Kontakplattform

Mit neuen Freunden gegen die Langeweile – dank diesem Projekt von drei ETH-Studenten aus Olten

Drei Oltner ETH-Studenten haben im Rahmen eines Projekts eine Kontaktplattform erstellt, auf der sich Gesprächswillige finden sollen.

Die Einsamkeit der eigenen vier Wände macht derzeit vielen Menschen zu schaffen. Irgendwann sind alle Kleider gebügelt, alle Teppichfransen glattgestrichen, alle CDs neu eingereiht. Viele sehnen sich nach menschlichen Kontakten. Was aber tun, wenn man nur wenig Freunde hat oder neue Leute dazugewinnen möchte?

Ein Austausch mit Personen, die man sonst nie kennen gelernt hätte: das ist das Ziel des Projekts, das drei Oltner ETH-­Studenten zusammen mit drei Mitstudenten umsetzen. Auf der neuen Website können sich interessierte Personen jeden Alters anmelden. Das sechsköpfige Team bildet dann Paare für Brief-, E-Mail- oder Telefonkontakt, basierend auf den angegebenen Interessen. «Das Hauptziel ist es, den Leuten mit etwas Aussergewöhnlichem eine Freude zu machen», erklärt Joe Beck, der in Wangen bei Olten wohnt. Neben ihm sind aus der Region der Oltner Noah Kim und Timon Schär aus Schönenwerd mit dabei.

Statt Roboter nun Kontakt-Plattform

Die sechs studieren Maschineningenieurwissenschaften im ersten Bachelor-Jahr. Eigentlich hätten sie als Projekt einen Roboter entwickeln sollen. «Weil wir derzeit nicht in die Werkstatt können und keine persönlichen Treffen möglich sind, passte die Leitung die Aufgabenstellung an», sagt Beck. Die Studierenden müssen nun ein Projekt im Zusammenhang mit der aktuellen Situation entwickeln.

Erst wollte das Projektteam spezifisch ältere und jüngere Leute zusammenzubringen. Eine Instagram-Umfrage zeigte, dass viele jüngere Menschen motiviert wären, mitzumachen. Ausserdem fragten sie die Altersheime Stadtpark und Haus zur Heimat in Olten sowie drei Altersheime in der Region Zürich an, ob sie Interesse an einer Zusammenarbeit hätten, um Kontakt zwischen jüngeren Personen und den Bewohnern herzustellen. Weil diese Zusammenarbeit nicht zustande kam, nutzen sie nun andere Kanäle, um die Leute zu erreichen, wie zum Beispiel Kontakte in der Nachbarschaft und das Netzwerk der Pfadi Niedergösgen, die derzeit Essenslieferungen macht. Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs hatten sich erst zwei Personen aus dem Umfeld des Teams angemeldet. Seit dem Start letzten Samstag machen sie Werbung und hoffen auf weitere Anmeldungen.

Wenn sich zwei Personen für einen Kontakt gefunden haben, will das Projektteam wöchentlich Anregungen für Gesprächsthemen geben, basierend auf den Interessen, welche die Leute bei der Anmeldung angegeben haben.

Gesprächsthemen können frei gewählt werden

Die Gesprächspartner können frei entscheiden, worüber sie sich austauschen und wie lange der Kontakt bestehen bleibt. Das Projekt an sich soll über das Ende des Semesters in drei Wochen hinaus bestehen. «Ansonsten wäre die Zeit viel zu kurz», sagt der 20-jährige Beck, der noch mit einer Anlaufzeit von einer bis zwei Wochen rechnet. Das Projekt trägt den Namen «äuä ebe scho». « Der Name ist aus den unterschiedlichen Dialekten der drei Oltner und der drei Zürcher im Team entstanden. «Du hast das Gefühl, nichts verändern zu können? – äuä ebe scho!», erklärt Kim lachend den Namen. Sie wollten ein soziales Projekt machen, obwohl sie damit weniger Fähigkeiten aus ihrem Studium anwenden können als in anderen Projekten. «Der Lerneffekt bei der Projektplanung ist aber auf jeden Fall da», findet Kim.

Schwierigkeiten bei Online-Meetings

Seit Anfang März arbeiten die sechs Studenten an diesem Projekt. Für jede Woche müssen sie sich Ziele setzen, die sie in einem Online-Tool erfassen und auf die Gruppenmitglieder aufteilen. Wöchentlich tauschen sie sich mit ihrem Coach per Video-Call aus. Hinzu kommen weitere Calls für den Austausch innerhalb der Gruppe. «Es brauchte etwas Eingewöhnungszeit, in einem Team online zu arbeiten», stellt der 19-jährige Kim fest. «Wir müssen die Treffen besser strukturieren, als wenn wir uns persönlich sehen würden.» Das Ziel ihres Projekts fasst Kim so zusammen: «Wir sind zufrieden, wenn wir schon nur einem Gesprächspaar eine Freude machen können.»

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