St. Peter at Sunset

Gianna Nannini-Konzertgänger wollten alte Songs hören

Am Konzert der Italo-Rockröhre Gianna Nannini in Kestenholz kamen alte Songs besser an als die neuen. Die Sängerin reagierte darauf und machte das Konzert zu einer «notte magica».

Sie ist sich wohl eher anderes gewohnt. Als die italienische Rockröhre Gianna Nannini am Sonntagabend ohne Vorband die Bühne in Kestenholz stürmte, war das Publikum noch nicht bereit mitzusingen. Die heissen Temperaturen an sich hatten offenbar nicht gereicht, um das mehrheitlich sitzende Publikum aufzuheizen. Umso mehr musste deshalb die 59-jährige Sängerin auf der Bühne schwitzen. Hüpfend und tanzend und voll in ihrer Musik versunken präsentierte sie vor allem Songs aus ihrem aktuellen Album «Hitalia». Damit schien sie die durchschnittlich 45-jährigen Besucher aber zu überraschen.

Kaum jemand kannte den Text der neuen Lieder wie «Lontano dagli occhi», «Io che amo solo te» oder «L’immensità». Von den Sitzen konnte Nannini die Gäste aber trotzdem reissen. Vor allem mit den rockigeren Songs wie «Dedicato» oder «Dio è morto». Dem Publikum reichte ihre rauchige Charakterstimme und die Bandmusik, um die Hände hochzuwerfen und im Takt mitzuklatschen.

«Dove siamo qui? A Gestenolz?»

Im regelmässigen Abstand verschwand die Sängerin hinter die Bühne und kam mit einem anderen Oberteil zurück. Dazu kamen kurze Trinkpausen zwischen den Liedern, die bei der anhaltenden Hitze auch für die fitte Sängerin ein Muss waren. In der Zwischenzeit setzten sich die meisten Gäste immer wieder. Quasi als kurze Erholung. Denn lange blieben die meisten nicht sitzen. Spätestens als Gianna Nannini den nächsten Refrain sang, waren die Arme wieder aufgestreckt.

«Dove siamo qui? A Gestenolz?», fragte die Sängerin in die Menge und versprühte ihren italienischen Charme. Langsam schien sich das Publikum mit der Sängerin zu finden. Spätestens als Nannini das Lied «Ragazzo dell’Europa» (1982) und «Fotoromanza» (1984) sang, wurden die Zuschauer zu jungen Rockern. Dann ging es für einige erst richtig los.

«I maschi» traf den Nerv

Mit «I maschi», «Voglio il tuo profumo», «Latin Lover» traf die Sängerin endlich voll auf den Nerv des Publikums. Auswendig konnten trotzdem nur wenige mitsingen. Nannini, die nach den Reaktionen der Zuschauer noch mehr Spass an ihrem Auftritt hatte, streckte das Mikro ab und zu in die Menge. Was zurück kam, war aber höchstens so etwas wie ein Gemurmel. Am deutlichsten hörte man ein kleines Grüppchen von eingefleischten Fans an vorderster Front. Nicht nur beim Refrain, sondern auch zwischen den Liedern. «Gianna, Gianna, Gianna» wurde die Sängerin weiter angespornt, die selber immer wieder auch ihre Band feierte.

«Ciao a tutti» verabschiedete sich Gianna Nannini nach über einer Stunde Show. Zu früh für das Publikum, das nun nicht mehr genug von der Sängerin bekommen konnte. Hartnäckig blieben die Zuschauer klatschend vor der Bühne stehen. Bis Nannini wieder das Mikro anstecken liess. Mit «Bello impossibile» belohnte sie das Publikum, das auf einmal so laut wie noch nie an diesem Abend mitsang. Das Konzert schien erst gerade begonnen zu haben.

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