«Ach, in Olten macht man da nicht ein so grosses Drumrum.» Martin Heim lacht. Die Rede ist vom jeweiligen Fasnachtsmotto der einzelnen Zünfte. «Das ist in Basel ganz anders. Dort bleibt alles bis zur Stunde null geheim.» Der Neuendörfer muss es wissen, denn seit 15 Jahren ist er Laternenmaler der Hilari-Zunft und – logisch – Hilari-Zünfter obendrein. Und Basel fällt ihm deswegen ein, weil er dort studiert hat und mit der Stadt am Rheinknie irgendwie verbunden geblieben ist. Dass sich der Grafiker, Zeichenlehrer und freischaffende Künstler dort jeweils die ausgestellten Fasnachtslaternen der Cliquen auf dem Münsterplatz besieht, versteht sich von selbst. «Es ist wahnsinnig, was dort alles zu bestaunen ist», meint er und gerät darob fast ins Schwärmen. Ganze Familien stünden staunend vor den wundersamsten Laternenkonstruktionen und -malereien. «Ein inspirierender Platz», fasst Heim zusammen.

Ein Motto nach Mass

Oltner Fasnachtslaternen sind da bescheidener. Und trotzdem sehenswert. Nicht nur, weil Heim malt. Am Latärnefescht nämlich gibts immer Liebhaber, die sich die Werke vor dem grossen Ansturm der Fasnächtler ansehen und beurteilen, wie sich die Laternenmaler den Mottos genähert haben. Und wie hat sich Heim heuer dem Motto genähert? Weil die älteste Zunft am Platz Olten, die Hilari Zunft, im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag feiert, liegt deren Motto heuer auf der Hand: «Ned ganz 100». «Zu diesem Motto fällt dir stets was ein», sagt Heim. Er habe nicht lange studieren müssen. Die gedankliche Arbeit habe, wenn auch unbewusst, bereits im Sommer begonnen, als er im Rahmen eines Künstleraustausches in Kassel (D) malte und sich dabei seine Gedanken auf die unguten politischen Entwicklungen fokussierten. «Ein Blick in die USA, nach Ungarn, Russland, China», schlägt Heim den Bogen

zum Motto. «Schon bist du mittendrin und bei Trump, Putin oder Xi Jinping angelangt.» Deren Porträts hat er für die Laterne flugs als Drachenköpfe einer Hydra «missbraucht», die ihrerseits von fabelwesensartigen Drachenköpfen umgeben sind. «Manchmal habe ich den Eindruck, einzig und allein noch mit surrealen Elementen diese Welt abbilden zu können», meint Heim. Die andere Seite der Laterne hat regionalen Bezug. Fündig wurde Heim im Kunstskandälchen am Kantonspital, als die Ausstellung von Maler Jörg Binz wegen Anstössigkeit abgeräumt werden musste. Verantwortlich dafür: Verena Diener, Präsidentin des Verwaltungsrats der Solothurner Spitäler AG.

Auch die Hauptdarsteller dieser Episode finden ihr Plätzchen auf der Laterne. Heim bezeichnet den Vorfall als «eigenartiges Schauspiel». Ned ganz 100 eben.

Zwei, drei Monate vor dem Fasnachtsstart beginnt für Heim jeweils die Arbeit. Im Spätherbst holt er im Dulliker Zunftlokal die Laterne, entfernt in seinem heimischen Atelier in Neuendorf die alten Sujets und bespannt die Rahmen neu. «Nicht ganz alle, aber die meisten der alten Sujets sind bei mir verwahrt», sagt Heim. Später holt er Laternenstoff aus Baumwolle in Basel, der dann – mit Gelatine behandelt – mit flüssiger Wasserfarbe und Anilinfarben die Sujets verpasst bekommt. Zum Schuss werden die gestalteten Flächen lackiert. «Das endgültige Fixativ», meint der 64-Jährige. Bezüglich Sujetwahl sei er wirklich sehr frei. «Aber natürlich wird schon erwartet, dass sich das Bildliche irgendwie am Motto der Zunft orientiert.»

Malen unter Echtbedingungen

Heim malt in seinem Atelier jeweils unter «Echtbedingungen», wie man so schön sagt. Unter der zu bemalenden, waagrecht liegenden Laternenseite hat er kleine Spotlampen auf dicken Büchern stehend positioniert. Die bescheinen den aufgespannten Laternenstoff. Dieses Setting komme dem späteren Ausdruck der Bilder am nächsten, meint Heim heiter. «Und zudem gehts mir einfacher so.»

Laternenmaler und ihre Werke sind die eigentlichen stillen Stars einer Fasnacht. «Ich muss sagen: Die Rückmeldungen aus der Zunft sind doch recht positiv», meint Heim. Und auch das Fuko wisse die Arbeit zu schätzen, würden die Maler doch jeweils mit einer speziellen Plakette belohnt. Und was Heim besonders freut: «Das Laternenfest findet jetzt wieder draussen statt. Wenns das Wetter zulässt, ist das genau der richtige Ort.»