Olten

«Frauen, ins Zwielicht geworfen» war 2016 das Vereinsereignis

«Women thrown into twilight», Martin Disler, 1984. Acryl auf Leinwand, 170×235 cm.

«Women thrown into twilight», Martin Disler, 1984. Acryl auf Leinwand, 170×235 cm.

Der Verein «Freunde Kunstmuseum Olten» präsentierte ein 2016 angekauftes Werk von Martin Disler.

«Wild und ekstatisch» nannte Kuratorin Katja Herlach den Neuzugang zur Sammlung. An der Generalversammlung des Vereins «Freunde Kunstmuseum Olten» stellte sie den Ankauf des Werks «Women thrown into twilight» von Martin Disler als Vereinsereignis des Jahres 2016 vor.

Wer nun einen Blick auf das grossformatige, im Kunstmuseum für den Anlass aufgebaute Acrylgemälde warf, konnte sich der schieren Energie des Bildes nicht entziehen. «Uneindeutig, aber wahnsinnig intensiv» seien diese «Frauen, ins Zwielicht geworfen», wie Herlach den Titel ins Deutsche übertrug.

Der Verein hatte das Gemälde erworben, da das Kunstmuseum bisher schlecht bestückt gewesen sei mit Werken von Disler. Der Solothurner Künstler, der 1949 in Seewen geboren wurde und 1996 im Alter von 47 Jahren in Genf starb, verbrachte einen Grossteil der 1970er-Jahre in der Region Olten und prägte die hiesige Kunstszene massgeblich. Da es ihm hier jedoch zu eng wurde, zog er weiter nach Zürich, wo ihm 1978 der Durchbruch gelang. Weitere Stationen seines Kunstschaffens waren Paris, New York und Lugano.

Spürbarer Körpereinsatz

Disler war schon zu Lebzeiten äusserst erfolgreich und erhielt viele Preise. So stellte er etwa an der Documenta 7 im Jahr 1982 in Kassel aus und wurde 1988 mit dem Solothurner Kunstpreis ausgezeichnet. Dies, obschon er als Enfant terrible der Kunstszene galt. Das angekaufte Bild sei typisch für sein Schaffen, so Herlach. Er habe hier direkt mit den Händen auf der Leinwand interagiert; der Körpereinsatz auf seinen Bildern sei förmlich spürbar.

Dorothee Messmer, Direktorin des Kunstmuseums, fand anschliessend einige Worte zu einem weiteren Neuzugang: dem «Stillleben mit Äpfeln» des Westschweizer Malers Aimé Barraud, das dem Kunstmuseum vergangenes Jahr geschenkt wurde. Barraud wurde 1902 in La Chaux-de-Fonds geboren und starb 1954 in Neuchâtel. Das Gemälde sei ein Pendant zum «Stillleben mit Erdbeeren» desselben Künstlers, welches das Kunstmuseum 2015 erwarb.

«Der Donator war der Auffassung, dass sich das erste Bild ohne Partner einsam fühlen müsse», meinte Messmer lachend. Barraud, welcher der Neuen Sachlichkeit zugeordnet wird, habe vor allem die Vergänglichkeit ins Zentrum seiner Bilder gestellt. So befänden sich die Äpfel auf demBild in Verwesung, farblich sei die Szene von einem leichten Grauton umhüllt. «Seine Bilder sind nie so schön, wie sie auf den ersten Blick scheinen», resümierte Messmer.

Vereinspräsident verabschiedet

Schliesslich wurde Andreas Burckhardt mit einem Kunstwerk aus Schokolade aus der Solothurner Suteria als Präsident des Vereins verabschiedet. Burckhardt, der vor fünf Jahren das Präsidium übernommen hatte, habe den Verein «mit riesigem Engagement und grosser Sachkenntnis durch die turbulenten letzten Jahre geführt», wie Katja Herlach festhielt. Burckhardt selbst sprach von Amtsmüdigkeit, wolle dem Verein aber ein weiteres Jahr als Vorstandsmitglied treu bleiben. Neuer Präsident wird Ueli Soltermann aus Dulliken.

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