Olten
Attraktivierung Ländiweg wird teurer als erwartet: 880'000 Franken kommen noch hinzu

Das Projekt kostet die Stadt Olten deutlich mehr als angenommen, aber immer noch weniger als maximal plafoniert.

Urs Huber
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Attraktivierung Ländiweg: Heisst das Parlament den Nachtragskredit gut, kann mit den Arbeiten im Januar begonnen werden.

Attraktivierung Ländiweg: Heisst das Parlament den Nachtragskredit gut, kann mit den Arbeiten im Januar begonnen werden.

Patrick Luethy

Mit einem Handstreich hatte das Oltner Parlament im Juni 2020 der Attraktivierung des Ländiweges ohne Etappierung den Vorzug gegeben. Eine knappe Mehrheit war dem Antrag der Geschäftsprüfungskommission gefolgt, ohne allerdings die klare Kostenstruktur zu kennen. Die Rede war damals von rund 3 Millionen Franken für eine Umsetzung in einem Zug. Der Stadtrat dagegen hatte für eine Etappierung des Projekts geworben und lediglich die Kosten der ersten Phase (636'000 Franken) konkret berechnen lassen.

Für die zweite Phase, zu realisieren ab etwa 2026, lag lediglich eine Schätzung über rund 3 Millionen Franken vor, die letztlich als Basis des Parlamentsbeschlusses diente. So wählte das Parlament den direkten Weg zum «Ländiglück», wenn auch ohne vorgesehene Schwimmplattform. Und: Mit den rund 3 Millionen Franken lag das Parlament immer noch deutlich unter der Marke von 4 Millionen Franken. Diese wiederum hatten die Motionäre als eigentliche Auslöser des Geschäfts im November 2018 gesetzt. Sie forderten vom Stadtrat «einen umsetzungsreifen Vorgehensplan zur Optimierung der Aufenthaltsqualität im Bereich der Aare zwischen dem Bahnhofplatz und der alten Brücke».

Die nötigen Arbeiten sollten unter Nutzung der Synergien mit der vom Tiefbauamt des Kantons für das Jahr 2019 geplanten Sanierung des Bahnhofquais möglichst kostengünstig und gleichzeitig realisiert werden können. Und schliesslich: «Der Umsetzungsplan muss auf einem Stand sein, der abschliessende Entscheide zulässt.» Und: Dabei sei ein den finanziellen Möglichkeiten der Stadt angepasster Kostenrahmen von rund 4 Millionen Franken einzuhalten.

3. Millionen Franken reichen bei weitem nicht

Nun zeigt sich nach vertieften Abklärungen: Die auf einer Schätzung beruhenden, zum Massstab genommenen und vom Parlament gutgeheissenen rund 3 Millionen Franken reichen bei weitem nicht aus. Der Stadtrat beantragt in der Session vom 23. September deshalb einen Zusatzkredit von 880'000 Franken.

Allerdings rufen nicht bloss rein bauliche Aspekte nach mehr Geld: In der Böschung, welche abgetragen werden muss, wurden Bauabfälle und belastetes Material gefunden, wie die Arbeiten im Rahmen der Strassensanierung Bahnhofquai zeigten. Gestützt auf diese Erfahrungen, erfolgten Sondierungen, um die problematische Menge an Abfall abzuschätzen. Die Entsorgung des kontaminierten Materials führt zu Mehrkosten von 260'000 Franken.

Ebenfalls Mängel gezeigt hat die Zustandsuntersuchung an der Wegkonstruktion beziehungsweise im Bereich des Abwasserhauptkanals des Zweckverbands Abwasserregion Olten (ZAO). An den 60-jährigen Betonbauteilen werden Verstärkungsmassnahmen notwendig. Kosten: 390'000 Franken. Und schliesslich finden sich am Südende zum Brückenkopf der alten Holzbrücke hin Stützmauern, welche durch die Bohrpfahlwand nicht abgefangen werden. Die alten Mauern müssen, da die Böschung entfernt wird, gegen Setzung gesichert werden. Daraus entstehen Mehrkosten von 280'000 Franken.

Der gesamte Mehraufwand von rund 930'000 Franken konnte durch Einsparungen auf 880'000 Franken reduziert werden.

«Weitere Einsparungen sind nicht möglich, da sie die Qualität des Projekts massiv reduzieren würden»,

schreibt der Stadtrat ans Parlament.

Wird der Kredit gutgeheissen, entsteht innert Jahresfrist auf dem einstigen Flecken Ländiweg eine 7 Meter breite, für Zirkulation, Aufenthalt und Begrünung flexibel nutzbare Zone. Ein einheitlicher Hartbelag wird mit Inseln für Aufenthalt und Vegetation belegt, welche auch zur Vertikalbegründung der Stützmauer dienen.

Im Bereich Ländiweg, das heisst über dem Abwasserkanal, können keine Bäume gesetzt werden – jedoch rückwärtig vor der Mauer sowie in der Mitte, durch punktuelle Einschnitte in die Schwergewichtsmauer zum Erhalt von Wurzelräumen. Die Bäume sollen feinen Schatten spenden (beispielsweise Platanen), um die Entstehung von sichtgeschützten, für Randgruppen interessanten Nischen zu meiden.

Auf fest installierte Gastrobetriebe soll in dieser Zone verzichtet werden – diese bleiben auf die Bereiche Wildsauplatz und Neuen Bahnhofplatz Olten konzentriert. Die Zone dazwischen dient dem Aufenthalt ohne Konsumationszwang. Eine Belebung erfolgt durch mobile Angebote. Die Konzessionen sollen mit einem Auftrag im Bereich soziale Sicherheit verbunden werden. Mit den Arbeiten kann im Januar 2022 begonnen werden. Diese finden im Oktober/November ein Ende.

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