Olten

Nach 19 Jahren ist Schluss: Markus Jans verlässt das Café Grogg

Markus Jans verlässt nach 19 Jahren das Café Grogg am Oberen Graben; zu Spitzenzeiten reichte der Mann täglich mehr als 100 Menus über den Tresen.

Markus Jans verlässt nach 19 Jahren das Café Grogg am Oberen Graben; zu Spitzenzeiten reichte der Mann täglich mehr als 100 Menus über den Tresen.

Ende Februar verlässt Pächter Markus Jans das Café Grogg in Olten und geht (fast) in den Ruhestand,

«Wer einen gut bürgerlich, schmackhaften und (doch) preiswerten Mittagstisch sucht, ist mit den Gerichten von Markus bestens aufgehoben!» Der Café- Grogg-Kunde Walter Kohl hatte sich vor Jahren so über das Angebot des Wirts Markus Jans geäussert. Und ein Daniel Mäder meinte vor zehn Monaten: «Sehr gutes und gemütliches Restaurant, super Bedienung und ausgezeichnete Gipfeli, Zöpfli und Brötli. Auch wird das Café den Jahreszeiten und Anlässen entsprechend liebevoll dekoriert. Sehr empfehlenswert.» Ein Ralf Schwarz dagegen lässt sich zitieren: «War da essen, das Preis-Leitungsverhältnis lässt sehr zu wünschen übrig!»

Markus Jans, Pächter des Café Grogg, muss ein bisschen lächeln bei der Konfrontation mit diesen Bemerkungen. Über die positiven freut er sich noch immer, die negativen quittiert er mit einem Schulterzucken. «Man kanns nicht allen recht machen», bilanziert er. «Aber wenn dem so wäre, dann hätte ich keine so grosse Stammkundschaft gehabt», schiebt er nach. Der Mann spricht in der Vergangenheitsform. Ende Februar nämlich schliesst Jans seine Karriere als Gastgeber und Café-Grogg-Betreiber ab; Mitte März wird der Betrieb an den Liegenschaftsbesitzer zurückgegeben.

Gekocht hab’ ich schon immer

1999 übernahm der heute 63-Jährige den Betrieb am Oberen Graben. Die Gastroszene verfolgte den Innerschweizer quasi ein Leben lang. Er lernte Koch, absolvierte die Hotelfachschule, wurde diplomierter Hotelier, führte Hotels. Bevor er sich in Olten selbstständig machte, war er während acht Jahren Geschäftsführer im Café Simmen in Arosa. «Ich hab schon als 11-, 12-jähriger Bub gekocht», erzählt er. Und gereizt hätte ihn auch Artverwandtes. «Schiffskoch wär auch noch was gewesen», sagt er. Aber damals sei die Kreuzfahrtindustrie noch nicht so ausgebaut gewesen wie heute. «Stellen rar», sinniert Jans. So liess er die Idee sausen und blieb auf dem Festland.

Gute erste zehn Jahre

Seine ersten zehn Jahre in Olten sind dem Innerschweizer in bester Erinnerung geblieben. «Zu Spitzenzeiten gingen mehr als 100 Menus täglich über den Tresen. Wenns heute noch 30 bis 40 sind, dann muss ich zufrieden sein», sinniert der Wirt den besseren Zeiten nach. In wirtschaftlich schwierigeren Zeiten kam ihm seine Fasnachtsleidenschaft zu Hilfe. Sukzessive hat er sein Angebot über die närrischen Tage ausgebaut. «Fast würd’ ich sagen: Dieses Engagement hat mich jeweils wirtschaftlich über den Winter gerettet.»

Zwar zählt der Mann in der kalten Jahreszeit vier Fünftel seiner Gäste zum Stamm, dafür bleibt Gelegenheitskundschaft weitgehend aus. Im Sommer dagegen sitzen die Leute gerne an der Morgensonne auf dem Vorplatz. Dieses Privileg in der Altstadt spült dem Pächter viele Gelegenheitsgäste zu. Lediglich ein Drittel von ihnen gehört dann gefühlt noch zur Stammkundschaft.

Dennoch: Die Gründe des rückläufigen Geschäftsganges liegen für Jans auf der Hand: Das Gastroangebot in Olten hat sich multipliziert. «Es hat einfach zu viele Gastrobetriebe», bilanziert er. Die Kirchgasse als Erlebnisraum kam hinzu, aber dem Oberen Graben halt abgewandt. Dass es auch anders geht, hat er am letztjährigen Weihnachtsmarkt erfahren. «Das hat Roger Lang gut gemacht, dass er den Markt in die Altstadt geholt hat», lobt er den «Rathskeller»-Wirt.

Und nun steht das Ende bevor. Ein bisschen Wehmut schwingt schon mit, wenn Jans ans Finale seiner Gastrokarriere denkt. «Man hat doch zu vielen Kunden ein fast freundschaftliches Verhältnis aufgebaut im Lauf der Jahre», sagt er. Aber: Im Frühling muss Jans sein Knie operieren lassen; Treppen steigen ist für ihn derzeit kaum mehr möglich. Was danach kommt: völlig offen. Irgend eine Teilzeitarbeit könne er sich durchaus vorstellen, meint er. Und wo? Jans lächelt ein bisschen: «Gut möglich, dass sich in der Gastrobranche was findet.»

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