Mein Olten
Kunst(reiches) in Olten

Gabriela Allemann
Gabriela Allemann
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Kunst im öffentlichen Raum in Olten: «Remonte!» von Otto Charles Bänninger aus den frühen 1960er-Jahren.

Kunst im öffentlichen Raum in Olten: «Remonte!» von Otto Charles Bänninger aus den frühen 1960er-Jahren.

Bruno Kissling

Mitten in den Sommerferien sind wir nach Olten gezogen, vor nun vier Jahren. Neben Kisten-Ausräumen und Einrichten waren wir oft in der Stadt unterwegs: um einzukaufen, um uns im Stadthaus anzumelden, um eine Glace zu essen in der besten Gelateria östlich von Bern. So haben wir erste Eindrücke erhalten von Olten, begonnen, uns zurechtzufinden und die ersten Geschichten, die zu jeder Stadt gehören, kennen zu lernen. Eine schöne, aufregende Zeit, an die ich mich gerne erinnere.

Nach drei Wochen Olten fing die Schule an. Die Mädchen lernten neue Wege kennen – den Schulweg, den Weg zum Chor, zum Schulsport – und wir mit ihnen, wenn wir sie begleiteten.

Und, welch ein Glück: Im ersten Quartal der dritten Klasse ging es um Kunst in Olten. Nicht die Kunst in dem eigens dafür vorhandenen Museum, sondern in den Strassen und auf den Plätzen. Die Kunst, an welcher wir tagtäglich vorbeigehen auf unseren Wegen: die Brunnenfiguren, die Malereien an Wänden und Häusern, ja, die Häuser selber, Statuen. Die Klasse erkundete die ganze Stadt und zeichnete in Karten ein, wo sich was findet.

Auf Entdeckungsreise Kunst aufspüren

Später gingen die Kinder in kleinen Gruppen auf Entdeckungsausflüge. Ihre Aufgabe war es, Kunst aufzuspüren und zu dokumentieren. In einem weiteren Schritt suchte sich jedes Kind ein Kunstwerk aus, das es besonders ansprach. Dazu galt es, Informationen zusammenzutragen und dann ein eigenes Kunstwerk zu erschaffen, welches in Verbindung, in Austausch zum Original steht. An einer Vernissage – nicht im Schulhaus, sondern im Mokka Rubin – stellten die Kinder ihre Kunstwerke vor.

Die Gewässerschutzplastik an der Aare beim Bahnhof werde ich immer zusammen mit dem Bild sehen, das meine Tochter geschaffen hat, inspiriert durch die Farben und Formen des Werks von Gilian White.

Kunst, so lernten die Kinder, lässt sich überall finden in Olten. Oft nehmen wir sie nicht wahr, weil sie uns so alltäglich umgibt, so selbstverständlich geworden ist. Das Projekt in der Schule hat die Blicke nicht nur der Kinder, sondern auch von mir als Mutter geschärft, mich sensibilisiert, vielleicht gerade auch in diesen ersten Monaten des Neuseins an einem Ort.

Später lernten wir das Kunstmuseum in der Kirchgasse kennen, in eindrücklichen Ausstellungen, bei Workshops im Rahmen des Ferienpasses. Dass an und in diesem Haus mehr als nur ein bisschen etwas getan werden muss, ist wohl allen, egal welcher politischen Couleur, einsichtig und klar.

Was nicht zur Normalität werden darf

Das Parlament hat nach langen Beratungen, mit allem, was dazugehört, einen Entscheid getroffen, wie sich die Situation verändern soll. Nun steht in wenigen Tagen die Abstimmung zum Referendum zum Verpflichtungskredit für die Projektierung an. Ich finde es grundsätzlich gut, dass wir die Referendumsmöglichkeit haben.

Aber es muss uns auch klar sein: Das Parlament ist die von allen stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohnern Oltens gewählte Legislative. Es darf nicht zur Normalität werden, jeden irgendeiner Gruppe unliebsamen Entscheid des Parlaments «vors Volk» zu bringen, denn schliesslich ist in einer Gemeinde wie Olten das Parlament die Vertretung des Volkes – überspitzt: Es ist das Volk.

Von dieser, allerdings nicht unwesentlichen Formsache abgesehen, bin ich gespannt, wie sich die Stimmenden entscheiden werden. Ich hoffe – auch aufgrund der für Mensch und Tier wichtigen nationalen Vorlagen – auf eine hohe Stimmbeteiligung. Und ich hoffe darauf, dass sich bald etwas bewegt, dass vorwärtsgemacht werden kann.

Wo sich Kunst konzentriert

Denn ja, in einer Stadt, in der so viel Kunst en passant bewundert werden kann, braucht es einen Ort, an dem einerseits die Kunst selber konzentriert wird, aber auch das Wissen, die Diskussion über Kunst ihren Raum finden. Einen Ort mit Ausstrahlung, der anspricht, der anzieht. Menschen aus den umliegenden Gemeinden und Städten.

Oltnerinnen und Oltner, die noch mehr wollen als das, was ihnen täglich begegnet.