Kabarett-Tage

Gunkls intellektuelle Höhenflüge: «Kein Mensch sucht ein Nachbrot»

Der österreichische Kabarettist Gunkl.

Der österreichische Kabarettist analysierte im Oltner Theaterstudio die Welt mit reiner Logik und Rationalität – Der Humor ging aber nie verloren.

«Ich war ein schwieriges Kind», sagt Günther «Gunkl» Paal. Es ist der Anfang eines Gedankenstrangs, an dem der Österreicher rund zwei Stunden lang weiterspinnen wird. Wer da im Publikum nicht mitdenkt, hat nichts zu lachen. Denn, wie er eben bemerkte: Er war ein schwieriges Kind. Und hat sein Schwierigsein offenbar unbeschadet ins Erwachsenenalter herübergerettet: Die Überlegungen, die der Preisträger des Salzburger Stiers anstellt, sind hochfliegend komplex.

Aber, was im echten Leben die Nerven aufreiben würde, ist wie so häufig exzellentes Bühnenmaterial. Gunkls Programm «So Sachen – Ein Stapel Anmerkungen» im Oltner Theaterstudio war am Mittwochabend zwar nicht ausverkauft, es handelte sich hierbei aber bereits um eine kurzfristig anberaumte Zusatzvorstellung. Er sei also ein schwieriges Kind gewesen: Wie Gunkl das meinte, konnten die Zuschauer schon wenige Sätze später erkennen. Wo andere Knirpse auf die Frage «Seid ihr alle da?» dem Kasperl ein enthusiastisches «Ja» entgegenschmetterten – war er jedes Mal verwirrt. «Was ist das für eine Frage? Das ist doch selbstevident, dass alle da sind.» Der Kasperl habe auf das Gebrülle jeweils erwidert: «Ich kann euch nicht hören!». Worauf die Kleinen noch lauter schrien. Enttäuschend für den kleinen Gunkl: «Das nächste, was ich vom Helden erfahr, ist, dass er offenbar schwerhörig ist.»

Messerscharfe Analysen

Die schnellen Lacher hatte Gunkl nicht. Aber die sind auch nicht seine Absicht. Denn was er da auf der Bühne stehend betreibt, ohne sich einmal von der Stelle zu rühren, sind wahrlich intellektuelle Höhenflüge. Vom Kasperl über Motivationsseminare, Religion und Wissenschaft zu Sex: Vom einen leitet er zum anderen über und seziert dabei messerscharf analytisch unser häufig irrationales menschliches Verhalten. Zum Thema Wiedergeburt: «Kein Mensch sucht am leeren Teller, wo das gegessene Brot nicht mehr ist, ein Nachbrot.» Und weiter: «Das Leben haben wir nicht in diesem Umfang verstanden.»

Gunkl macht gescheites Kabarett, bei ihm regiert die reine Logik. Dabei versucht er in seinem elften Soloprogramm eigentlich nur, sich selbst die Welt zu erklären, die so anders funktioniert als er selbst. Sein Wienerisch liefert dabei den Charme, der seinem rationalen Denken komplett abgeht. Auf dieses muss man sich einlassen wollen. Das kann nämlich auch anstrengend werden. Aber, wie Gunkl nach zwei Stunden tröstlicherweise erkennt: «Es is’ zum Draufkommen, wie die Welt funktioniert.»

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