Der 48-jährige Sandro Tufano ist ein Mensch wie du und ich. Der gebürtige Thurgauer wohnt heute in Wangen bei Olten, hat eine Tochter, arbeitet als Zugbegleiter bei den SBB und ist auch gewerkschaftlich aktiv. Nichts, das ihn speziell hervorheben würde. Sein Hobby, das er seit Jahren pflegt, und die Wahl von Donald Trump als US-Präsidenten machen seinen Namen nun aber bekannter, als ihm eigentlich lieb ist. Mittlerweile erhält er auf den sozialen Medien sogar Kommentare aus den USA, Brasilien oder Mexiko. Was ist geschehen?

Er habe den Wahlkampf in den USA verfolgt und konnte es nicht glauben, dass mit Trump ein Mann gewählt wurde, der mit Fake News und alternativen Fakten operiere, sagt Tufano auf Anfrage. Zudem wollte er später gegenüber seiner Tochter nicht sagen müssen, er hätte damals nichts getan. So schrieb der gelernte Schallplattenverkäufer einen englischen Liedtext, bei dem es um die von Trump angekündigte Mauer an der Grenze zu Mexiko geht, welche das Land auch gleich noch selbst bezahlen soll. Der Refrain geht übersetzt so: «Mach einen auf Trump / Wir werden eine bessere Mauer bauen / Ich werde sie billiger bauen / Mexiko wird sie bezahlen / Wegen meines Genies.»

Schon vorher Liedtexte geschrieben

Liedtexte schreibt Tufano als Hobby schon seit Jahren. Als Texter hatte er jeweils Anfragen von befreundeten Künstlern – oft Newcomer – vor allem aus der Unterhaltungs- und Schlagermusik. «Alles im Amateurbereich und nichts, worauf ich wirklich stolz bin.» Namen von Künstlern darf er aus vertraglichen Gründen keine nennen.

Sandro Tufano, Mitproduzent des YouTube-Videos «Do The Trump»

«Ich sehe das Video als Startschuss gegen die neoliberalistisch-nationalistischen Tendenzen, die es auch hier gibt.»

Sandro Tufano, Mitproduzent des YouTube-Videos «Do The Trump»

Als er den Anti-Trump-Text geschrieben hatte, wusste er, dass er eine professionelle Produktion mit Komposition und Video nicht alleine schaffen würde. Er fragte Sergio Fertitta an, einen der erfolgreichsten Schweizer Produzenten, der auch schon mit Grössen wie Bligg, Baschi, Snoop Dogg oder Shaggy zusammengearbeitet hatte. «Man kennt sich in der Szene und ich schätze seine Produktionen», sagt Tufano. Fertitta, der auch in den USA tätig ist, zögerte, weil er sich dort das Geschäft nicht vermiesen lassen wollte mit diesem klaren Statement gegen Trump. Tufano: «Ich hatte die Sache schon fast beerdigt, als Fertitta vergangenen Dezember nach reiflicher Überlegung doch noch zusagte.»

Tufano spielt im Video selbst mit

Im März gings in ein Studio in Zürich mit professionellen Studiomusikern und Tänzerinnen. Am 8. April dann hat er das Video auf YouTube zusammen mit Fertitta unter dem Pseudonym «Most Wanted» veröffentlicht. Seither wurde «Do The Trump» über 70'000-mal aufgerufen. Im Video ist ein Mexikaner mit Sombrero und Poncho, den Tufano selbst spielt, sowie ein Mann mit Trump-Maske zu sehen, die sich gegenseitig Saures geben.

Es gibt Einspielungen des echten Trump, diverse Posen mit Waffen oder einem Mitglied des rassistischen Ku-Klux-Klans. Am Schluss steht in roten Lettern über dem Bild Trumps das Wort «Fake». Dank Werbung auf den sozialen Medien wird das Video auch in Übersee aufgerufen. In den USA ist die Verbreitung aber wegen der Facebook-Richtlinien inzwischen gestoppt.

Ziel des Songs sei es, mit Humor und ohne belehrend zu wirken, die Missstände in Politik, Wirtschaft und der Gesellschaft aufzuzeigen, sagt Tufano, der für die Produktion einige tausend Franken ausgegeben hat. Der Mann in der Trump-Maske stehe aber nicht nur für den US-Präsidenten, sondern «für alle Trumps, welche Lügen und Betrügereien salonfähig machen und ihre Macht für eigene Vorlieben missbrauchen».

«Ich sehe das Video als Startschuss gegen die neoliberalistisch-nationalistischen Tendenzen, die es auch hier gibt», sagt Tufano. Insgeheim erhofft er sich, dass mithilfe des Videos eine Bewegung entstünde, welche all diesen Trumps auch in der Schweiz das Handwerk legte.