In einem guten Jahr, nämlich ab Ende Januar 2016, werden im derzeit noch menschenleeren Kommandoraum der Betriebszentrale (BZ) SBB in Olten 120 Männer und Frauen als Disponenten, Assistenten der Disponenten, Zugverkehrsleiter oder etwa Informationsspezialisten arbeiten. Der über 1500 Quadratmeter grosse Kommandoraum im obersten Stock des Neubaus an der Gösgerstrasse wird das Hirn des Bahnbetriebs «Mitte», wie sich der Raum zwischen Basel, Bern, Brugg und Luzern im Fachjargon der SBB nennt. Olten liegt da zentral und wird zur heimlichen Bahnhauptstadt. «Der Betriebszentrale hier in Olten kommt schon sehr grosse Bedeutung zu», sagt José Thürler, Gesamtprojektleiter des hiesigen Baus. «Denn die Region Mitte ist jene, die als Schaltstelle zwischen den Regionen West (Lausanne), Ost (Zürich) und Süd (Pollegio) auftritt.» Der Kommandoraum in Olten ist denn auch dafür konzipiert und ausgerüstet, im Notfall den operativen und dispositiven Teil der anderen Regionen zu übernehmen.

Beginn der technischen Ausrüstung

Vorerst aber muss die Infrastruktur noch eingerichtet werden, der gemäss Planung Anfang Dezember beginnt. Dann nehmen am 1. März 2015 der bisherige Sektor Mittelland und Mitte März der Sektor Aare (beides Sektoren aus der operativen Betriebszentrale Olten) ihren Dienst in der Betriebszentrale Olten auf, bis schliesslich Ende Januar 2016 auch noch das bisherige Fernsteuerzentrum Luzern in Olten Quartier nimmt. «Die Steuerung erfolgte bisher aus vielen Standorten», so Thürler.

Ende 2016 also wird der Betrieb der SBB von schweizweit vier Zentren aus gesteuert, die BZ in Olten – für rund 100 Mio. Franken errichtet – ist die letzte im Quartett, welche «ans Netz» geht. Gemäss Thürler wäre die Steuerung des nationalen Bahnbetriebs gar von einem einzigen nationalen Zentrum aus möglich gewesen. Die moderne Leittechnik macht dies möglich. Wieso also nicht? «Zum einen ist die realisierte Lösung ein Bekenntnis zu den Regionen», sagt Christian Ginsig von der SBB Pressestelle. «Und zum andern garantieren vier Zentren mehr Handlungsspielraum, um in Notfällen reagieren und den Betrieb dennoch aufrechterhalten zu können.» Ein Brandfall in einem solitären Zentrum etwa könnte bereits zum Stillstand auf dem nationalen Netz führen.

Über 8000 Personenzüge täglich

Damit die täglich 8150 Personen- und 1850 Güterzüge auf dem Netz der SBB weiterhin wie gewünscht verkehren können und eine Million Reisende pünktlich ans Ziel kommen und die Kunden zeitgerecht informiert werden. Die Konzentration der Kräfte versetzt die SBB auch in die Lage, den erwarteten Mehrverkehr bewältigen zu können. Und Olten ist mittendrin statt nur dabei und rund 400 Arbeitsplätze reichen. «Wir suchen noch Mitarbeitende» weiss Ginsig. Stressresistente Interessierte etwa aus dem kaufmännischen Bereich, jenem des ÖV oder andern Bereichen sind willkommen.