Unter dem Motto «Wir geben der Jugend eine Stimme» wollen ein paar engagierte Jugendliche ein kantonales Jugendparlament (Jupa) gründen. Die Jugend zu Wort kommen lassen, das wollte man auch schon im Mai 2010. Jugendliche lancierten damals das «Jugendparlament Region Olten». Mit Erfolg?

Die heutigen SP-Gemeinderäte Luisa Jakob (Olten) und Edwin Loncar (Obergösgen) waren damals dabei; Loncar war zwischenzeitlich von Mai bis Juli 2010 sogar Jupa-Präsident. «Mir gefiel das Überparteiliche des Jupas», so Jakob. Sachpolitik für die Jugend sei hier im Vordergrund gestanden, fährt sie fort. «Ich fand es toll, dass man der Jugend dadurch eine Stimme gab», ergänzt Loncar – und wird unmittelbar von Jakob korrigiert: «Wir haben uns selbst eine Stimme gegeben.»

Persönliche Beratung im Zentrum

Unterstützung erhielten die Initianten vom Dachverband der Schweizerischen Jugendparlamente (DSJ), unter anderem von Luisa Hafner, Ressort Support und Regionalverantwortung Deutschschweiz. «Bei der Gründung des Jupas Region Olten stand die persönliche Beratung im Vordergrund», erinnert sich Hafner.

Ferner suchten die Jungparlamentarier Kontakt zu Thomas Obrecht, der bei der Gründung des ersten Jugendparlaments der Region Olten im Jahr 2000 (siehe Artikel unten) federführend war. «Wir haben mit ihm über mögliche Schwierigkeiten und auch über die Auflösung seines Jugendparlaments gesprochen», erinnert sich Jakob.

Auch nach der Gründungszeit brach der Kontakt zum DSJ nicht ab; das Jupa Olten wurde Mitglied des Dachverbands und nahm an einigen Veranstaltungen des Verbandes teil. Zudem arbeiteten die Mitglieder des Jupas Region Olten am DSJ-Projekt «easyvote» mit – einer Abstimmungshilfe, die über Vorlagen wie auch Wahlen informiert und Jugendliche zur Teilnahme anregt.

Finanzen – da drückte der Schuh

Der DSJ habe das Mitwirken des Jupas an solchen Anlässen und Projekten finanziell unterstützt, wie auch den Mitgliederbeitrag erlassen, so Hafner. Denn in der Organisationsstruktur des Jupas Region Olten, das eine privatrechtliche Struktur aufwies und als Verein konzipiert war, steckte der Wurm drin: Das Jupa hatte kein fixes Budget. «Von 60 aktuellen Jupas können über 55 ein solches vorweisen, welches fast immer teilweise oder vollumfänglich vom Kanton oder von der Gemeinde bereitgestellt wird.»

Doch die Jungparlamentarier waren sehr wohl darum bemüht, dem Jupa ein Budget zu generieren, wie von Loncar zu erfahren ist: «Ich habe an den damaligen Stadtpräsidenten mehrere Anfragen für einen finanziellen Beitrag gestartet. Schliesslich wurde das Anliegen an mehrere Stellen bis zur Jugendkommission – der Kontaktstelle des Jupas – weitergeleitet.» Dort verlor sich dann die Spur. «Wir hatten kein Geld für Aktivitäten», lautet deshalb das wenig verwunderliche Fazit Jakobs.

So hielt sich auch die Anzahl durchgeführter Projekte in Grenzen: Zumindest eine Podiumsdiskussion über Jugendgewalt kann dem Jupa angerechnet werden. Ausserdem hätten die Mitglieder an allen Schulen der Region eine Umfrage zu Interessen und Bedürfnissen von Jugendlichen gestartet, wie Loncar sagt. Tatsächlich kamen am Ende 2000 ausgefüllte Fragebögen zusammen; nur mit der Auswertung haperte es, «da eine so grosse Aufgabe nur schwerlich von dem relativ kleinen Team an Freiwilligen hätte gemeistert werden können», so Loncar.

Zeitmangel machte Jupa den Garaus

Allgemein sei zu viel Zeit für Sitzungen verwendet und die «Energie somit falsch eingesetzt worden», macht Jakob einen Schwachpunkt aus. Ein anderes Problem sei gewesen, dass sie nur wenig Kenntnisse von politischen Instrumenten und Möglichkeiten auf kommunaler Ebene gehabt hätte, so die Studentin.

Doch schlussendlich war gemäss Hafner nicht nur das fehlende Budget, sondern vor allem die nicht vorhandene Zeit Grund für die im Jahr 2013 erfolgte Stilllegung des Vereins. «In der Gründungszeit waren viele Mitglieder noch in der Schule. Danach fand eine Neuorientierung statt, die mit Beginn des Studiums, des Militärs oder dem Wegzug aus der Region einherging», bestätigt Jakob. «Die Kombination aus fehlender Zeit und fehlenden Finanzen ist tödlich für ein solches Vorhaben», beendet Luisa Hafner ihre Ausführungen.

Der Verein wurde übrigens wie bereits erwähnt nicht aufgelöst, sondern «nur» stillgelegt. Vielleicht erfolgt irgendwann ja doch noch das grosse Comeback?!