Bestimmt ist jede und jeder schon einmal auf einem Davoser Schlitten gesessen. Und vielleicht mag sich mancher an die verzwickte Steuerung des Holzgefährts erinnern. Es gilt, mit der Fusssohle die gewünschte Fahrrichtung anzusteuern und dann mittels Gewichtsverlagerung Druck auf die Aussenkante auszuüben, damit der Schlitten inklusive Besatzung wie gewünscht dreht – kein leichtes Unterfangen.

Wenn auch in der Zwischenzeit neben dem klassischen Davoser Schlitten neuere Modelle auf den Markt gekommen sind, blieb die Steuerung wenig intuitiv. Das haben auch drei Industriedesign-Studenten an der FHNW, allesamt passionierte Schneesportler, erkannt. Im Rahmen eines Studienprojekts wollte der Oltner Yves Aeschbacher zusammen mit seinen Studienkollegen Fabian Kessler und Jeremias Perren diesem Stillstand ein Ende bereiten.

Denn: «Die Steuerung von Schlitten hat sich seit der urtümlichen Variante vor 150 Jahren nicht entscheidend entwickelt», meint Aeschbacher, der geheime Kopf des Dreigestirns, das sich aufgemacht hat, den Schlittelspass zu revolutionieren.

Der neuartige Carving-Schlitten von AROC Snowsports

Kombination von Carving-Ski und Schlitten

Ihr innovativer Ansatz: Das Carving-Gefühl vom Ski auf den Schlitten zu adaptieren. So soll eine direktere und intuitivere Steuerung ein besseres und vor allem sichereres Fahrgefühl vermitteln. Grundlage dafür bilden echte Kufen, welche mittels eines stabilen Stahlrahmens und des Oberbaus in Birken-Formsperrholz durch Gewichtsverlagerung in die gewünschte Fahrrichtung gelenkt werden können. Verbunden ist der Rahmen über stabile Federstahl-Gelenke, welche die Kufen kippen und den Schlitten auch wieder in die Grundposition zurückschwenken lassen.

Seit nunmehr drei Jahren tüftelt das Trio an der Schlittenrevolution. Nach ersten Skizzen und viel handwerklichem Try-and-Error schlossen sie das Studienprojekt mit einem ersten Prototyp ab. Dafür konnten die AROC-Leute die ersten Meriten in Form von Designpreisen einheimsen. «Dadurch ermutigt, entschlossen wir uns, das Projekt ausserhalb des Studiums weiterzuführen», erzählt Aeschbacher. Mit dieser Entscheidung folgte erst die grosse Arbeit.

AROC Snowsports mit Carving-Schlitten: Yves Aeschbacher, Jeremias Perren und Fabian Kessler (v.l.)

Die Tüftelei am AROC-Schlitten war sehr zeitaufwändig.

AROC Snowsports mit Carving-Schlitten: Yves Aeschbacher, Jeremias Perren und Fabian Kessler (v.l.)

Zwar waren die Grundidee und das Design der ersten Stunden bestechend, doch nun ging es darum, das Produkt zu perfektionieren: In unzähligen Stunden in der Freizeit wurde das Produkt konstant verbessert, ausgiebig im Schnee getestet, Gespräche mit Zulieferern wurden geführt, Kontakte mit möglichen Abnehmern geknüpft sowie in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsstudenten der FHNW ein Businessplan für Marketing und Finanzierung aufgestellt.

Per Zufall zum Durchbruch

In der Entwicklung mussten so einige Hindernisse überwunden werden. So stellte die Steuerung eine besondere Herausforderung dar, denn so innovativ der AROC-Ansatz, so kompliziert dessen Umsetzung. Lange funktionierte die Lenkung nicht wie gewünscht. Der Schlitten driftete mehr umher, als dass er wie auf Schienen dahinglitt. Ein Zufall wollte es, dass den dreien die Lösung für ihr Problem erschien: «Aus Frust, dass der Schlitten nicht mitmachte, wie wir wollten, rauschte ich einmal rückwärts voran die Piste hinunter», erzählt der 27-Jährige schmunzelnd.

Das war die Lösung! Denn plötzlich liess sich das Schlittengefährt präzis und sicher durch den Schnee steuern. Im Verschieben der flexiblen Holzverbindung zwischen Sitzfläche und Kufen nach hinten lag der Schlüssel zum Durchbruch. Damit liegt der Schwerpunkt im hinteren Bereich, was dem Schlitten in der Kurve die nötige Stabilität verleiht.

Nun muss Kapital her

In der Zwischenzeit stehen die Jungs von AROC mit ihrem Schlitten vor der Serienreife. Jetzt hapert es nur noch beim lieben Geld. Konkret sind 55 000 Franken gefordert, damit eine erste Kleinserie von 60 Schlitten für die kommende Wintersaison produziert und an vier Wintersportdestination ausgeliefert werden kann, wo sie als Mietobjekte zum Einsatz kommen sollen. «Aus diesen Erfahrungen wollen wir neue Erkenntnisse gewinnen, um diese in einem nächsten Entwicklungsschritt einfliessen zu lassen», erklärt Aeschbacher.

Um das benötigte Kapital zu beschaffen, betreibt AROC ein Crowdfunding. Das bedeutet: Auf der Online-Plattform «Kickstarter» kann jedermann einen Sponsoringbeitrag ab zehn bis zu 1000 Franken sprechen. Jeder Beitrag wird mit einer Gegenleistung, von einem Dankeschön, über einen Tag mit dem AROC-Schlitten im Schnee bis hin zu einem persönlichen Modell des Schlitten honoriert.

Sollte das Crowdfunding-Ziel verpasst werden, so sei das nicht zwangsläufig der Tod des AROC-Schlittens. «Wir sind überzeugt von unserem Produkt und wollen es unbedingt weiterverfolgen. Allenfalls müssten wir halt bei Firmen anklopfen oder private Investoren finden», meint Aeschbacher.