Schlag drei Uhr trat Franz Hohler auf den Balkon am Stadtturm heraus. Auf dem Ildefonsplatz zu seinen Füssen war bereits ein wahres Fest im Gange: Gerade waren die letzten luftigen Songs von Annika Strand und Band verklungen, die Zuhörer sassen mit einem kühlen Getränk an den Festbänken, an den Tischen draussen vor der «Suteria» oder sie hatten sich in der Menge einen Stehplatz gesucht. Und die Sonne strahlte kräftig wie zum Beweis, dass nun doch endlich Frühling sei.

Literatur- und Kabarettstadt

In seiner Turmrede würdigte Hohler Olten als Literaturstadt – und das, obschon Goethe auf keiner seiner Schweizer Reisen hier vorbeigekommen sei und Thomas Mann das Städtchen als «reizlos» bezeichnet hatte. Hohler erzählte, wie er selbst jedoch in Olten erste literarische Texte geschrieben hatte. In der Jugendbibliothek habe er sämtliche Bücher von Erich Kästner verschlungen und in der Buchhandlung Schreiber von seinem Taschengeld Bücher erstanden. Seinem Publikum entlockte er immer wieder Lacher, etwa mit dem Rezitieren des Gedichtes «Liebe zum Vaterland».

Dieses hatte er als 10-Jähriger geschrieben und er musste zugeben, dass er es auch «ohne weiteres an der nächsten Albisgüetli-Tagung der SVP vortragen» könne. Von der Literaturstadt Olten war es für ihn ein kleiner Schritt zur Kabarettstadt Olten. Habe er Kabarett doch immer für eine Form der Literatur gehalten, die «die Welt, in der wir leben, kommentiert, karikiert und sabotiert». Es war, da schienen sich die Zuhörer einig, eine sehr gelungene Jubiläumsrede. Hob Hohler doch Stärken wie auch liebenswerte Eigenheiten Oltens hervor, wie das eben nur einer kann, der die Stadt wirklich kennt.

Turmrede von Franz Hohler an den Oltner Kabarett-Tagen 2017

 

Zuhörer sogar auf der Bühne

Das Wetter lud zum Verweilen ein. Wer aber nach der Turmrede weiterspazierte, stiess immer wieder auf Humorvolles. Im Rahmen des Einweihungsfests des Quai Cornichon liessen sich etwa auf der Kirchgasse und im Klostergarten kabarettistische Darbietungen erleben. Die ganze Stadt schien auf den Beinen zu sein. Viele zog es zum «Fahrieté» auf der Kirchgasse, einem ausgebauten Zirkuswagen mit Bühne und vierzig Zuschauerplätzen im Innern.

Zur Vorstellung des Duos Knuth & Tucek war der Andrang der Zuschauer so gross, dass Klappstühle in den Gang und schliesslich sogar auf die Bühne gestellt wurden. «Heute machen wir es unschweizerisch, wir lassen alle rein», kommentierte dies Olga Tucek. «Kommt alle auf die Bühne», rief Nicole Knuth den Draussengebliebenen zu. Zu viel Gelächter sangen die beiden von Trumputin und Erdorban und beschrieben zur Melodie von «I will survive» die «Problemzone Frauenkabarett». Politisch korrekt war daran nichts; das Publikum dankte es ihnen.

Wer weiterflanierte, konnte an der Klostermauer den nun offiziell eröffneten Quai Cornichon bewundern oder sich im Klostergarten bespassen lassen. Etwa vom deutschen Duo Schwarze Grütze oder vom Singer/Songwriter Res Wepfer, der seinen Partygrill besang. Ein kleiner Wermutstropfen: Andreas Thiel war offenbar im Stau steckengeblieben und verpasste daher seinen Auftritt. Gerne hätte man erfahren, welche bitterböse Bemerkungen sich der Satiriker diesmal ausgedacht hatte. An humoristischer Vielfalt mangelte es aber trotz seines Fehlens an diesem Frühlingsnachmittag nicht.