Fritz Hagmann will es nicht an die grosse Glocke hängen. Aber die aufgeschalteten Inserate machen es öffentlich: Seine Metzgerei ist zum Verkauf ausgeschrieben. Bis Ende September führt Hagmann sein Geschäft an der Dorfstrasse 4 in Starrkirch weiter, danach ist Schluss. Dann geht er in Pension. Denn auch wenn man es ihm kaum ansieht: Das Pensionsalter habe er bereits im Januar erreicht, erklärt Hagmann.

Er hätte es sich zwar durchaus vorstellen können, ein oder zwei Jahre weiterzumachen. Aber aus gesundheitlichen Gründen werde er bereits im laufenden Jahr kürzertreten. Für seine Frau Kathrin Hagmann hat dies auch etwas Gutes: «In unseren über dreissig Jahren Selbstständigkeit war kaum Zeit für das Privatleben. Das wollen wir jetzt nachholen», sagt sie mit Blick auf die bevorstehende Pensionierung ihres Mannes.

Die Metzgerei im Dorfkern von Starrkirch betreiben die Hagmanns seit 2005. Zuvor hatten sie zwanzig Jahre lang in Olten an der Aarauerstrasse einen Betrieb geführt. Den Umzug nach Starrkirch-Wil bereue er nicht, meint Fritz Hagmann. Die Situation hier im Dorf sei gut und die Lage nahe an der Stadt von Vorteil. Einzelne Oltner Stammkunden kämen heute noch zu ihm in die Metzgerei. Einzig die veränderte Verkehrsführung im Dorf habe sich negativ ausgewirkt: Seit die Hauptstrasse nicht mehr direkt an der Metzgerei vorbeiführe, fänden weniger Leute zu ihm ins Geschäft.

Fehlender Nachwuchs

Die Liegenschaft, die zum Verkauf ausgeschrieben ist, umfasst neben der Metzgerei noch zwei Wohnungen, die gegenwärtig von Hagmanns bewohnt werden. Der Dachstock wurde jüngst ausgebaut und die beiden Wohnungen totalsaniert, wie Kathrin Hagmann erklärt. Idealerweise fände sich ein Käufer, der die Liegenschaft übernehme und die Metzgerei als solche weiterführe. Aber einfach werde es nicht, einen Nachfolger zu finden, ist sich Fritz Hagmann bewusst: «Junge Metzger arbeiten nach der Ausbildung lieber beim Grossverteiler als in einem Fachgeschäft.»

Die Berufseinsteiger scheuten den grossen Aufwand, den die Selbstständigkeit mit sich bringe, meint er. Denn 14-Stunden-Tage und 7-Tage-Wochen seien in einem kleinen Betrieb wie dem seinen durchaus üblich. Und wenn doch ein junger Metzger den Schritt in die Selbstständigkeit wage, habe er es schwer, von den Banken Geld zu bekommen, weiss Hagmann.

Obwohl er es bedaure, dass dem Metzgerberuf der Nachwuchs fehle, könne er den Entscheid der jungen Berufsanwärter nachvollziehen. Er habe in den fünfzig Jahren seines Berufslebens den Wandel der Branche und des Konsumverhaltens hautnah miterlebt und verstehe, weshalb der Beruf an Attraktivität eingebüsst habe.

Fritz Hagmann ist es aber wichtig, festzuhalten, dass nicht nur Metzgereien betroffen seien: Auch andere Fachgeschäfte der Lebensmittelbranche wie zum Beispiel Bäckereien hätten zusehends Mühe, Nachwuchs zu rekrutieren und im Markt zu bestehen. Einerseits liege dies daran, dass die Grossverteiler und Discounter die Preise stark drücken würden. Andererseits sei auch der Konsument mitverantwortlich, wenn es zum Lädeli-Sterben komme, ist Hagmann überzeugt.

Denn die heutige Einstellung, Lebensmittel hätten möglichst günstig zu sein, sei problematisch, vor allem wenn dann Einkäufe über die Grenze getätigt würden. Und auch die Arbeit dürfe offenbar nichts kosten: Er erlebe es immer öfter, dass Kunden, die ein Catering wünschten, ob der Offerte erschreckten – offenbar hätten die Leute die Erwartung, dass sein Einsatz als Grilleur gratis sei. «Die Arbeit von uns Metzgern wird zu wenig wertgeschätzt», hält Hagmann resigniert fest. Somit sei es vielleicht gar kein schlechter Zeitpunkt, um aufzuhören.

Ein Verlust für das Dorf

Wie reagieren die Stammkunden auf die anstehende Pensionierung? «Die Kunden haben natürlich wenig Freude daran, dass wir im Herbst das Geschäft aufgeben», meint Kathrin Hagmann. Insbesondere tue es ihr auch wegen des Dorfes leid, sollte es hier dereinst keine Metzgerei mehr geben. Aber die Kunden müssten sich auch selbst an die Nase nehmen: Kaum gehe ein Dorfladen zu, gehe das Geschrei los – aber regelmässig im eigenen Dorf einzukaufen, sei den Kunden dann doch zu umständlich. Zwar würden die Fachgeschäfte an Weihnachten gut besucht, aber das bringe wenig, wenn die Kunden unter dem Jahr ihre Einkäufe lieber beim Grossverteiler erledigten, sagt Kathrin Hagmann.

Cateringgeschäft läuft gut

Der Cateringservice, den seine Metzgerei anbiete, sei ein wichtiges Standbein, gibt Fritz Hagmann zu verstehen. Besonders in den Sommermonaten, in denen viel grilliert werde, laufe das Geschäft sehr gut. Dann müsse oft die ganze Familie mitanpacken. Und da sei es von Vorteil, dass der Sohn gelernter Koch sei. Aber das Cateringgeschäft – das er zusammen mit der Metzgerei ebenfalls aufgeben wird – habe auch seine Nachteile, betont Hagmann. Die Arbeitsbelastung sei unregelmässig verteilt: An manchen Wochenenden hätte er keinen einzigen Einsatz, an anderen dafür gleich mehrere. Insgesamt ist Fritz Hagmann aber zufrieden mit dem Geschäftsgang. Und hofft darauf, dass sich jemand finden wird, der die Metzgerei in seinem Sinn weiterführt.