Region Olten

Neuer Kirchgemeinderat der Christkatholiken zieht Schlussstrich – Kai Fehringer muss gehen

War einer seiner letzten Gottesdienste: Kai Fehringer am Weihnachtstag in der Oltner Stadtkirche.

War einer seiner letzten Gottesdienste: Kai Fehringer am Weihnachtstag in der Oltner Stadtkirche.

Die Christkatholische Kirchgemeinde der Region Olten trennt sich per sofort von ihrem Pfarrer – den Lohn erhält er bis Ende Amtsperiode.

Seit Anfang Mai ist der neue Gemeinderat der christkatholischen Kirchgemeinde der Region Olten im Amt. An seiner ersten Sitzung Mitte Mai wurde gleich eine folgenschwere Entscheidung getroffen: Das Dienstverhältnis mit Pfarrer Kai Fehringer sollte aufgelöst werden. Der Entscheid sei einstimmig gefällt worden, sagt die neue Kirchgemeindepräsidentin Monique Rudolf von Rohr auf Anfrage. Gemäss Ausstandspflicht der Kirchgemeindeordnung geschah dies in Abwesenheit des Betroffenen, der jedoch von diesem Traktandum wusste. Man habe im Anschluss gegenseitig ausgehandelt, wie eine einvernehmliche Trennung aussehen könnte, sagt sie. In der Mitteilung, welche dieser Zeitung exklusiv vorliegt, heisst es dazu, dass man sich «im gegenseitigen Einvernehmen auf die vorzeitige Auslösung des Dienstverhältnisses geeinigt» habe. Per sofort ist Kai Fehringer von seinen Amtspflichten entbunden. Am Donnerstagmorgen hat er sein Büro geräumt und die Schlüssel abgegeben. Gewählt wäre Fehringer bis zum Ende der Amtsperiode 2021. Bis Juli nächsten Jahr erhält er weiterhin seinen Lohn. Das ist Teil der Abmachung.

Ende April, als diese Zeitung über die neue Führung bei den Christkatholiken berichtete, sagte Rudolf von Rohr noch: «Ich habe gehört, dass es schwierig sei, mit Kai Fehringer zusammenzuarbeiten, kann mir aber eine solche dennoch vorstellen.» Nun hat also der Rat und Rudolf von Rohr als eine der ersten Amtshandlungen den Pfarrer freigestellt. Wie kam es zu diesem Sinneswandel? Auslöser seien die widersprüchlichen Zeichen des Pfarrers gewesen, sagt sie auf Anfrage. Zum einen hatte er sich im genannten Artikel versöhnlich gezeigt und gesagt, dass er Frieden wolle und eine Mediation begrüssen würde; zum anderen hat sich sein Anwalt zur gleichen Zeit mit einem aggressiven Schreiben an den Sachwalter gewandt. «Im Kirchgemeinderat sind wir dann relativ schnell zum Schluss gekommen, dass es so nicht weitergehen kann.» Sie hätte wirklich den Willen gehabt, mit ihm weiter zu arbeiten: Seine Predigten seien gut und geschätzt worden, allerdings hätte es auf kirchenrechtlicher Ebene nicht geklappt und der persönliche Austausch mit ihm sei immer schwieriger geworden. Vorgeworfen wird ihm etwa, dass er sich zu stark in die Angelegenheiten des Kirchgemeinderats einmischt. Das hatte unter anderem dazu geführt, dass ihr Vorgänger Kurt Stutz im Juli 2019 das Handtuch warf und auch der alte Kirchgemeinderat an der Gemeindeversammlung letzten Dezember wegen der Spannungen per sofort zurücktrat.

Kai Fehringer selbst zeigt sich auf Anfrage «traurig, weil ich eine Trennung nicht wollte». Rechtlich gesehen gebe es gegenüber ihm aber «null Vorwürfe». Zudem bedauert er es, dass er einen Anwalt einschalten musste, um mit dem Kirchgemeinderat zu kommunizieren. Sich gegen den Entscheid zu wehren, bringe nichts. «Was soll ich machen?», fragt Fehringer rhetorisch. Ihm sei der Frieden der Kirchgemeinde wichtig. Daher könne er nicht verstehen, dass vom Kirchgemeinderat über den Synodalrat bis zum Bischof keine Versöhnung gesucht, sondern weiterhin Öl ins Feuer gegossen worden sei. Wie seine Zukunft aussieht, weiss er noch nicht. «Ich werde mich neu orientieren müssen.» Eine Variante sei, ins deutsche Baden-Württemberg zurückzukehren, wo sein Partner eine Naturheilpraxis betreibe.

Bischof will Kai Fehringer nicht mehr empfehlen

Harald Rein, der Bischof der Schweizer Christkatholiken, wird diesen Pfingstsonntag in Olten den ersten Gottesdienst nach dem Corona-Lockdown halten. Auf Anfrage begrüsst er, dass die einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses zustande gekommen ist. «In der gegeben Situation war es der richtige Schritt.» Aktiv sei er dabei nicht involviert gewesen und hatte in den vergangenen Wochen auch keinen Kontakt mehr mit Fehringer. Zur Frage, ob der geschasste Pfarrer in der christkatholischen Kirche der Schweiz noch eine Stelle findet, schreibt er: «Nach Erwägung der Situation wie sie sich während der letzten Monate dargestellt hat, werde ich ihn keiner Gemeinde als Pfarrer empfehlen und ich würde ihn auch nicht mehr installieren.» Rein hat Pfarrer Fehringer vorgängig bereits mehrmals dazu aufgerufen, von sich aus zurückzutreten, wie er in einem Interview vergangenen Dezember gegenüber dieser Zeitung gesagt hat.

Für die Stellvertretung bis zur Neuwahl eines Nachfolgers wird der Synodalrat der Christkatholischen Kirche Schweiz in Absprache mit dem Kirchgemeinderat besorgt sein.

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