Banntag Olten

«Man hörte einen dumpfen Schlag»: Wie 1967 ein Sturm im Hardwald wütete

Am diesjährigen Oltner Banntag stand der folgenschwere Sturm von 1967 im Fokus.

Man habe damals aus der Entfernung einfach einen dumpfen Schlag gehört, erzählte Zeitzeuge Martin Hagmann den rund 50 Besucherinnen und Besuchern des diesjährigen Oltner Banntags. Bei einem Rundgang durch den etwas nassen Hardwald am vergangenen Samstagnachmittag schilderte unter anderen Hagmann seine Erinnerungen an den Sturm von 1967. Den dumpfen Schlag ausgelöst hatten rund 11 000 Kubikmeter Bäume, die der Sturm mit seinen etwa 145 km/h alle auf einmal umlegte. «Die Bäume lagen über eine weite Strecke hinweg alle übereinander», erinnerte sich Hagmann an das Bild, das sich ihm als Zwölfjähriger damals bot.

Obwohl der Orkan Lothar 1999 noch höhere Windgeschwindigkeiten erreichte, fügte dieser dem Hardwald keine vergleichbaren Schäden mehr zu. Was sich während des Sturms Ende Februar 1967 als problematisch herausstellte, war die Zusammensetzung des Hardwaldes zu diesem Zeitpunkt. Denn er bestand, dem Zweck der Holzproduktion entsprechend, praktisch nur aus Fichten und Tannen. «Diese waren ein Problem aufgrund ihrer flachen Wurzeln», erklärte Revierförster Georg Nussbaumer. Da sie zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit des Waldes auch recht eng nebeneinander gepflanzt gewesen waren, rissen sich die Bäume auch gegenseitig nieder.

Dies führte letztlich zu Schäden in der Höhe von rund 400 000 Franken, was heute umgerechnet rund 1,25 Mio. Franken entspricht. 16 Personen – darunter aufgrund Personalmangels viele Arbeiter aus dem Südtirol – waren im Anschluss ein Jahr lang mit der Schadensbeseitigung beschäftigt. Bei der darauffolgenden Wiederaufforstung habe man dann auf mehr Stabilität geachtet und zumindest teilweise auf reine Nadelholzbestände verzichtet, so Nussbaumer.

Banntag 2017 in Olten

Banntag 2017 in Olten

Peter Biedermann, Forstlehrling des Forstbetriebs Unterer Hauenstein, fällt am Banntag im Oltner Hardwald einen Baum.

Nachhaltige Produktion

Auch heute diene der Hardwald noch der Holzproduktion, auch wenn diese nicht mehr so lukrativ sei wie einst, erläuterte Werner Schwaller, Kreisförster Olten-Gösgen, den heutigen Wald. Etwa 1000 Kubikmeter Holz produziere der rund 90 Hektaren umfassende Hardwald jährlich – und dies auf nachhaltige Weise. Pro Tag wachse umgerechnet ein ganzer Baum wieder nach, wie Nussbaumer ergänzte.

Jedoch diene der Stadtwald längst nicht nur der Holzproduktion, so Schwaller weiter. Nebst der Möglichkeit, sich darin in seiner Freizeit zu erholen erfülle der Wald auch eine Schutzfunktion, beispielsweise an dessen Nordhang. «Der Wald schützt dort die Strassen und insbesondere die Bahnlinie gegen Steinschlag und Rutschungen.» Daher beteiligen sich auch der Kanton, die Stadt sowie die SBB an den entsprechenden Kosten des Waldes, der grösstenteils im Besitz der Bürgergemeinde Olten ist.

Problematische Fremdpflanzen

Nicht zuletzt sei der Hardwald auch Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Allerdings machen sich diesen auch Pflanzenarten zunutze, die hier eigentlich nicht erwünscht sind. Sogenannte Neophyten – Arten, die sich in einem ihnen fremden Gebiet angesiedelt haben – sorgen im Hardwald für gewisse Probleme. Sehr problematisch sei beispielsweise der Japanknöterich, der durch seine Verbreitung die einheimischen Arten verdrängt. «Wir versuchen zwar, ihn zu entfernen, aber er ist sehr robust und auch gegen Chemie resistent», erklärte Revierförster Nussbaumer. Er wäre froh, wenn man solche nichteinheimischen Arten hierzulande gar nicht mehr kaufen könnte.

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