Olten
Köppel sieht Volksentscheid vom Februar als Sternstunde direkter Demokratie

«Keinesfalls in die EU!» So lautet die Maxime des Weltwoche-Manns Roger Köppel. Ein Beitritt würde die direkte Demokratie gefährden. Diese Botschaft streut der 49-jährige Journalist auf seiner Vortragstour durch die Schweiz.

Urs Huber
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Roger Köppel, Chefredaktor und Verleger des Wochenmagazins Weltwoche, fand in Olten eine äusserst treue Zuhörerschaft. HR. Aeschbacher

Roger Köppel, Chefredaktor und Verleger des Wochenmagazins Weltwoche, fand in Olten eine äusserst treue Zuhörerschaft. HR. Aeschbacher

HR.Aeschbacher

Hodler- und Distelisaal im Oltner Hotel Arte reichten knapp aus, um der Zuhörerschar ein Dach über dem Kopf zu bieten. Eingeladen hatte Roger Köppel, Chefredaktor und Verleger der Weltwoche, jenem Blatt, welchem stete ideologisch-materielle Verbindungen zu Volkstribun Christoph Blocher (SVP) nachgesagt werden. Blocher war am Dienstagabend nicht zugegen, aber der Tenor von Köppels öffentlichem Vortrag oszillierte erwartungsgemäss zwischen den beiden Polen Schweiz einerseits und der Europäischen Union andererseits.

Der Weltwoche-Chef formulierte die Quintessenz seiner gut anderthalbstündigen Ausführungen – entgegen der Praxis Blochers – zwar erst zum Ende seines Vortrags unmissverständlich, aber eine Überraschung war sie dennoch nicht: Der Verleger warnte stringent vor einer direkten oder auch schleichenden Einverleibung der Schweiz durch die EU. Die Metapher «Selbstmord aus Angst vor dem Sterben war noch nie eine gute Idee» hielt er jenen aufmunternd entgegen, die angesichts der ökonomischen Übermacht der EU an der Lebensfähigkeit einer souveränen Schweiz zweifeln.

Wer gewinnt an Souveränität?

Was nur treibt diesen Journalisten denn aber um, sich auf einer Vortragstour für die bedingungslose Souveränität der Schweiz einzusetzen und das Abstimmungsergebnis des 9. Februar (Masseneinwanderungsinitiative) als «Sternstunde der direkten Demokratie» zu werten? Wer seinen Ausführungen lauschte, dem schien es rasch zu «tagen»: Köppel sieht das Abstimmungsergebnis als Signal eines manifesten Unabhängigkeitswillens der Schweiz gegenüber der EU. «Die Frage der Masseneinwanderung mit der EU-Frage zu koppeln war letztlich ausschlaggebend für den Abstimmungsausgang», analysierte der Mann.

Aber deswegen gleich Sternstunde? Schon, denn Köppel sieht die direkte Demokratie bei einer weiteren Annäherung Schweiz-EU effektiv in Gefahr. «Natürlich würde die Selbstbestimmung – wie Frau Calmy-Rey immer betont – gestärkt. Die Frage ist bloss: bei wem?» Eine erhöhte Selbstbestimmung ortete er bloss bei der politischen Klasse und dem Beamtentum. Beide seien in der EU dem Volk markant weniger Rechenschaft schuldig als in der direkten Demokratie der Schweiz, meinte der Verleger, der in 90 Minuten lediglich zwei, drei Mal auf sein Manuskript zu blicken brauchte, um beim roten Faden zu bleiben.

«Landesverrat» gewittert

Kein gutes Haar liess Köppel zudem am Bundesrat und den Diplomaten, die sich «in Brüssel» für den überraschend negativen Volksentscheid entschuldigt hätten. «Ja, sind das die Repräsentanten einer souveränen Schweiz?», fragte er rhetorisch in den Raum. Er billigte den hohen und höchsten Staatsvertretern durchaus ihre persönliche Sicht der Dinge zu. Aber: «Es ist nicht deren Aufgabe, diese in aller Öffentlichkeit zu erläutern, sondern es ist deren Aufgabe, aus der Situation das Beste für die Schweiz herauszuholen,» so Köppel fordernd.

Der Verleger sieht übrigens keinerlei Grund, die bilateralen Verträge mit der EU zu kündigen. Und er glaubt auch nicht, dass die Gegenseite dies tun wird. Aber Köppel steht für echte bilaterale Verträge, die nicht anbiedernde Geschmeidigkeit des einen Vertragspartners (der Schweiz) voraussetzen. Die Antwort nach der Frage aber, wie sich die Schweiz denn aus der nicht einfachen Situation heraus manövrieren könnte, blieb auch der Weltwoche-Mann schuldig. Der Ratschlag nach einer selbstbewussten Haltung wirkte zu sehr nach Geschichtsbuch für Sechstklässler, die noch dem Tellenmythos huldigt.