Wirklich neu ist die Idee der vier Anrainergemeinden Boningen, Fulenbach, Wolfwil und Murgenthal nicht. Aber dennoch: In der Frage nach einem neuen Aareübergang zwischen den Kantonen Aargau und Solothurn haben sich die vier genannten Körperschaften jetzt einhellig hinter die Variante Bännli gestellt, wie dem Fulenbacher Gemeinderatsentscheid von Mitte August zu entnehmen ist.

Fulenbachs Gemeindevizepräsident Thomas Blum bringt die Absicht der vier Gemeinden auf den Punkt: «Keinesfalls kommt für uns in diesem Zusammenhang die Eröffnung eines weiteren Schwerverkehrkorridors infrage.»

Bännli und Aaretränki im Visier

Näher unter die Lupe genommen wurden zwei Standortvarianten für den neuen Aareübergang: Aaretränke und Bännli. Ersterer wurde allerdings rasch verworfen, weil die örtlichen Voraussetzungen, auch von kantonaler Seite, als eher ungünstig eingestuft wurden. «Einige Kunstbauten wären notwendig gewesen, was die Sache markant verteuert hätte», so Fulenbachs Gemeindepräsident Hugo Kissling.

Strasse und Bahnlinie zwischen Murgenthal und Rothrist liegen nahe am Aareufer, was die Anbindung erschwert und ebendiese Kunstbauten bedingt hätte. So kamen die vier Gemeinden zum Schluss: Die Variante Bännli ist wohl am ehesten machbar.

Fulenbach, Boningen, Wolfwil und Murgenthal haben diesen Variantenentscheid unter einer besonderen Prämisse gefällt. Im Vorfeld hatten die Regierungsräte Roland Fürst (Solothurn) und Stephan Attiger (Aargau) in einem gemeinsamen Gespräch durchblicken lassen, eine Gewichtsbeschränkungsmassnahme sei beim Neubau durchaus verhandelbar.

Ultimative Forderungen

Im Übrigen halten die vier Anrainergemeinden fest, dass für die neue Aarequerung im Raum Murgenthal/Fulenbach-Wolfwil zwingend eine Gewichtslimite vorgesehen sein muss. Gegen eine andere Lösung, so geben die vier Parteien zu verstehen, würden sie sich vehement zur Wehr setzen bis zum letztmöglichen Rechtsmittel. Die vier Gemeinden haben in ihrem Schreiben ans kantonale Amt für Verkehr und Tiefbau ihre Standpunkte zu den unterschiedlichsten Fragen im Zusammenhang mit der «Variante Bännli Plus 2030» definiert. «Ein Arbeitstitel», wie Blum meint, der aber auch den Zeithorizont, in welchem das Projekt zur Ausführung kommen soll, andeutet. Beim Kanton ist die Stellungnahme der Gemeinden eingetroffen. Näher will man sich derzeit dazu nicht äussern, stellt aber in Aussicht, zusammen mit Vertretern des Kantons Aargau nach den Herbstferien zu informieren.

Das schlagen die Gemeinden vor:

1 Wofür soll ein möglicher neuer Aareübergang genutzt werden?

Der neue Aareübergang soll ein adäquater Ersatz für die bestehende Holzbrücke zwischen Murgenthal und Fulenbach sein. Der neue Übergang soll als langfristige Verkehrsverbindung zwischen Wolfwil/Fulenbach und Murgenthal für den motorisierten Individualverkehr (MIV) dienen.

2 Was heisst: Dem motorisierten Individualverkehr dienen?

Die neue Brücke im Bereich Bännli wird mit einer Gewichtsbeschränkung von maximal 3,5 Tonnen/Achse belegt. Die neue Brücke ist für den Lastwagen und Gesellschaftswagenverkehr generell gesperrt. Eine Rayonlösung (will heissen: Ausnahmebewilligungen für Nutzer in einem genau festgehaltenen Perimeter) kommt für die Anrainergemeinden nicht infrage.

3 Was passiert mit der alten Holzbrücke?

Die Holzbrücke soll so lange wie möglich erhalten bleiben. Mit Eröffnung der neuen Brücke wird die Holzbrücke für den MIV definitiv gesperrt und dient nur noch dem Langsamverkehr.

4 Wer zahlt die Unterhaltskosten dafür?

Die Unterhaltskosten zum Erhalt der Holzbrücke fallen hälftig an die Kantone Solothurn und Aargau. Die Gemeinden werden nicht zahlungspflichtig.

5 Wie stehts mit den Kosten grundsätzlich?

Weder der Gemeinde Murgenthal AG noch den Gemeinden Fulenbach, Wolfwil und Boningen sollen im Zuge der Entstehung des neuen Aareübergangs Kosten entstehen. Besonders Wolfwil und Fulenbach tragen nach Ansicht der vier Körperschaften den Hauptanteil der zusätzlichen Verkehrslasten.

6 Wie ist dem veränderten Verkehrsstrom zu begegnen?

Mit dem neuen Aareübergang im Bereich Bännli soll für Fulenbach eine Umfahrungsvariante (siehe kleine Karte) realisiert werden. So kann das Dorf den Durchgangsverkehr zu den Industrieanlagen im Gäu minimieren, dies auch im Hinblick eines stetig steigenden Verkehrsaufkommens.