Schule Hägendorf

Gemeindepräsident hält Bericht zurück – Wird die Schulevaluation «frisiert»?

© BRUNO KISSLING

Der Gemeindepräsident will sich seine Schule nicht schlecht machen lassen. Deshalb hat er den Bericht des Volksschulamts zurückgewiesen. Bis heute weiss die Öffentlichkeit nicht, was bei der Schulbewertung herausgekommen ist.

Periodisch wird überprüft, wie der Schulbetrieb in den Solothurner Gemeinden funktioniert. Das fördert mitunter eklatante Qualitätsmängel zutage. In Oberbuchsiten zum Beispiel standen letztes Jahr in der sogenannten Ampelevaluation die Signale in zwei Bereichen auf rot: dringender Handlungsbedarf.

«Wenn man Fakten schwarz auf weiss vor sich hat, kann man handeln, und das werden wir jetzt tun», erklärte damals die Ressortverantwortliche im Gemeinderat. Und es wurde gehandelt: Ein erfahrener Coach zur Unterstützung der Schulleitung zusammen mit der kommunalen Aufsichtsbehörde und der kantonalen Schulaufsicht eingesetzt, die Schulleitung zur Neubesetzung ausgeschrieben. Man dürfe feststellen, «dass ein Aufatmen durchs Dorf gegangen ist», erklärte Gemeinderätin Sarah Koch.

Anders läuft es in Hägendorf. Hier rückten die Experten der pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz letzten März zur externen Schulevaluation an. Ihr Bericht wird bis heute unter Verschluss gehalten.

Er (nicht etwa der Gesamt-Gemeinderat) habe den Bericht «zurückgewiesen», erklärte Gemeindepräsident Albert Studer letzten September auf eine Frage aus der Gemeindeversammlung, was denn nun bei der Schulevaluation herausgekommen sei.

Machtwort fand Gehör

Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil die externen Schulevaluationen im Auftrag des Bildungsdepartements erfolgen und der Kanton auch die vollen Kosten dafür trägt. Die Gemeinden haben wohl die Hoheit über die Kommunikation der Ergebnisse, die Fachberichte sind aber nicht von den Gemeinden abzusegnen und dementsprechend ist auch keine allfällige Rückweisung zur Überarbeitung vorgesehen.

Umso bemerkenswerter ist, dass sich der Hägendörfer Gemeindepräsident, dieses Jahr als Kantonsratspräsident auch der protokollarisch «höchste» Solothurner, offenbar dennoch durchsetzte. Er sei mit verschiedenen Punkten im Evaluationsbericht nicht einverstanden gewesen, nun habe man aber eine Lösung gefunden, erklärt Albert Studer.

Er sei jetzt mit den Vorschlägen des Kantons einverstanden, nächsten Dienstag soll diese Lösung an einer weiteren Sitzung mit den Verantwortlichen des Volksschulamts bereinigt werden. Und dann sollen endlich auch bald die Eltern der über 400 Hägendörfer Primarschüler erfahren, wie es um die Qualität des Schulbetriebs in ihrer Gemeinde bestellt ist.

Aber auch wenn Gemeindepräsident Studer eine offene Kommunikation der Ergebnisse verspricht, scheint nun klar: Was auch immer man der Öffentlichkeit präsentieren wird, es wird kaum wirklich dem entsprechen, was die Experten der pädagogischen Hochschule seinerzeit zum Schulbetrieb in Hägendorf festgehalten haben. Es habe in deren Bericht tatsächlich «zwei, drei Punkte, wo man sagen muss, das kann man auch anders sehen», sagt Yolanda Klaus, stellvertretende Vorsteherin des Volksschulamts.

Man will nicht rot sehen

Da nach wie vor der Mantel des Schweigens darüber ausgebreitet wird, lässt sich über die Original-Fassung und das Ausmass der nun offenbar erfolgreich erwirkten Überarbeitungen des Evaluationsberichts zwar nur spekulieren. Dass wirklich schwerwiegende Mängel bei den sogenannten Ampelkriterien festgestellt wurden, ist allein aufgrund der hartnäckigen Opposition des Hägendörfer Gemeindepräsidenten dennoch offensichtlich:

Steht eine Ampel auf rot, verliert nämlich die Gemeinde die Fäden aus der Hand. Die kantonale Schulaufsicht übernimmt dann den Lead und begleitet und kontrolliert die zu treffenden Verbesserungsmassnahmen.

Bei einer gelben Ampel herrscht zwar auch zwingender Handlungsbedarf, hier attestieren die Experten den zuständigen Stellen der Gemeinde aber, diesen selber erkannt zu haben und trauen ihnen auch zu, die Probleme selbständig zu lösen.

Andeutungen aus dem Volksschulamt lassen nun vermuten, dass man im Fall von Hägendorf bereit ist, sich quasi farbenblind zu stellen und so zu tun, als stünden eine oder sogar mehrere vom Evaluationsteam bereits auf rot geschaltete Ampeln erst auf gelb.

«Es geht in diese Richtung», sagt Gemeindepräsident Albert Studer, der zum Beispiel moniert, die inzwischen erfolgte Aufstockung der Schulleitung sei im Evaluationsbericht nicht berücksichtigt worden. Damit ist auch angedeutet, wo die Probleme liegen dürften: weniger beim Unterricht, mehr bei der operativen (Schulleitung) und strategischen (Gemeinderat) Schulführung.

So braucht die neu für das Ressort Bildung verantwortliche Gemeinderätin Andrea Aerni etwa den Begriff «Ellbögle», wenn sie davon spricht, wie sie sich den Einfluss in ihrem Zuständigkeitsbereich zu erarbeiten versucht.

Und schon gegenüber ihrem Vorgänger hatten Lehrkräfte von einem gestörten Vertrauensverhältnis zur Schulleitung gesprochen und sogar das (von den Betroffenen allerdings in aller Form dementierte) Gerücht verbreitet, man lasse sie bespitzeln.

Meistgesehen

Artboard 1