Am 2. Februar dieses Jahres wurden die Hägendörfer über den mehrere Monate zurückgehaltenen externen Schulevaluationsbericht informiert. Bei der zweiten Auflage der Infoveranstaltung knapp vier Monate später war die Spannung viel geringer: Zwar wurde gestern Abend ein neues Schulleitungsmodell präsentiert, das die Mängel bei der pädagogischen Führung beheben soll, doch sonst durften die über 200 anwesenden Eltern, Lehrer und Bürger, auf deren Druck die zweite Infoveranstaltung überhaupt erst eingerufen wurde, ihre Ängste und Sorgen loswerden.

Räumlich zeigte sich gleich von Beginn an die Kluft, die zwischen Behörden und Volk herrscht: Gemeinderat, Schulleitung und Kantonsvertreter im linken Teil der Turnhalle; Eltern, Lehrer und Bürger mit einigem Reihen Sitzabstand rechts davon. In rund 25 Voten, mehrfach mit kürzeren oder längerem Applaus quittiert, gab es eine regelrechte Chropfleerete: Eltern schilderten, wie sie bei Lernschwierigkeiten ihrer Kinder keine Unterstützung von der Schule erhalten haben sollen; sie bemängelten, wieso der angeschossene Schulleiter Thomas Schöni die Bewerbungs- und Austrittsgespräche oft noch immer alleine führt oder sie beschwerten sich, warum sie keine persönliche Einladung an die Infoveranstaltung erhielten – sie war zweimal im «Gäuanzeiger» ausgeschrieben. Auch das angespannte Verhältnis zwischen Lehrern und Schulleiter Schöni war mehrfach ein Thema.

Die Fronten waren klar: Es herrschte nicht nur eine räumliche, sondern auch eine emotionale Kluft zwischen Behörden und Volk. Die Diskussion verlief aber sachlich, nur die Anfang Mai zurückgetretene frühere Ressortleiterin Bildung, Andrea Aerni, versuchte mit ihren Voten, die Emotionen hochgehen zu lassen – indem sie etwa dem Gemeinderat um Präsident Albert Studer mehrmals vorwarf, nicht die Wahrheit zu sagen, oder ein Abschiedsmail einer Lehrerin vorlas, die wegen Burnout gekündigt hatte – «gute Lehrer wurden verheizt und geplagt, dass sie wegmussten». 

Der Funken schien aber trotzdem nicht richtig auf die Anwesenden hinüberzuspringen. Im Gegenteil: Es schien so, dass Schulleiter Thomas Schöni, der sich viele Notizen machte und wo nötig, selbst Stellung bezog, am Schluss gar nicht mehr als der einzig böse Bub dastand, als das ihn der externe Schulevaluationsbericht anscheinend dargestellt hatte. Gemeindepräsident Studer verteidigte ihn sogar einmal, er hätte schon früher auf die Notwendigkeit einer Aufstockung der Schulleitung aufmerksam gemacht, der Gemeinderat als Aufsichtsorgan hätte die Alarmzeichen aber damals nicht gesehen.

Sogar der eingesetzte Mediator Denis Marcel Bitterli war «überzeugt, dass das Vertrauen wieder hergestellt werden kann», und man nicht alle Fehler Schulleiter Schöni anhängen könne. Zum Schluss wurde aber dann doch noch eine Anwesende laut und rief in Richtung Schulleiter: «Wir sind nicht dumm. Sag das, was ist und machs. Versprich nicht etwas und tus dann nicht, dann sag lieber nichts. Dann bist du ein Hirte und schaust zu den Schäfchen.»