Wohl haben die zuständigen kantonalen Departemente in Aarau und in Solothurn sich damit einverstanden erklärt, die Aarebrücke im Brandfall auch künftig befahren zu lassen.

Die Fahrzeuge müssen die Brücke jedoch einzeln und im Schritttempo passieren. Für Übungen sind entweder die Boningerbrücke in Aarburg oder die Schlossbrücke in Aarwangen zu benützen. Die Feuerwehren Murgenthal rechts der Aare und Fulenbach, Wolfwil und Wynau links der Aare sind selbstständige Organisationen, arbeiten aber unter der Bezeichnung Aare-Murg eng zusammen und bilden vorab bei Grossereignissen eine schlagkräftige Einsatztruppe.

Einsprache erhoben

Der Gemeinderat Murgenthal hatte gegen die publizierte Verkehrsbeschränkung Höchstgewicht 3,5 t vorsorglich Einsprache erhoben und gleichzeitig das Gesuch um eine Ausnahmebewilligung zugunsten der Feuerwehren, welche in der Organisation Aare-Murg mitmachen, gestellt: 16 Fahrten pro Jahr mit Fahrzeugen zwischen 3,5 und 10,5 t Gesamtgewicht und 4 Fahrten pro Jahr mit Fahrzeugen zwischen 10,5 und 14 t Gesamtgewicht sowie Ernstfalleinsätze mit diesen Fahrzeugen.

Am 11. März 2015 teilte das Amt für Verkehr und Tiefbau des Kantons Solothurn mit, dass gemäss erfolgten Abklärungen für Fahrzeuge der Feuerwehren folgende Ausnahmebewilligung erteilt werden könne: Fahrzeuge der Feuerwehr mit einem Gesamtgewicht von über 3,5 bis 14 t dürfen die Aarebrücke ausschliesslich im Notfall/Bandfall einzeln im Schritttempo passieren. Eigentümerin der Brücke ist der Kanton Solothurn, weshalb der Kanton Aargau postwendend darauf hinwies, dass er bei einem allfälligen Brückeneinsturz jegliche Haftpflicht ablehne.

Weiterführung gewährleistet

Der Gemeinderat Murgenthal erklärte sich mit dieser sehr einschränkenden Regelung ohne Begeisterung einverstanden, obwohl die am Verbund beteiligten Feuerwehren gewünscht hatten, die Brücke auch bei gemeinsamen Übungen befahren zu dürfen. Nun würden Übungsfahrten stets mit einem Umweg verbunden sein, «was aber verkraftbar sein dürfte», meint die Behörde.

Zudem dürfe davon ausgegangen werden, dass die Brücke auch bei Alarmübungen befahren werden dürfe, da der Fahrer ja nicht wissen könne, ob es sich um einen Ernstfall handle oder nicht. Die Einhaltung der Auflage, dass die Fahrzeuge nur einzeln und im Schritttempo über die Brücke fahren dürfen, könne über die Schulung der Fahrzeugführer gewährleistet werden.

Mit der in Aussicht gestellten Ausnahmebewilligung sei die Weiterführung des Feuerwehrverbundes Aare-Murg weiterhin gewährleistet, gibt der Gemeinderat zu bedenken.

«Ziemlich eingeschränkt»

Für Christoph Odermatt, Kommandant Feuerwehr Murgenthal ist klar, «dass wir nun ziemlich eingeschränkt sind. Die bescheidene Anzahl Übungsfahrten werden uns nicht gewährt, das heisst, wenn wir zusammen üben wollen, müssen wir den Umweg über Aarburg oder Aarwangen gleichwohl unter die Räder nehmen». 

Dies werde dann jeweils mit der Hoffnung verbunden sein, dass die Feuerwehr Murgenthal auf dem Hin- oder dem Rückweg zu einer dieser vier Übungen pro Jahr nicht auch noch alarmiert wird. «In einem solchen sicherlich seltenen Fall wird es dann halt einfach so sein, dass wir ein Tanklöschfahrzeug erst nach etwa 20 Minuten auf dem Schadenplatz haben werden. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, weshalb uns die bescheidene Anzahl Übungsfahrten nicht gewährt werden.»

Noch lange nicht vom Tisch

Trotz dem Rückzug der Einsprache des Gemeinderates Murgenthal ist die Frage, ob künftig auf der Aarebrücke ein Höchstgewicht von 3,5 t gelten soll oder nicht, noch lange nicht vom Tisch. So hat der aargauische Grossrat und Landwirt Christian Glur eine namens seiner Berufskollegen deponierte Einsprache dagegen nicht zurückgezogen. «Und ich werde es auch nicht tun, nötigenfalls gehe bis nach ‹Lausanne›», erklärt er, nachdem ihm das Aargauer Departement Bau, Verkehr und Umwelt einen Rückzug empfohlen hatte.

Die technisch maximal mögliche Tragfähigkeit der Brücke beträgt laut einem Gutachten aus dem Jahr 2014 16 t. Dies soll jedoch momentan aus verkehrspolitischen Gründen nicht ausgenützt werden, «da in Kürze auf Antrag der Gemeinde Fulenbach eine Beschränkung des Gesamtgewichts auf 3,5 t pro Fahrzeug in Kraft gesetzt werden wird», sagt Glur.

Bis zu 9000 Fahrzeuge pro Tag

Aktuell zirkulieren pro Tag rund 9000 Fahrzeuge die richtungsgetrennte einspurige Brücke und es gelten folgende Beschränkungen: Verbot für Lastwagen und Gesellschaftswagen sowie ein Achsendruck von 3,5 t.