„Mozaaart“: Wer könnte diesen Schrei je vergessen, der den Film „Amadeus“ gesehen hat? Darin schreit der Komponist Antonio Salieri, weil er total gefrustet ist über seinen ihn überstrahlenden, mit 35 Jahren früh verstorbenen Konkurrenten Wolfgang Amadeus Mozart: ein Mann der unfassbar genialen Einfälle und – wie Briefe belegen – auch der Unterhaltung und Scherze.

Genau deshalb lassen wir nun kurz unsere Fantasie spielen und stellen uns dies vor: Mozart sitzt – im Wolkenreich – an einem Tisch aus der Barockzeit und komponiert. Da hört er von weitem: „Mozaaart“. Die acht Breaktänzerinnen und -tänzer der Dancefloor Destruction Crew (DDC), die Sopranistin Darlene Ann Dobisch und der Pianist Christoph Hagel rufen ihn: Er soll eilends herkommen, damit die Show „Breakin‘ Mozart“ auf der Bühne des Stadttheaters Olten pünktlich beginnen kann.

Breakin' Mozart

Breakin' Mozart im Stadttheater Olten

Das Folgende entspringt nun aber nicht unserer Fantasie, sondern der Realität. Auf der Bühne in Olten sitzt tatsächlich Mozart, trägt eine weiss gepuderte Perücke, schreibt Noten – und dazu spielt Christoph Hagel eine Klaviersonate des Komponisten. Doch plötzlich verkrampft sich Mozarts Hand; er streckt sie in die Höhe und damit geschieht auch mit seinem Körper Ungewöhnliches. Dieser dehnt sich in die Länge, zuckt und wird wie von unsichtbaren Mächten gelenkt, übers Klavier gezogen. Mit einem Mal ist Mozart aber nicht mehr alleine; eine Gruppe junger, sehr heutig wirkender Menschen nimmt die Bühne in Besitz – und zeigt dort, wie lässig, artistisch und atemberaubend Breakdance sein kann. Und das zur Musik von Mozart! Das geht doch nicht, hat man im ersten Moment noch gedacht, wurde aber rasch eines Besseren belehrt.

Teils geradezu aberwitzig schwierige, jedoch ungemein locker und spielerisch „servierte“ Moves passen hervorragend zu jedem Sechzehntel der quirligen „Figaro“-Ouvertüre; ebenso zu den mit Koloraturen nur so gespickten Arien der Königin der Nacht (aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“) und damit zu einer unerwarteten Begegnung. Da verehrt und begehrt ein braver Junge mit Brille und Fliege mit roboterhaften Bewegungen die kratzbürstige Königin; wird von dieser aber mit dramatischen Gesten zurückgewiesen. Die Szene ist komisch, birgt aber auch Ironie – wie das gesamte Stück, das der Regisseur, Dirigent und Pianist Christoph Hagel angestossen hat, weil er überzeugt ist: „Mozart hat viel mit Unterhaltung zu tun.“

Deswegen lässt Hagel Mozarts Figuren und Musik auf Breakdance treffen, zu dem Elemente aus Hip-Hop und Urban Dance stossen. Das ist ein gewagter Mix, der beim Publikum aber ankommt. Gerade weil die Show mit dem Bezug auf Mozart eine ernsthafte Grundlage hat, kann man beinahe alles machen, ohne dass sie platt wird. Beispielsweise witzige Elemente in die Tänze einbauen.

Und so entsteht eine sinnvolle Spannung zwischen dem, was man sieht und der Musik. Kurzum: Hagels Rezept funktioniert bestens, wie die begeisterte Reaktion des Publikums zeigt, in dem jede Generation vertreten ist. Es beklatscht alle und alles; egal, ob etwa ein Tänzer kopfüber auf die Bühne springt und dort auf einer Hand landet oder eine Tänzerin auf einer Drehscheibe ebenso waghalsige wie elegante Gleichgewichtskunst zeigt. Als sich am Ende das Ensemble zu Mozarts letzter Sinfonie (Jupiter) versammelt, gibt es kein Halten mehr: eine Standing Ovation und ein Applaus, der Orkanstärke erreicht.