Oltner Kabarett Tage

Junges Kabarett bei der «Wunschfeder» im Element

Die Slam-Poetin Lisa Christ aus Olten führte bei der «Wunschfeder» ihr erstes Kabarettprogramm auf.

Drei junge Künstler, drei Nationen, drei Vorstellungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Format Wunschfeder beweist: Gutes Kabarett ist altersunabhängig.

«Eigentlich haben wir keine Ahnung», war die Essenz des Auftrittes der Oltnerin Lisa Christ. Die Gewinnerin des letztjährigen Kabarett-Castings trat mit ihrem neuen und ersten Kabarettprogramm beim Entdecker-Format der Oltner Kabarett-Tage «Wunschfeder» auf. Mit einer heute fast schon obligatorischen Kritik an «Geschlechterspezifischen Rollenmodellen» eröffnete die 28-jährige Slam-Poetin ihr Programm. Ihre anfängliche Auseinandersetzung mit dem biblischen Sündenfall und der fest eingemeisselten unterwürfigen Rolle der Frau in dieser Geschichte, entwickelte sich zu einem Monolog über Eigenständigkeit, Selbstbewusstsein und das Erwachsenwerden. «Als Kind dachte ich, nur ich wüsste nichts …», begann sie und zog mit viel Witz und Komik über das «Übermenschgehabe» von Fitness-Gurus und Gesundheitsfanatiker her, die zu wissen glauben, was das Richtige ist und dies gerne kundtun. «… doch Erwachsene tun nur so, als wüssten sie alles», war ihre Erkenntnis.

Mit dem Begriff «Österreich» leitete der Deutsche Kabarettist und Moderator der «Wunschfeder» Matthias Brodowy gleich drei brandaktuelle Themen ein: Heinz-Christian Strache, Niki Lauda und Christian Fritz. Letzterer präsentierte als zweiter Künstler des Abends sein Programm «Das jüngste Gesicht» und holte das Publikum ab bei der Gesellschaftskritik, wo sie bei Lisa Christ stehengeblieben war, und zog sie durch die Tiefen österreichischen schwarzen Humors. Sein Auftreten als sozial unbeholfener junger Sonderling, der viel jünger aussieht als er ist, nutzte der 24-jährige Förderpreisträger in Österreich als Gegenstand für absurde und schlüpfrige Gedankenspiele. Besonders die katholische Kirche nahm das Jungtalent mit gezieltem Zynismus in die Mangel und brachte damit die volle Oltner Schützi zum Tränenlachen.

Nicht schubladisieren

Nach einem Intermezzo in Form eines Talks mit allen drei Künstlern ging Moderator Brodowy auf die Frage ein, wie die einzelnen Formen der gesprochenen Kleinkunst – Kabarett, Poetry-Slam und Comedy – sich voneinander unterscheiden. «Keine der Formen trifft zu 100 Prozent auf mein Programm zu», sagte der Sieger der Deutschen Poetry-Slam Meisterschaften in 2011 und dritter Künstler des Abends, Nektarios Vlachopoulos.

Der 33-jährige Deutsche «mit griechischem Integrationshintergrund», wie er sich selber vorgestellt hatte, bewies anschliessend, dass er alle drei Kleinkunstformern beherrscht: Anhand spielerischer Auseinandersetzungen mit Länderklischees und Vorurteilen sowie faszinierenden Vokalgedichten zeigte er, wie gut er die Deutsche Sprache im Griff hat. So auch das Schwäbische, wie sich herausstellte. «Komm› her, Spätzle» begann er, eine Schwäbische Übersetzung von «50 Shades of Grey» vorzulesen und traf damit beim Publikum direkt ins Schwarze.

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