Der Islamische Zentralrat Schweiz gilt als radikal und stand auch schon unter Beobachtung des Nachrichtendiensts des Bundes. Der 2009 gegründete Verein mit Sitz in Bern hat die öffentlich-rechtliche Anerkennung des Islam als Fernziel und fällt immer wieder mit seinen Positionen und Provokationen auf. So verteidigt der Zentralrat etwa die am wenigsten gefährliche Form der Mädchenbeschneidung oder drei ihrer Vorstandsmitglieder könnten bald einmal wegen Terrorismusunterstützung vor Bundesstrafgericht stehen.

Am Sonntag nun haben sich rund 150 Mitglieder in Fulenbach zum jährlichen Raclette-Plausch getroffen, wie der Islamische Zentralrat auf Anfrage bestätigt. Im Clubhaus des Radfahrervereins im Industriegebiet gab es neben Essen und Trinken «diverse Aktivitäten, lehrreiche Vorträge von Abdel Azziz Qaasim Illi und Geschenke für die Kinder», wie es auf der Facebook-Seite des Zentralrats heisst. Im Vortrag des Kommunikationschefs und Vorstandsmitglieds Illi soll es um die Entwicklung des Islam und den Aufschwung- und Abwärtsbewegungen gegangen sein, schreiben die Organisatoren auf Facebook.

Anlass schon in Aarau geplant

Der Zentralrat hat die Lokalität in Fulenbach gebucht, nachdem der gleiche Anlass in Aarau von den Behörden untersagt wurde. In einem Waldhaus der Bürgergemeinde sollte der Raclette-Plausch stattfinden. Nachdem die Stadt als Vermieterin von der Kantonspolizei informiert wurde, um welche Organisation es sich handelt, ist der Mietvertrag aufgelöst worden.

Eine Privatperson hat bei der Stadt Aarau angefragt, ohne den Zentralrat als Organisator zu nennen. Gleich ist es in Fulenbach abgelaufen, wie Clubhaus-Hüttenwart Martin Jäggi gegenüber dem regionalen TV-Sender Tele M1 sagt: «Ein ganz normaler junger Mann, laut seiner Adresse aus Grenchen, hat für einen Raclette-Tag reserviert.» Wenn Jäggi es von Anfang an gewusst hätte, hätte er abgesagt, weil man einer solchen Organisation keine Plattform bieten wolle.

Kommunikationschef Qaasim Illi bestätigt auf Anfrage, dass jeweils eine Privatperson ohne Hinweis zum Zentralrat ein Veranstaltungslokal bucht. «Das ist notwendig, weil uns sonst die Behörden oder die Privaten den Anlass verunmöglichen.» Der Anlass in Fulenbach lief ohne Zwischenfälle über die Bühne, wie die Kantonspolizei Solothurn auf Anfrage schreibt. «Die Polizei musste nicht ausrücken.» Kurz vor Beginn habe man Kenntnis der Veranstaltung erhalten, heisst es vonseiten der Kantonspolizei weiter.

Ein Thema im Gemeinderat

Die Gemeinde Fulenbach hingegen war nicht informiert über den Anlass, sagt Gemeindepräsident Thomas Blum auf Anfrage. Da es sich um eine Privatperson gehandelt habe, welche ein privates Clublokal gemietet habe, sei das auch nicht nötig und eine Kontrolle in diesem Fall kaum möglich. Wäre die Veranstaltung öffentlich gewesen oder hätte grössere Dimensionen angenommen, hätten wir sicher etwas mitbekommen, ergänzt Blum. «Es freut mich natürlich nicht, dass die Gemeinde Fulenbach in diesen Zusammenhang erwähnt wird.»

Die Angelegenheit soll laut Blum auch im Gemeinderat diskutiert und Massnahmen geprüft werden. Im Rahmen des neuen Wirtschafts- und Arbeitsgesetzes, das seit Anfang 2016 im Kanton gilt, hat der Verband Solothurner Einwohnergemeinden damals die Gemeinden sensibilisiert, bei der Vermietung von Veranstaltungslokalen genauer hinzuschauen. Blum, der Geschäftsführer des Verbandes ist, könnte sich vorstellen, dies nun auch von privaten Betreibern solcher Lokale einzufordern.