Ein Raunen ging durch die mehrheitlich junge Runde, als um 19 Uhr die nationalen Hochrechnungen über die Leinwand im «Coq d’Or» flimmerte. Bereits um 10 Uhr fing der Wahlsonntag im Kulturlokal mit einem Brunch an und dauerte den ganzen Tag.

Der Höhepunkt folgte am Abend mit den Einschätzungen der Lokalpolitiker und der Lokalpolitikerin. Sie äusserten sich zu kantonalen und nationalen Tendenzen und übten sich im Kaffeesatzlesen zu den Bundesratswahlen.

Kantonale Einschätzungen

Moderator Lucien Rahm stellte die brisanteste Frage gleich zu Beginn. Welche Fehler denn die CVP gemacht habe, dass sie ihren zweiten Sitz im Kanton nicht halten konnte, wollte er von Christoph Fink, Fraktionspräsident der CVP im Oltner Gemeindeparlament, wissen. «Ich denke, wir haben nichts falsch gemacht. Den zweiten Sitz haben wir vor vier Jahren mit Glück gewonnen, das hat heute gefehlt», schätzt er die Lage ein.

Ruedi Moor, SP, bekräftigte den Faktor Glück im Wahlkampf. «Vielleicht haben wir etwas Glück gehabt in diesem Jahr. Aber wir haben auch einen guten Wahlkampf gezeigt», meint er zur Tatsache, dass die SP ihre bisherigen Sitze im Kanton Solothurn halten konnte.

Matthias Borner von der SVP zeigte sich erfreut über den Wahlsieg seiner Partei und insbesondere auch über den Generationenwechsel in seiner Partei: «Wir haben auf eine Liste gesetzt und sind damit sehr gut gefahren. Der Generationenwechsel zeigt auch, dass wir für die Zukunft gerüstet sind.» Speziell erfreut ihn das Resultat von Christian Werner, wie Borner nach der Veranstaltung zu Protokoll gab. «Die beiden Jungen haben beide einen sehr starken Wahlkampf gemacht, waren bei den Leuten», analysiert er die Stärke des Wahlkampfs.

Zu den Ständeratswahlen äusserte sich Urs Knapp, FDP, kritisch seiner eigene Partei gegenüber: «Wie das Resultat zeigt, war vielleicht Marianne Meister nicht die richtige Wahl.» Ruedi Moor bekräftigte dass die SP alles daransetzen wird, damit Roberto Zanetti im zweiten Wahlgang wieder in den Ständerat gewählt wird. Wie die Strategie der SVP und der FDP für den zweiten Wahlgang sein wird, konnte keiner der beiden Parteivertreter sagen. «Wir wollen aber Roberto Zanetti sicherlich noch abfangen», sagt Urs Knapp.

Wunden lecken war bei der Vertreterin der Grünen angesagt. «Inhaltlich wird sich für die Grünen nicht viel ändern. Wahrscheinlich haben wir uns etwas schlecht verkauft», sieht Myriam Frey die Gründe für die Verluste ihrer Partei.

Olten folgt der Schweiz

In der Folge wagten die fünf Podiumsteilnehmer einen Blick in die nahe und ferne Zukunft. «Es waren sehr wichtige Wahlen. Die Parteien, die rechts blinken und links abbiegen, haben verloren», lässt Matthias Borner die Zuschauer wissen. Weiter erklärte er, dass es nun wichtig sei, dass man der SVP einen zweiten Bundesratssitz zugestehen muss. Von linker Seite stiess diese Forderung auf Ablehnung: «Ich kann nicht für die ganze SP sprechen. Aber ich möchte keinen zweiten Sitz für die SVP», stellt Ruedi Moor klar.

Spezifische Einschätzungen zu den Ergebnissen in Olten kamen erst am Schluss des Podiums zur Sprache. «Auch in Olten zeigt sich die gleiche Tendenz wie in der ganzen Schweiz», zieht Urs Knapp ein Fazit. Will heissen, SVP, SP und FDP legen zu, andere müssen Federn lassen.