Es war Mord. Der Eritreer, der am 17. Oktober 2013 seine Ex-Partnerin vor den Augen der gemeinsamen Kinder tötete, wird eine Freiheitsstrafe von 19½ Jahren verbüssen müssen. Dies gab Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei an der gestrigen Urteilseröffnung am Amtsgericht Olten-Gösgen bekannt.

In diesem Haus in Trimbach geschah das Verbrechen vor zweieinhalb Jahren. Der Messerstecher verliess den Tatort über den Balkon im ersten Stock.

In diesem Haus in Trimbach geschah das Verbrechen vor zweieinhalb Jahren. Der Messerstecher verliess den Tatort über den Balkon im ersten Stock.

Das Opfer musste qualvoll sterben

Der dreitägige Prozess brachte zutage, dass der heute 42-jährige Mann die Tat aufgrund einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung und aus unbegründeter Eifersucht beging. Die Frau lehnte wegen wiederholter Streitigkeiten ein weiteres Zusammenleben mit dem Täter ab. Darauf drohte ihr dieser, sie umzubringen. Er war überzeugt, dass seine ehemalige Partnerin eine Liebesbeziehung mit einem anderen Mann führe. «Wir werden zusammen Abschied nehmen und gehen», kündete er einige Tage vor der Bluttat an.

Der Täter habe mit einer kaum zu übertreffenden Gefühlskälte gehandelt. Eine Handlung aus dem Affekt sei nicht anzunehmen, so der Amtsgerichtspräsident. Der Eritreer traktierte die Frau mit über 20 Messerstichen. Im Laufe der Tat versuchte der Mann erfolglos, sich selbst umzubringen; das Opfer indes hatte in einem mehrminütigen Todeskampf qualvoll zu sterben. Ausserdem sei ihm das Wohlbefinden seiner damals 3- und 6-jährigen Söhne völlig gleichgültig gewesen. Diese mussten das Blutbad mitansehen. Auch dass sie ohne fürsorgliche Mutter aufwachsen würden, liess den Täter offenbar kalt. Der Mann weise sadistische Züge auf, führte der Amtsgerichtspräsident aus, eine charakteristische Eigenschaft eines Mörders.

Die Kinder sind traumatisiert

Wie der Vertreter der Kinder in seinem Plädoyer gefordert hatte, sollen diese aufgrund ihrer Traumatisierung durch die Tat jeweils 70 000 Franken Genugtuung erhalten. Die Schwester des Opfers reiste unverzüglich nach dessen Tötung in die Schweiz, um sich als Ersatzmutter um die Halbwaisen zu kümmern. Ihr wurden 15 000 Franken zugesprochen.

Das Strafmass entspricht den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die eine Verurteilung wegen Mordes und eine Freiheitsstrafe von 19 Jahren gefordert hatte. Einer Verwahrung des Täters, wie sie der Staatsanwalt verlangt hatte, gab das Gericht hingegen nicht statt.

Der Mörder bedauert sich selbst

Der Mann habe seine eritreische Ex-Partnerin mit direktem Vorsatz und auf besonders skrupellose Art und Weise getötet, so der Amtsgerichtspräsident. Danach habe er ihre Wohnung in aller Ruhe verlassen; seine Tat habe er nicht als beunruhigend empfunden. Überdies habe er nie aufrichtiges Bedauern gezeigt. Bedauert habe der Mann einzig sich selbst. Auch heute noch kann er nicht nachvollziehen, dass seine Kinder keinerlei Kontakt mit ihm wünschen.

In den 19½ Jahren Freiheitsstrafe enthalten ist auch das Strafmass für versuchte schwere Körperverletzung und Zuwiderhandlung gegen das Waffengesetz. Dieser Vergehen hatte sich der Mann noch vor der Tötung seiner Ex-Partnerin bei einer Messerstecherei am Bahnhof Olten schuldig gemacht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.