Olten

IdéeSport geht Schritte zu einer «agilen Organisation»

Die Stiftung IdéeSport organisiert verschiedene Bewegungsanlässe. (Archiv)

Die Stiftung IdéeSport organisiert verschiedene Bewegungsanlässe. (Archiv)

Die Oltner Non-Profit-Organisation IdéeSport rüstet um und löst ihre Geschäftsleitung auf. Damit möchte sie agiler werden.

Seit über 20 Jahren setzt sich IdéeSport für Kinder- und Jugendförderung ein. Im Mai 2019 entschloss sie sich für eine hierarchielose Organisationsform, was die Transformation zur Agilität einleitete. Sandro Antonello, einst Leiter Human Ressource, erklärt, durch die Schritte zur Agilität würden bei IdéeSport unter anderem Hierarchiestufen aufgehoben, wodurch er nun als Coach des Projekts mitwirkt. Durch Erfahrungen in der Privatwirtschaft war ihm das Konzept einer agilen Organisation bereits bekannt.

Ihm ist, neben dem oft gefragten «Was» und «Wie» das gemeinsame «Wieso» wichtig: «Wieso gibt es unsere Organisation? Was macht uns aus? Was ist unser höherer Sinn?» Das seien, so Antonello, Grundfragen, mit denen sich die Mitarbeiter im Transformationsprozess identifizieren und auf denen aufgebaut werden könne. Dadurch entsteht eine rollenbasierte Organisation mit kollegialer Führung. Rolleninhaber werden vom Team gewählt und übernehmen bestimmte Kompetenzen. Die bis anhin gekannte Hierarchie mit dem Geschäftsleiter als oberste Instanz fällt weg: «Die Führungsarbeit wird verteilt», schreibt Antonello.

Hierbei gebe es verschiedene kleinere Arbeitskreise aus Mitarbeitern aller Bereiche zusammengesetzt, um «strategisch wichtige Themen zu koordinieren». Während die Geschäftsleitung aufgelöst wird, rückt der Geschäftsführer in eine unterstützende Dienstleistungsfunktion und überprüft die Organisationsabläufe.

Wenig Literatur und wissenschaftliche Berichte

An Literatur oder wissenschaftlichen Berichten bezüglich Erfolg dieser Zusammenarbeitsform mangle es, so Antonello. Doch für ihn ist klar: «Es ist die Entwicklung hin zu einer Zusammenarbeitsform, bei welcher der Mensch wieder ins Zentrum rückt – nicht die finanziellen Kennzahlen.» Er erkenne bereits jetzt positive Effekte bezüglich Engagements und Motivation der Mitarbeitenden.

Natürlich hat die Medaille auch eine Kehrseite. Der Projektcoach gibt zu: «Es wäre illusorisch zu glauben, in agilen Organisationen laufe alles rund.» Konflikte gäbe es auch da, nur trügen alle die Verantwortung, diese auch wieder zu lösen. Vorübergehendes Chaos sei denkbar. Aber: «In solchen Zeiten ist es wichtig, auf ein gemeinsames Wieso zurückzublicken und an diesem festzuhalten.» Das zehnköpfige Projektteam der Transformation erarbeitet monatliche Arbeitspakete, die der ganzen Organisation präsentiert und – bei erfolgreicher Abnahme – eingeführt werden.

Mit Hilfe der neuen Struktur fand IdéeSport innerhalb weniger Wochen ein neues Produkt; die Bewegungswoche «MoveYourSummer» für Primarschulkinder, die nach wochenlangem Lockdown Abwechslung bieten konnte. Es sei auch davon auszugehen, dass die Zukunft Veränderungen in den eigenen Angeboten erfordern werde, sagt Antonello: «Die Welt dreht sich immer schneller.» Die Organisation müsse reagieren können.

Vertrauen, Transparenz und Rituale vertiefen

Die Basis einer Zusammenarbeit steht bereits. Des Weiteren sollen Themen wie Vertrauen, Transparenz oder Rituale vertieft werden. Es geht um das «gemeinsame Arbeiten und die Begegnungen im Büroalltag», führt Antonello aus: Er bedient sich sogenannter «Work-Hacks» – kleine Veränderungen, die einen grossen Unterschied machen – wie beispielsweise ein gemeinsames Frühstück einmal im Monat.
Nächstes Jahr stehen die einzelnen Arbeitsprozesse und deren Dokumentation im Zentrum. Bis Ende 2021 sei die Transformation abgeschlossen, so Antonello.

Auch andere Organisationen profitieren, nach Antonello, von den Erfahrungen der Stiftung IdéeSport. Die Mitglieder des Projektteams bieten bereits jetzt in gewissen Gremien Beratungsstunden und Begleitung an. So sollen weitere Organisationen – insbesondere aus dem Non-Profit-Sektor – zu dieser Transformation ermutigt werden.

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