Olten

Kritik an Stadtratsentscheid: Schaufensterfront des jetzigen Kunstmuseums soll erhalten bleiben

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Naturmuseum Kunstmuseum Kirchgasse Olten 2018

Museen Kirchgasse Olten Kunstmuseum Naturmuseum

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Dem Oltner Kunstmuseum nahestehende Personen machen sich für eine andere Variante stark, als für jene, welche der Stadtrat bevorzugt.

Diesen Donnerstag entscheidet das Gemeindeparlament, ob das Kunstmuseum vom bisherigen Standort an der Kirchgasse 8 ins ehemalige Naturmuseumsgebäude an die Kirchgasse 10 zügeln soll. Zusätzlich schlägt der Stadtrat bei diesem Szenario auch vor, einen Anbau hinter dem Gebäude zu realisieren, um mehr Platz zu schaffen. Der Stadtrat geht dabei von Kosten in der Grössenordnung von 10 bis 14 Millionen Franken aus.

Nicht einverstanden ist Peter Killer mit diesem Vorschlag. Der ehemalige Kunstmuseumsleiter, der das Haus von 1983 bis 2001 geführt hat, fände es schade, wenn das bisherige Kunstmuseumsgebäude nicht in die Planungen mit einbezogen würde. Vor allem die Schaufensterfront ist für den 74-Jährigen «etwas Tolles», wie er auf Anfrage sagt. Seine erste Amtshandlung als neuer Leiter war nach eigenen Angaben, die vor dem Schaufenster aufgestellten Stellwände wegbringen zu lassen. Die vor dem Haus warteten Leute – vor der Zeit der autofreien Kirchgasse gab es dort eine Bushaltestelle – hatten dadurch einen kostenlosen Blick in die Ausstellung. «Das ist etwas Einmaliges», sagt Killer. Aus der Not – die frühere Kleider-Frey-Filiale war im Parterre des Kunstmuseums untergebracht – sei so eine Tugend gemacht worden. Schaufenster bei Museen sind gemäss Killer später auch in anderen Städten kopiert worden. «Es wäre sehr bedauerlich, wenn das neue Kunstmuseum auf diese Schaufensterfront verzichten müsste.» Daher plädiert er dafür, dass der bisherige Standort auch im neuen Kunstmuseum miteinbezogen wird. Killer macht sich also für jene Variante stark, die der Stadtrat verwirft, weil so das Kunstmuseumsgebäude nicht unabhängig entwickelt werden kann: die Kombination der Gebäude an der Kirchgasse 8 und 10. Im Parterre und im ersten Stock könnten aus seiner Sicht Wechselausstellungen gezeigt werden, im zweiten und dritten Stock gäbe es genügend Platz für Büros.

Gemäss Killer hätte die weiterführende Nutzung des Hauses an der Kirchgasse 8 den Vorteil, dass auf einen Anbau hinter dem ehemaligen Naturmuseum an der Kirchgasse 10 verzichtet werden könnte. Er glaubt, dass «das Fuder bei einer Volksabstimmung mit einem Anbau überladen wäre». Dass der in der Bevölkerung beliebte Platz der Begegnung durch einen Anbau verkleinert würde und ein paar alte Bäume gefällt werden müssten, könnte dazu führen, dass das Volk das gesamte Paket ablehnt. «Dann würde alles wieder von vorne beginnen.» Zudem hätte es immer wieder Pläne für einen Anbau Richtung Munzingerplatz gegeben, bereits zu seiner Zeit: Entsprechend ist Killer nicht sehr optimistisch und befürchtet, dass solche Pläne gar nicht umgesetzt würden.

Ebenfalls für eine kombinierte Variante macht sich Christian Pflugshaupt stark. Der Mäzen, der das Kunstmuseum zusammen mit seiner Frau jedes Jahr mit einem sechsstelligen Betrag finanziell unterstützt, möchte die Schaufensterfront des bisherigen Gebäudes fürs neue Kunstmuseum ebenfalls erhalten. In seinen Augen genügt es allerdings, wenn das Parterre mit der Schaufensterfront als «Blickfang» zum neuen Kunstmuseum im Ex-Naturmuseumsgebäude geschlagen wird. «Das wäre meine Wunschvorstellung.» Die darüberliegenden Stockwerke des Hauses an der Kirchgasse 8 könnten auch für einen anderen Zweck, etwa als Wohnungen, genutzt werden.

Eine pragmatische Haltung vertritt Marie Therese Bätschmann, die Präsidentin der Stiftung für Kunst im 19. Jahrhundert. Ob sich die Variante Ex-Naturmuseum oder die Kombination beider Gebäude durchsetzt: Für sie ist wichtig, dass die Stiftungssammlung weiterhin beim Kunstmuseum angegliedert bleibt, wie das seit kurzem wieder der Fall ist. Zudem: Gefallen finden könnte sie an einem Anbau hinter dem Ex-Naturmuseumsgebäude sehr wohl. «Das ergäbe eine interessante Zusammensetzung von Alt und Neu, Historisch und Modern.» Und: Sie sei glücklich, «dass sich jetzt etwas Gutes fürs Kunstmuseum tut».

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