Corona-Virus

Kitas sollen Notangebot für Eltern mit zwingenden Arbeitsverpflichtungen aufrechterhalten

Kindertagesstätten bleiben ab Dienstag leer, zumindest dürfen sie nur noch ein Notangebot aufrechterhalten.

Kindertagesstätten bleiben ab Dienstag leer, zumindest dürfen sie nur noch ein Notangebot aufrechterhalten.

Am Freitag empfahl der Kanton noch ausdrücklich, Betreuungsangebote offen zu lassen – am Sonntag ordnete er die Schliessung an. Nachdem die Behörden bislang bemüht waren, in der Corona-Krise Besonnenheit auszustrahlen, wirkte das Vorgehen am Wochenende nun etwas überstürzt und nicht gerade mustergültig koordiniert.

Man könnte es entschlossen und führungsstark nennen, dass der Bundesrat am Freitagnachmittag die Schliessung der öffentlichen Schulen anordnete. Fest steht aber auch, dass der kurzfristig umzusetzende Entscheid die Gemeinden und werktätige Eltern schulpflichtiger Kinder vor gewaltige Probleme stellt. Erst recht, nachdem der Kanton Solothurn am Sonntag auch noch überraschend die Schliessung von Kindertagesstätten anordnete.

Als am späten Freitagnachmittag der Sonderstab Corona mit Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner und Erziehungsdirektor Remo Ankli über die Umsetzung der Bundesratsbeschlüsse informierten, hiess es noch ausdrücklich: «Der Kanton empfiehlt, familienergänzende Strukturen weiterhin offen zu lassen.» Dies zur Entlastung von berufstätigen Eltern, die keine anderen Betreuungsoptionen haben. Man wollte möglichst verhindern, dass Grosseltern, die zu den besonders gefährdeten Risikogruppen zählen, die Betreuung von Kindern übernehmen müssen.

Am Samstag eine neue Lagebeurteilung

Nachdem der Bundesrat die Frage der Tagesstätten offen gelassen hatte, hätten Kantonsarzt Lukas Fenner und Regierungsrätin Susanne Schaffner am Samstag noch einmal eine Lagebeurteilung vorgenommen und seien in dieser dynamischen Lage zu diesem Entschluss gekommen, erklärt Claudia Hänzi, Chefin des Amts für soziale Sicherheit.

Am Sonntagnachmittag wurde dann kommuniziert, dass Kindertagesstätten, Horte und Spielgruppen den «regulären Betrieb» einstellen müssen, um den Schutz vor einer schnellen Ausbreitung des Corona-Virus zu verstärken. Diese Massnahme gilt ab Dienstag bis mindestens am 19. April, also wie die Einstellung des Schulbetriebs bis zum Ende der Frühlingsferien.

Sie verweist darauf, dass mit dem Beschluss des Departements des Innern die Betreiber von familienergänzenden Betreuungseinrichtungen weiterhin die Möglichkeit haben und sogar ausdrücklich eingeladen werden, ein Notangebot aufrechtzuerhalten. Dieses ist hauptsächlich für Erziehungsberechtigte gedacht, die in Gesundheitsberufen tätig sind oder in anderen für die Versorgung der Bevölkerung existenziellen Bereichen. Kurz für Eltern, deren Arbeitsverpflichtungen absolut zwingend sind und die nicht in der Lage sind, eine alternative Kinderbetreuung zu organisieren.

Zugang sollen auch Familien haben, wo die Kinderbetreuung sonst ausschliesslich durch Grosseltern möglich wäre. Nicht betroffen von der Einschränkung sind zudem Tagesfamilien. Sie sind allerdings gehalten, nur so viele Kinder zu betreuen, dass zusammen mit den eigenen nicht mehr als fünf Kinder zu beaufsichtigen sind. Vollständig untersagt ist hingegen der Betrieb von Spielgruppen.

Gemeindeverband hatte auf mehr Kita-Plätze gesetzt

Auch wenn Notangebote möglich bleiben, dürfte der Beschluss vom Wochenende etliche Gemeindebehörden auf dem falschen Fuss erwischt haben. In einem Rundschreiben an alle Gemeinden und Schulleitungen vom Freitag, das von den Lehrkräften am Wochenende auch an die Erziehungsberechtigten ihrer Schüler weitergeleitet wurde, hatte der Einwohnergemeindeverband noch darauf gesetzt, dass in Kitas zusätzliche Plätze angeboten werden könnten, zumindest in den nächsten Tagen, bis man in den Gemeinden Betreuungsangebote in den Schulen organisiert hat. Obwohl ab heute Montag die Obhutspflicht bei den Eltern liegt, dürften die Schulen keine Kinder unkontrolliert nach Hause schicken, heisst es in dem Schreiben.

Es wird empfohlen, dass heute überall eine Lehrperson Kinder, die trotzdem in die Schule geschickt wurden, in Empfang nimmt und sie «kontrolliert nach Hause begleitet oder einer familienexternen Kinderbetreuung zuführt». Ein lokales Konzept zur Betreuung der Kinder wird in den meisten Schulen aber erst am Mittwoch vorliegen.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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