Olten

Improvisationstalent begeistert im Oltner Stadttheater

Auch Meisterin der Improvisation: Gabriela Montero.

Auch Meisterin der Improvisation: Gabriela Montero.

Im Stadttheater Olten lassen Pianistin Gabriela Montero und das Kammerorchester Basel hörbar werden, was ein Miteinander bedeutet.

Nur so nebenbei spricht eine Pianistin wie Gabriela Montero ein Kompliment nicht aus. Als «ausserordentlich» bezeichnet sie das Kammerorchester Basel – und genauso ist das Miteinander von Ensemble und Solistin. Ein Wunder im Stadttheater Olten? Man darf hochgreifen, weil hier exzeptionelle Musikerinnen und Musiker aufeinandertreffen, um Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Gabriel Fauré und Darius Milhaud exzeptionell zu interpretieren.

Schon Mozarts Ouvertüre zu «Lucio Silla» vermittelt eine Ahnung von dem, was später – mit Mozarts d-Moll-Klavierkonzert KV 466 – folgt: ein Spiel, das Mozarts meisterhafte Beherrschung von Kontrasten im Verbund mit der Solistin ungemein plastisch hervortreten lässt. Daniel Bard, Konzertmeister des Basler Ensembles, leitet dieses und befeuert es auf eine Weise, die mittels «kernigem» Klangbild vor allem die dunkel-glühende Ausdruckswelt von Mozarts Musik aufspürt. Davon spricht auch das Klavierkonzert, das auf den düsteren «Don Giovanni» vorausweist, aber im Zentrum mit einer Romanze überrascht, die Gabriela Montero unprätentiös, wunderbar schlicht und innig spielt. Gerade hier demonstriert die aus Venezuela stammende Pianistin ihre Musikalität, ihren differenzierten Anschlag und ihr Gespür für einen feinen, oft mit gedeckten Farben spielenden Mozart-Klang. Gemeinsam entwickeln Solistin und Orchester im Mittelteil, aber auch in den raschen Ecksätzen packende Spannungsverläufe.

Phänomenales Improvisationsvermögen

Monteros Mozart-Spiel möchte man gerne nachlauschen, aber dafür reicht die Zeit nicht, denn nun steht die Improvisations-Session an. Ja, diese Musikerin kann, was heute selten ist: improvisieren nach Liedern, die ihr vom Publikum vorgesungen werden. In Olten kennt man keine Scheu. Rasch ist das erste Stück, «Der Mond ist aufgegangen», gefunden. Die Pianistin spielt das Thema kurz an und danach hören wir ... ein Werk von Bach. Auf der Suche nach dem ursprünglichen Thema verfolgen wir gespannt, wie die Pianistin damit spielt. Immer wieder blitzt die bekannte Melodie auf, um schliesslich als Schubert’scher Walzer in eine neue Dimension vorzustossen. Der Mond darf also Walzer tanzen – wie schön! Vielleicht nach Prokofjew mutet «Am Brunnen vor dem Tore» an und das Mundartlied «S’isch mer alles eis Ding» gar nach Schönberg. Vielleicht ist das falsch; egal: Das Improvisationsvermögen der Pianistin ist phänomenal und macht unverschämt Spass. Ist das noch zu toppen? Ums Übertrumpfen geht es bei diesem Abend nicht, aber das Kammerorchester Basel glänzt ebenfalls. Gabriel Faurés «Masques et Bergamasques» imaginiert eine Landidylle; es wird luftig und delikat gespielt von den Baslern, die mit Darius Milhauds «Le bœuf sur le toit» ihr Spitzenkönnen demonstrieren. Diese Fantasie klingt ebenso nach prallem Leben wie nach Müssiggang; hinzu kommen Störgeräusche, die dazwischenplatzen, sowie absichtlich falsch eingebaute Töne. Das allein ist schon beeindruckend; noch beeindruckender ist, wenn ein Ensemble die Balance zwischen Ordnung und Chaos sowie zwischen Ernsthaftigkeit und Schalk derart perfekt hält wie das Kammerorchester Basel.

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