An der Infoveranstaltung zur Primarschule Hägendorf am Montagabend versuchte der Gemeinderat, Schulleiter Thomas S. aus der Schusslinie zu nehmen. Gemeinderat Uli Ungethüm sagte zu Beginn der Plenumsdiskussion, dass heute nicht über personalrechtliche Fragen diskutiert werden solle, also über den kritisierten S. Doch für die über 200 Eltern, Lehrer und Bürger war das kein Grund, dem bis Ende August unter einer Bewährungsfrist stehende Schulleiter das Missfallen auszudrücken. S. nimmt nun selbst Stellung zu seiner Person, dem zerrütteten Verhältnis zwischen ihm und den Lehrern und seiner Zukunft. Das nachfolgende Interview wurde schriftlich geführt.

Herr S., bei vielen Voten in der Plenumsdiskussion ging es implizit oder explizit um Ihre Person und Ihr Amt als Schulleiter: Äusserlich wirkten Sie ruhig, doch wie nehmen Sie emotional die ständige Infragestellung Ihrer Person auf?

Thomas S.: Auch wenn ich äusserlich sehr ruhig wirke, lässt mich das Ganze sicher nicht kalt. Für mich ist diese Situation nicht leicht und eine grosse Herausforderung. Da ich mit meiner Familie auch in Hägendorf wohne, leiden auch meine Frau und meine Kinder unter diesen öffentlichen Vorwürfen.

Sagen Sie sich nicht manchmal, so jetzt ist genug der Anschuldigungen und Vorwürfe, ich werfe den Bettel hin?

Es ist nicht meine Art, den Bettel hinzuwerfen. Ich will vielmehr die anstehenden Probleme lösen. Ich habe vor fast zehn Jahren als Schulleiter in Hägendorf begonnen und hatte weder ein Schulsekretariat noch ein Co-Schulleitungspensum zur Verfügung. In dieser Zeit habe ich berufsbegleitend auch die Schulleitungsausbildung absolviert. Erst in den folgenden Jahren, nach mehreren Anläufen, wurde mir Schritt für Schritt mehr Pensum zur Unterstützung bewilligt. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit den geplanten Ressourcen, gemeinsam mit dem Lehrerteam, die anstehenden Aufgaben und Ziele erreichen werden.

Diesmal gab es keine offene Rücktrittsforderung wie bei der letzten Infoveranstaltung am 2. Februar. Sehen Sie sich auch künftig als Schulleiter im neuen Modell mit zwei gleichberechtigten Schulleitern ab 2017?

Wie ich bereits an der Informationsveranstaltung gesagt habe, kann ich mir ein solches Modell sehr gut vorstellen und sehe auch Vorteile darin. Vor allem ist es wichtig, dass untereinander ein Meinungsaustausch stattfinden kann.

Finden Sie, Sie hätten in den letzten knapp zehn Jahren als Schulleiter der Primarschule Hägendorf Fehler gemacht?

Selbstverständlich habe ich Fehler gemacht. Ich habe auch nie für mich in Anspruch genommen, fehlerfrei zu sein. Aus heutiger Sicht würde ich in verschiedenen Situationen anders reagieren. Dies habe ich dem Team auch so mitgeteilt. Die Weiterbildungen mit dem Team, unter der Führung unseres Mediators, zeigen mir, wo bei den Lehrern der Schuh drückt und welche Erwartungen an mich gestellt werden. Ich nehme diese Anliegen sehr ernst und bemühe mich, mich in diesen Bereichen zu verbessern und auch Abläufe zu optimieren. Ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, dort wo das Vertrauen fehlte, dieses wieder aufzubauen.

Sind Sie bereit für ein Schuldeingeständnis, um das verlorene Vertrauen wieder aufzubauen?

Wie oben erwähnt, ich habe Fehler eingestanden. Ein Punkt ist sicher, dass ich meine Wertschätzung gegenüber den Arbeiten der Lehrer zu wenig vermitteln konnte. Es gibt aber auch andere Faktoren, an denen wir alle als Team arbeiten müssen, damit das Klima verbessert wird. Mithilfe des Mediators arbeiten wir alle an unserer Kommunikation und wie Konflikte auf eine gewinnbringende Art bewältigt werden können. Dieser Prozess ist am Laufen und wird auch im neuen Schuljahr weitergeführt.

Das Verhältnis zwischen Ihnen und einem Teil der Lehrer soll stark angespannt sein. Wie ist es so überhaupt noch möglich, die Rolle als Schulleiter angemessen auszuüben?

Bei einem so grossen Team gibt es immer wieder ein Teil, der mit der Führung nicht in allen Bereichen einverstanden ist. Es gehört zu meinen Aufgaben als Schulleiter, auch in schwierigen Situationen die Schule zum Wohl unserer Schülerinnen und Schüler zu führen. Je länger wir im gemeinsamen Konfliktbewältigungsprozess sind, umso entspannter wird das Verhältnis von einigen Lehrern zu mir und auch im Team untereinander.

Einige Lehrer wollten sich gegenüber der Zeitung Mitte Februar nur anonym zur Situation an der Primarschule äussern, weil sie Repressionen des Schulleiters fürchteten. Muss Sie das nicht nachdenklich stimmen?

Hierzu kann ich mich nicht weiter äussern. Ich habe bestimmt noch nie mit Repressionen gedroht.

Glauben Sie, dass trotz des zerrütteten Verhältnisses zwischen Ihnen und den Lehrern mithilfe des Massnahmenplans und des eingesetzten Mediators wieder eine gemeinsame Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gefunden werden kann?

Von dem bin ich überzeugt! Wenn ich nicht daran glauben würde, hätte ich gar nicht die Kraft dazu, neben den Vorbereitungen fürs neue Schuljahr (Bewerbungsgespräche, Pensenverteilung, Klassenaufteilungen, Einschulungen, Stundenplan, usw.) oder Arbeiten in Bezug auf den Neubau des Schulhauses Späri, mich auf die zusätzlichen Aufgaben mit dem Mediator und der Massnahmengruppe einzulassen. Dieser Mehraufwand ist für alle eine Investition für eine nachhaltige Klimaverbesserung an unserer Primarschule. An dieser Stelle möchte ich auch erwähnen, dass ich sehr dankbar bin, dass auch die Lehrer und die Mitglieder des Gemeinderats als kommunale Aufsichtsbehörde bereit sind, diesen Mehraufwand neben ihren sonstigen Verpflichtungen auf sich zu nehmen.

Wäre es für Sie, die Lehrer und die Primarschule Hägendorf letztlich nicht besser, Sie würden einen Schlussstrich unter die ganze Sache ziehen und die Kündigung einreichen?

Wenn ich das glauben würde, hätte ich mich bereits nach den ersten Reaktionen auf den externen Schulevaluationsbericht gestützt und das Handtuch geworfen. Wie das an der Infoveranstaltung bereits von der Gemeinde als Aufsichtsbehörde erklärt wurde, ist die ganze Situation komplexer und wäre mit der Auswechslung des Schulleiters nicht gelöst.