Fulenbach
Präsident der Wohnbaugenossenschaft Fulenbach: «Nein, ich würde nichts anders machen»

Heinz Bader übergibt das Präsidium nach fast 24-jähriger Amtszeit an Rainer Nussbaumer.

Urs Huber
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Stabübergabe von Heinz Bader (rechts) an Rainer Nussbaumer. Auf dem Bild der neuste Bau der Wohnbaugenossenschaft an der Stampfistrasse.

Stabübergabe von Heinz Bader (rechts) an Rainer Nussbaumer. Auf dem Bild der neuste Bau der Wohnbaugenossenschaft an der Stampfistrasse.

Bruno Kissling

Beide sind sie ein gutes Vierteljahrhundert bei der Wohnbaugenossenschaft Holzbeerli in Fulenbach dabei: Heinz Bader und Rainer Nussbaumer. Genossenschafter der ersten Stunde, wie man so schön sagt. Was sie dabei trennt? 12 Lebensjahre. Ende August hat Bader als 70-Jähriger den Führungsstab nach 24-jähriger Amtszeit an den jüngeren Nussbaumer weitergegeben.

«Nein, ich würde nichts anders machen», sagt der scheidende Präsident in der Rückblende. Das möge etwas überheblich klingen, schiebt er nach. Aber: «Wir von der Genossenschaft hatten gar keine andere Wahl als eine Politik der kleinen Schritte zu verfolgen.» Die vorhandenen Geldmittel hätten eine forschere Strategie gar nicht zugelassen. «Unsere Maxime war immer, mit möglichst wenig Fremdkapital auszukommen.»

Start mit 90'000 Franken Genossenschaftskapital

Will heissen: zaghafter Beginn. Obwohl: 1995 startete die Körperschaft mit knapp 90'000 Franken «für einen sozialen Wohnungsbau im Dorf», wie Bader das grundsätzliche Anliegen der Genossenschaft beschreibt. Das Geld kam von gut 70 Genossenschafterinnen und Genossenschaftern, die Anteilscheine zeichneten. 1000 Franken waren dafür notwendig. «Ich fand den Start eigentlich ganz beachtlich, die Höhe des Startkapitals hat mich positiv überrascht», so der scheidende Präsident.

Auch Nussbaumer zeichnete. «Wenn ich mich richtig entsinne, war’s aus meiner Sicht tatsächlich eine Investition im Hinblick auf die innerfamiliäre Entwicklung», meint er.

25 Jahre später sind die Kennzahlen der Genossenschaft bemerkenswert. «Derzeit liegt das Genossenschaftskapital bei 1,277 Millionen Franken», so Nussbaumer. Die Zahl der Genossenschafter hat sich verdoppelt. Zu diesem Wachstum beigetragen hat sicher auch die Praxis der Genossenschaft, dass an deren Bauvorhaben beteiligte Handwerker auch Anteilscheine zu zeichnen hatten. Das sei mittlerweile auch eine gute Anlagestrategie, gibt Bader zu verstehen.

«Wir verzinsen das jeweilige Anteilskapital mit 2 Prozent»,

sagt der scheidenden Präsident, Aktuell bietet die Genossenschaft Holzbeerli 25 zinsgünstige Wohnungen an, nachdem 1997 die ersten fünf bereits bestehenden Wohnungen an der Inneren Weid gekauft werden konnten. Alle Wohnungen sind belegt. Nicht selbstverständlich in einer Region, die eher von einem hohen Leerwohnungsbestand geprägt ist.

«Zweck der Wohnbaugenossenschaft Holzbeerli ist die Bereitstellung von zinsgünstigen Wohnungen, insbesondere auch für ältere Bewohnerinnen und Bewohner von Fulenbach», verrät der Gründungsleitfaden, die sich bis auf den heutigen Tag nicht verändert hat. Auch wenn die Wohnungen logischerweise nicht ausschliesslich von Seniorinnen und Senioren belegt sind. Denn natürlich habe sich auf dem Wohnungsmarkt in den letzten 25 Jahren vieles verändert. Das Verlangen nach Wohnqualität sei gestiegen, gibt Bader zu verstehen.

Kaufwünsche werden inzwischen laut

Mittlerweile lasse sich gelegentlich der Wunsch vernehmen, dass Mieter die Wohnungen auch kaufen wollten. Man habe sich das genossenschaftsintern auch überlegt. Aber die Nachteile von Stockwerkeigentum, das Zusammenwirken von Besitzern, Mietern und Genossenschaft quasi unter einem Dach kann durchaus belastet und belastend sein, hätten überwogen. «Deshalb sehen wir davon ab», sagen Bader und Nussbaumer unisono, die auch betätigen, bislang von Schwierigkeiten mit der Mieterschaft verschont geblieben zu sein.

Und eine weitere neuzeitliche Erscheinung: Heute bleiben Seniorinnen und Senioren länger in ihren eigenen vier Wänden wohnen. «Das ist für viele die weitaus günstigere Wohnvariante», sagt Nussbaumer. Tiefe Hypothekarzinsen oder abbezahlte Häuser: Dagegen kann die Wohnbaugenossenschaft trotz günstiger Mietzinsen nur schwer ankommen.

Nicht Ausbau im Fokus, sondern Unterhalt

Mittlerweile ist die Genossenschaft, die aus Coronagründen ihren 25. Geburtstag letztes Jahr nicht termingerecht feiern konnte, vorläufig am Ziel angekommen. «Unser Hauptaugenmerk für die kommenden Jahre liegt im optimalen Unterhalt unserer Liegenschaften, der Schaffung einer zeitgemässen energetischen Infrastruktur», sagt Nussbaumer.

Die neuste Liegenschaft an der Stampfistrasse etwa wird demnächst aus eigenen Mitteln mit einer Fotovoltaikanlage ausgerüstet; die Zeichen der Zeit sind erkannt. Dennoch sei ein Blick in die Zukunft erlaubt: Die Wohnbaugenossenschaft Holzbeerli ist auch im Besitz von Bauland und einer Altliegenschaft. Nutzbares Potenzial liegt also durchaus in Griffweite.

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