Oltner Stadtkirche

Gibt es in Olten bald «s Füfi und s Weggli?»

Moderator Urs Knapp, Markus Landert, Ursula Ulrich und Hansueli Egli an der Podiumsdiskussion

Moderator Urs Knapp, Markus Landert, Ursula Ulrich und Hansueli Egli an der Podiumsdiskussion

Die christkatholische Kirchgemeinde in Olten steht mittelfristig vor einer heiklen Entscheidung. Würde die Stadt die Sanierungskosten der Stadtkirche mittragen, müsste sie wohl einige Rechte abgeben.

Die Stadtkirche Olten ist sanierungsbedürftig – so viel steht fest. Stolze 3,5 bis 7,5 Mio. soll die Renovierung kosten. Diese Kosten kann die christkatholische Kirchgemeinde Olten alleine nicht tragen – auch das steht fest. Welche Optionen bleiben ihr nun? Und wie könnte allgemein die Nutzung der städtischen Kirchenbauten in Zukunft aussehen?Um dieses Thema drehte sich am Mittwochabend die Podiumsdiskussion der 16. Stadtgespräche im Oltner Kunstmuseum, die mit einem provokativen Flyer bereits vor dem Anlass für einiges Kopfschütteln sorgte. Gut über 50 Interessierte fanden sich am Podiumsplatz ein.

Zu wenige Freiwillige

Als Einstieg zum Thema liess Peter Kaiser, Leiter Historisches Museum Olten, die Geschichte der Stadtkirche Revue passieren und betonte deren wichtigen Stellenwert in der Vergangenheit. Schon damals hatte die Kirche mehrere Funktionen inne. Neben den Gottesdiensten wurde sie nämlich als Versammlungsraum für grosse Gemeindeversammlungen, aber auch als Konzertsaal genutzt. «Wobei auch weltliche Musik gespielt wurde», betonte er. Mit dem Bau weiterer Kirchen, Musik- und Versammlungslokale geriet diese Nutzungsart vermehrt in den Hintergrund.

Heute sind weltliche Konzerte in der Stadtkirche eher eine Seltenheit. Die Stadtkirche ist zurzeit in der Tat nur für die Gottesdienste oder im Voraus geplante Anlässe geöffnet. Sonst bleibt sie geschlossen. «Die Kirchgemeinde hatte keine grosse Wahl», so Ursula Ulrich, Rätin der christkatholischen Nationalsynode. «Vandalismusakte häuften sich und wir haben zu wenige Freiwillige, welche präsent sein und die Kirche hüten könnten.»

Suppe für alle

Erfahrungen mit Vandalismus in und um das Kirchengelände hat der ehemalige Pfarrer und Pionier der offenen Kirche Bern, Hansueli Egli. Die Kirchtreppe der Heiliggeistkirche in Bern, in der Nähe der Drogenszene situiert, sei von einer Gruppe regelrecht belagert worden. «Wir überlegten uns sogar mit einem Art Bewässerungssystem die Treppe stetig nass zu machen, um ihre Attraktivität zu reduzieren», erzählt Egli. Doch diese Methode konnte er einfach nicht mit seinem Glauben vereinbaren. So wurde die Szene auf eine Suppe in die Kirche eingeladen. Und siehe da: In der Kirche verhielten sich die Leute ganz anders und seither funktioniere das Miteinander ohne Probleme. Bei der Heiliggeistkirche seien aber auch immer zwei Freiwillige anwesend.

Stiftung unterstützt Kirche

Wie eine Öffnung der Kirche auch aussehen kann, erklärte Markus Landert, Direktor Kunstmuseum Thurgau. Als die teure Sanierung der Kartause Ittingen (Anm. d. Red.: Kartause ist ein aus Einzelhäusern bestehendes Kloster) anfiel, wurde die Stiftung «Erhalten und Beleben» ins Leben gerufen, welche sich mit der Kirchgemeinde auf eine Mehrfachnutzung einigte. Bedingung dabei war eine gemeinsame Wertebasis.

So finden heute Seminare, Kunstaustellungen, Konzerte und sogar Partys in den Klosterräumen statt. Bei einzelnen Ideen-Umsetzungen gebe es dabei immer wieder Diskussionen. «Das ist aber normal», meint Landert über das Projekt, welches bereits 30 Jahren besteht. Bei der Planung werde aber immer wieder der kirchliche Kontext berücksichtigt. Im Fall von Olten sei es jetzt aber «notwendig, weit und zukunftsgerichtet zu denken».

Alles gut und recht, Bedenken äusserte das Publikum aber trotzdem: «Jeder Anlass sollte einen Bezug zur christlichen Botschaft haben. Eine Disco in der Kirche oder ein Hallenbad sehe ich da einfach nicht.» Das Schmunzeln, das durch die Menge ging, drückte die Zustimmung der meisten aus.

Die Stadt als Rettungsanker?

«In der Stadtkirche gab es bereits Kunstaustellungen», meinte Ursula Ulrich und erwähnte dabei auch das Projekt «Offene Kirche Region Olten», welches sich um ein vielfältiges Programm bemüht, das allen offen steht. «Es müssen mehr Projekte vorhanden sein», hiess es aus dem Publikum, «denn nur so ist eine graduelle Änderung beziehungsweise Öffnung möglich.»

Jetzt steht aber die Sanierung vor der Tür. «Die Stadt soll die Kirche übernehmen und den Christkatholiken zur Verfügung stellen», erklang es aus dem Publikum. Die Kirche gehöre schliesslich zum Stadtbild. Damit müsste die Kirchgemeinde aber auch an Entscheidungsrechten abgeben. Daniel Schneider, Präsident Stadtgespräche, plädierte gleich für «s Füfi und s Weggli»: Die Stadt solle der Kirche unter die Armen greifen, sich jedoch bei der Organisation nicht einmischen. Der anwesende Stadtrat Thomas Marbet nahm den Vorschlag zur Kenntnis, wollte sich aber nicht gross dazu äussern. Er sei gespannt auf Vorstösse.

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