Fulenbach
Kiesabbau: Auf dem Weg zur Untergäuer Normalität

Der geplante Kiesabbau im Hard-Usserban weckt auch in Fulenbach nicht mehr grosse Emotionen.

Jürg Salvisberg
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Das Waldhaus Fulenbach findet sich nicht im Abbauperimeter, der wenige Dutzend Meter weiter östlich beginnt.

Das Waldhaus Fulenbach findet sich nicht im Abbauperimeter, der wenige Dutzend Meter weiter östlich beginnt.

Bruno Kissling / OLT

Je rund 20 oft gewichtige Dateien umfasst das Mitwirkungsdossier zur geplanten Kiesgrube Hard-Usserban in den Gemeinden Härkingen, Fulenbach und Gunzgen. Während der kantonalen Richtplananpassung mit der Abstimmung zum dazugehörenden Kiesbauvertrag weckte das Vorhaben im Aaregäu am meisten Widerstand. «Wir waren als fast einzige Gemeinde im Untergäu in den letzten Jahrzehnten ohne Kiesabbau geblieben. Deshalb war die emotionale Betroffenheit hier gross», blickt Fulenbachs Gemeindepräsident Thomas Blum zurück. In der Urnenabstimmung behielten die Befürworter vor zwei Jahren mit 55 Prozent Ja die Oberhand und seither scheinen sich die Gemüter stark beruhigt zu haben.

Nachdem entsprechende Mitwirkungsveranstaltungen in Härkingen und Gunzgen ohne Publikum geblieben waren, wurde auch die Fragestunde in Fulenbach zum Insidertreffen von Bauinteressierten. Wer nun denkt, die Fulenbacher Bevölkerung würde stattdessen im stillen Kämmerlein fleissig die Dokumente auf der Gemeinde-Website studieren, könnte auch falsch liegen. Bisher blieben Eingaben im bis zum 7. Juni dauernden Mitwirkungsverfahren nämlich aus.

«Konstruktive Zusammenarbeit»

Dies fehlendem Engagement zuzuschreiben könnte allerdings zu kurz greifen. Denn auf dem Weg zum nun vorliegenden überkommunalen Erschliessungs- und Gestaltungsplan «Kiesgrube Hard-Usserban» konnte die Kieskommission der drei Gemeinden manch kritischen Punkt entschärfen und so etwa Rücksicht auf das Fulenbacher Waldhaus nehmen.

Blum lobte die sehr konstruktive Zusammenarbeit, mit der es gelungen sei, einen Beitrag zur kantonalen Sicherstellung der Versorgung von Kies sowie Entsorgung von sauberem Aushub zu leisten. Kurze Transportwege sollen ermöglichen, die Region über die zum Baustoffzentrum Olten/Zofingen (BOZ) gehörenden Kieswerke in Gunzgen und Boningen im Radius von 15 bis 20 Kilometern mit Rohstoffen zu beliefern.

Zehn Prozent der offenen Fläche als ökologische Ausgleichsreserve

Das von 2030 bis 2055 bewirtschaftete Abbaugebiet erstreckt sich am Westrand entlang der gesamten heutigen Grube in Gunzgen und Boningen. Von den 55,5 Hektaren sind 88 Prozent bewaldet und 12 Prozent Landwirtschaftsland. In fünf Abbauetappen zu je fünf Jahren werden rund 5 Mio. Kubikmeter Kies ausgebeutet. Durch den dem Abbau unmittelbar folgenden Auffüllprozess, der vier leichte Geländeerhebungen vorsieht, sind jeweils maximal 8 Hektaren gleichzeitig offen. 10 Prozent der offenen Fläche sind stets als ökologische Ausgleichsfläche reserviert.

Die Kiesgrube wandert also quasi durch die Landschaft. Nach Härkingen wird Fulenbach in der dritten Etappe ab dem Jahr 2038 betroffen sein. Das Abbaugebiet wird durch einen Erschliessungskorridor mit einem Förderband für Sand und Kies durchs Gebiet Forenban ans Werkareal in Gunzgen angeschlossen.

Keine direkte Sicht aufs Abbaugebiet

Fulenbach hat keine direkte Sicht aufs Abbaugebiet und soll auch nicht unter Mehrverkehr leiden. Im Areal der Kiesgrube kommt’s zum Unterbruch des Bachs im Hardgraben, der daraufhin eine ökologische Aufwertung erfährt und je nach Abbaufortgang auch zu temporären Änderungen am Wegnetz. Auch eine Chance für den Wald Fulenbach darf hoffen, dass der Kiesabbau innert effektiv acht Jahren 11,5 Mio. Franken in die Gemeindekasse spült, davon entfallen 2 Mio. Franken auf die Wiederaufforstung.

Die Mehreinnahmen erfordern aber auch einen Tribut. Der Einschnitt in den Gemeindewald sei schmerzhaft, gab Thomas Blum zu. «Langfristig bedeutet er aber auch eine Chance, den alten Industrieholz-Wald neuen Bedürfnissen anzupassen.» Mit der Ausrichtung auf einen Mischwald anstelle der durch Trockenheit gefährdeten Fichten kann die Forstwirtschaft Ansprüchen des Klimaschutzes besser gerecht werden.

2022 können die Zeichen für den Kiesabbau auf Grün stehen

Nach Abschluss des öffentliche Mitwirkungsverfahrens werden die eventuell noch eintreffenden Eingaben gesichtet. Haben alle drei Gemeinderäte den entsprechenden Beschluss gefällt, sollte nach den Sommerferien die öffentlichen Planauflage folgen. Wenn nicht Einspracheverfahren zu Verzögerungen führen, wird das Dossier wohl im nächsten Jahr so weit genehmigt, dass die Zeichen für den Kiesabbau auf Grün stehen.

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