Olten

Mit dem Wähler auf Tuchfühlung – ersten Parteien starten Wahlkampf in der Region

Die SP und Junge SP Region Olten läuten ihren Wahlkampf für die Nationalratswahlen während der Sommerferien mit einer Haustür-Aktion ein.

In den vergangenen Tagen läuteten in der Stadt viele Türklingeln. Es waren aber nicht etwa die Zeugen Jehovas. Diesmal waren es die SP und Junge SP Region Olten, die unter dem Motto «Wir reden mit Menschen, nicht über sie» in verschiedenen Quartieren den Kontakt zur Bevölkerung suchte. Es ist eine Knochenarbeit, in der Freizeit von Tür zu Tür zu gehen und wildfremde Leute anzusprechen. «Die SP ist derzeit in der ganzen Schweiz an der Basisarbeit», erklärt Florian Eberhard, warum er das auf sich nimmt. Eberhard ist Mitglied der Geschäftsleitung der Oltner SP, sitzt für die Junge SP im Gemeindeparlament und wird im Herbst für den Nationalrat kandidieren. «Wir möchten wissen, wo der Schuh drückt, damit wir unsere Schwerpunkte für die nächste Legislaturperiode festlegen können.»


Am Mittwochabend zogen also acht junge Politikerinnen und Politiker der SP in Zweiergruppen durch das Schöngrundquartier. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Die meisten Leute machen auf und waren gerne zu einem kurzen Gespräch bereit. Zweimal werden Cécile Send und Florian Eberhard sogar hineingebeten, um am Küchentisch zu diskutieren. Sogar einige Unterschriften für die beiden kantonalen Initiativen konnten sie sammeln.

Die Junge-SP-Politiker liessen es bei der Umfrage langsam angehen. Zuerst loteten sie die Stimmungslage aus, indem die Angesprochenen zwischen den vier Hauptthemen Gesundheit, Klima, Arbeit und Gleichstellung das wichtigste benennen sollen, um dann das konkrete Problem anzusprechen. Danach gingen sie auf die lokale Ebene ein, um zu hören, wo der Schuh im Schöngrundquartier drückt. Erst zum Schluss kam die Frage nach den Sympathien für die SP.

Die vorgebrachten Anliegen könnten unterschiedlicher nicht sein: Sie reichten von «das Gemeindeparlament ist schwach, viel zu links» bis zum Lob für die gute Politik in Olten. Jemand reklamierte wegen der vielen Fahrverbote, der Nachbar beschwerte sich dann aber über die Raser im Quartier.

Lob und Tadel für Politik in der Stadt
Insgesamt waren die Reaktionen der Leute ausgesprochen positiv. «Sehr nette Leute, die dürfen gerne bei mir klingeln», kommentierte zum Beispiel Willy Schneeberger den Besuch der Sozialdemokraten – und liess gleichzeitig durchblicken, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass er sie wählen wird. Was aber auffällt: Im Schöngrundquartier wird die Stadtpolitik auch gelobt. «Ich bin vor dreissig Jahren aus Luzern hierhergezogen und habe es nie bereut», meint zum Beispiel Arthur Tabeling, der gerade mit seinem Hund vorbeispazierte und fragte, ob er auch an der Umfrage teilnehmen dürfe.

In anderen Quartieren sei nicht so viel gelobt worden, sagt Eberhard. «Oft haben sich die Leute über fehlende Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten oder schlechte Busverbindungen beklagt.» Ob sich der Aufwand bei den kommenden Wahlen für den Nationalrat für die Oltner SP auszahlen wird, sei kaum abzuschätzen, meinte Cécile Send. Sie steht mit ihren 23 Jahren am Anfang der politischen Karriere und kandidiert im Herbst ebenfalls für den Nationalrat.

«Ich mache mir keine Illusionen, dass ich diesmal gewählt werde. Es geht darum, möglichst viele Stimmen zu sammeln, damit wir als Partei unsere beiden Solothurner Sitze verteidigen können.» Zunächst habe es durchaus eine gewisse Überwindung gekostet, einfach so bei wildfremden Leuten zu klingeln, gesteht Cécile Send. «Ich war dann aber überrascht, wie positiv die Leute reagieren, wenn wir das Gespräch suchen. Ich beginne ja erst damit, mich in die Welt der Politik hineinzufühlen, und habe durch die Strassenumfrage viel gelernt.»

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