«Aareschwumm»

«Für mich ist es ein bisschen eine Sucht geworden» – Der sonntägliche Sprung ins kalte Aare-Wasser

Eine Gruppe aus Trimbach und Umgebung trifft sich im Winter jeden Sonntag zum «Aareschwumm».

Unter lauten «Wuhu»-Rufen steigt die rund fünfzehnköpfige Gruppe, bekleidet in Bikinis und Badehosen, einige Dutzend Meter oberhalb vom Aarebistro ins Wasser. Rasch sind nur noch die Köpfe und Mützen zu sehen, die sich an diesem Sonntagnachmittag durch das sieben Grad kalte Wasser flussabwärts bewegen. Manche sind mit speziellen Schuhen und Handschuhen ausgerüstet, ein Neopren-Anzug trägt niemand. Einige Passanten bleiben belustigt stehen und beobachten die Gruppe. Nach wenigen Minuten klettern die meisten bereits mit breitem Grinsen im Gesicht wieder beim Aarebistro aus der Aare, wickeln sich in warme Tücher und stehen in ein Fussbad mit warmem Wasser. «Gar nicht so kalt», findet eine Schwimmerin lachend.

Die informelle Gruppe aus rund 20 Aareschwimmern organisiert sich in einem Nachrichtenchat, in dem jeweils die Daten und Zeiten abgesprochen werden. Was feststeht: Jeden Sonntag abseits der Badi-Saison sind einige der Schwimmer auf jeden Fall anzutreffen, ob bei Regen, Schnee oder Minustemperaturen. «Das einzige Kriterium ist, dass das Wasser klar ist», erklärt der Trimbacher Kari Müller. Entstanden ist die Idee am St.-Niklaus-Schwumm im Jahr 2018, als etwa acht der dort Anwesenden auf die Idee kamen, am folgenden Sonntag gleich noch mal in die Aare zu gehen. «Wir haben einfach nicht mehr aufgehört und sind jede Woche schwimmen gegangen», erzählen einige der Schwimmerinnen im Anschluss an die kurze Badeaktion. «Für mich ist es ein bisschen eine Sucht geworden», lacht die Trimbacherin Silvia Aspinall, die seit Beginn dabei ist. «Mittlerweile plane ich rundherum, am Sonntag zum Wandern oder in die Berge gehe ich nicht mehr.» Für die Oltnerin Sylvie Waldispühl ist es ein gutes Gefühl, sich jedes Mal zu überwinden. «Wir haben eine tolle Gruppe», sagt sie. Das kalte Wasser belebt. «Es ist ein richtiger Flash», sagt auch Marie-Louise Baumann. «Im ersten Moment ist es nicht kalt, wenn man wieder draussen ist, aber man muss sich rasch anziehen.»

Tatsächlich: Fünfzehn Minuten, nachdem sich die Gruppe beim Aarebistro umgezogen hat und flussaufwärts gelaufen ist, sind die meisten wieder angezogen. Die Mitarbeiterin des Aarebistros bringt warmen Glühwein, anschliessend gehen die Aareschwimmer Fondue essen. «Manchmal verbringen wir nachher noch ein bisschen Zeit miteinander, wie heute beim Fondue, oder grillieren», erklärt Kari Müller. «Oft bringt irgendjemand noch Bouillon oder Tee mit», fügt seine Frau Vreni Müller an. Die meisten Schwimmer sehen sich nur zum gemeinsamen Schwimmen, es gibt aber auch Überschneidungen mit anderen Bekanntenkreisen. Im Sommer sind sie regelmässig in der Badi anzutreffen. «Dann findet man immer irgendjemand von der Gruppe, der Lust hat, kurz in die Aare zu springen», erzählt Baumann. Meist schwimmen sie dann längere Distanzen, etwa von Aarburg nach Olten. Das jüngste Mitglied der Gruppe ist 21, das älteste Mitglied 75 Jahre alt.

«Du spinnst doch», ist ein Satz, den manche der Schwimmer schon einmal von Bekannten gehört haben. In der Gruppe passe man aber gut aufeinander auf: «Ich zähle immer vorher und nachher, wie viele Leute da sind», sagt Baumann. Dennoch ist Eigenverantwortung wichtig. «Jetzt ist wohl ein schlechter Moment, um einzusteigen, wenn man nicht drangeblieben ist», findet Baumann. Die Gruppe ist aber jederzeit offen für neue Mitglieder. «Bisher ist noch niemand spontan dazu gestossen und gleich ins Wasser gesprungen», sagt Kurt Schibler und fügt lachend an: «Das wäre noch eine Steigerung.»

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