haben nach einer ersten Anfrage nichts gegen das Projekt einzuwenden, wie es an der Versammlung hiess.

Kleiderhaus neben dem Kirchgemeindesaal?

Bereits ist ein Interessent vorhanden: Die Schweizer Modekette Nile will das Lokal für die nächsten zehn Jahre mit Option auf weitere fünf Jahre mieten - und sich laut Kirchgemeinderat Roger Lang auch an der Hälfte der Umbaukosten beteiligen. Damit die Christkatholikinnen und -katholiken weiterhin ihren Kirchgemeindesaal nutzen können, gibt es einen neuen separaten Eingang im linken Teil des Gebäudes; die bisherige Eingangstür wird für das neue Ladenlokal genutzt und in eine Glasschiebetüre umgewandelt.

Weiter gibt es Veränderungen im Innern des Gebäudes: Wände werden eingeschlagen oder neu hochgezogen, damit das Ladenlokal strikt vom Teil der Christkatholiken mit dem Eingangsbereich und dem Treppenhaus zu den Wohnungen getrennt werden kann. Der Standort der Küche wird in den linken Teil versetzt. Auch die WC-Anlagen, die bisher im Erdgeschoss untergebracht sind, werden in den Keller verlegt. Der Kirchgemeindesaal bleibt aber so, wie er ist.

Neue Pläne stossen auf Skepsis

Die Umbaupläne stiessen bei den 24 Stimmberechtigten zum Teil auf Skepsis. Einige hatten Mühe mit dem starken baulichen Eingriff beim Kirchgemeindehaus. Andere forderten, dass der Mietvertrag mit der Modekette bereits vor Beginn des Umbaus mit einem Nachweis der Liquidität vorliegt. Auch die Idee von Stockwerkeigentum oder diejenige des Verkaufs der gesamten Liegenschaft wurden vorgebracht.

Nicht zuletzt war es den Anwesenden ein Anliegen, dass das Gebäude weiterhin mit «Christkatholische Kirchgemeinde» angeschrieben ist – was laut dem Kirchenrat der Fall sein wird. Nach rund einstündiger Diskussion fällte der Souverän trotzdem einstimmig den Grundsatzentscheid, dass das Umbauvorhaben vom Kirchengemeinderat weiterverfolgt werden darf. Laut Roger Lang, Ressortzuständiger Bau, wird nun ein Vorvertrag mit der Modekette ausgearbeitet.

Noch nicht genug: Kirchgemeinde will Wohnungen bauen

Die Schaffung eines Ladenlokals im Erdgeschoss des Kirchgemeindehauses ist allerdings nicht die einzige Massnahme, um den chronischen Geldmangel zu beheben. Laut Julian Theus, zugezogener Finanzexperte der Kirchgemeinde, sind weitere zusätzliche Erträge nötig, um das strukturelle Defizit zu tilgen. «Die Rechnung wird allein aufgrund dieser neuen Mietzinseinnahmen nicht ausgeglichen sein.»

Der Kirchgemeinderat hat daher langfristig weitere Bauvorhaben geplant, wie in einer Übersicht an der Gemeindeversammlung klar wurde: So sollen im Kirchgemeindehaus aus dem ehemaligen Pfarreisekretariat im ersten Stock eine Wohnung entstehen, im zweiten Stock sollen es aus einer zwei Wohnungen geben. In Trimbach will die Kirchgemeinde das Pfarrhaus ebenfalls zu zwei Wohnungen umbauen lassen. Und in Hägendorf soll die bisherige Kirche abgerissen und einem Mehrfamilienhaus mit bis zu 15 Wohnungen weichen.

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