Tagesanbruch, die aufgehende Sonne versteckt sich hinter grauen Wolken, es regnet und die Stadt ist noch im Halbschlaf. Nur einige Frühaufsteher pflügen bereits mit regelmässigen Zügen durch das Schwimmbecken der Oltner Badi. Egal ob es regnet, stürmt oder die Sonne scheint, der Sprung ins Nass steht stets auf ihrem Tagesprogramm. Die Schwimmer bilden mittlerweile sogar eine kleine Gemeinschaft. Denn für sie steht nicht nur die Bewegung im Vordergrund, vielen ist auch der soziale Aspekt wichtig.

«Wer das einmal ausprobiert, der kommt immer wieder», meint Thomas Müller, Chef-Badmeister der Badi Olten. Einerseits eben wegen der guten Gesellschaft, andererseits auch weil das Becken um diese Uhrzeit noch halb leer sei und jeder viel Platz und seine Ruhe hat. Mit den frühen Öffnungszeiten ist Olten zudem eine Besonderheit, andere Badis in der Umgebung öffnen erst um neun Uhr.

An Schönwettertagen würden sogar rund 40 Leute um Punkt halb sieben Uhr morgens vor den Toren der Badi Schlange stehen. An Regentagen seien es etwas weniger, aber immer noch viele. Kurz vor acht Uhr nimmt die Zahl der Badigäste dann wieder ab. Das, weil viele vor der Arbeit kämen, um danach fit in den Tag zu starten. Ausserdem sei es gesund, frühmorgens bereits Sport zu treiben. «Nach dem Schwimmen am Morgen ist der Puls genau da, wo er sein soll», merkt Müller lachend an.

Jeder kennt jeden

Das bestätigt auch Ernst Zingg, ehemaliger Stadtpräsident von Olten und eingefleischter Morgenschwimmer. «Das Schwimmen bei Tagesbeginn steigert einfach die Lebensqualität», erzählt er fröhlich und unterstreicht mit der Energie, die er ausstrahlt, das Gesagte. Seit 20 Jahren kommt er regelmässig bei jedem Wetter in die Badi und schwimmt mindestens einen Kilometer. Dabei könne er abschalten. Nur bei schweren Gewitterwarnungen müsse er seinen Tagesablauf zwangsläufig umstellen, da der Badmeister aufgrund der Gefahr niemanden ins Becken lässt. Man müsse natürlich schon ein Morgenmensch sein, um das täglich durchziehen zu können. Nach dem Schwimmen treffe man sich ab und zu noch auf einen Kaffee, andere halten das Kaffeekränzchen direkt im Wasser während dem Aquafit ab. «Man kennt sich einfach», bemerkt Zingg.

Auch Roman Lack reist jeden Morgen aus Oftringen an, um in Olten vor der Arbeit einige Längen schwimmen zu können. «Eigentlich hat das Ganze mit einer Wette angefangen», erzählt Lack lachend. Mittlerweile gehört das Schwimmen am Morgen jedoch fest zu seinem Tagesablauf. Auch er zählt sich zu der Gruppe, in welcher sich die meisten beim Namen kennen. Dies bestätigt sich sogleich, als Lack nach dem Interview wieder auf die Bahn schwimmt: «Jetzt musst du aber Gas geben, Roman!», ruft eine andere Schwimmerin ihm lachend zu.