Veranstaltung Olten

Fast die Hälfte der Fehler bei Spitalbehandlungen wäre vermeidbar

Dieter Conen, Präsident der Stiftung Patientensicherheit Schweiz, Bea Heim, SP-Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin, sowie Markus Zuber, Chefarzt Chirurgie am Kantonsspital Olten (KSO).

Dieter Conen, Präsident der Stiftung Patientensicherheit Schweiz, Bea Heim, SP-Nationalrätin und Gesundheitspolitikerin, sowie Markus Zuber, Chefarzt Chirurgie am Kantonsspital Olten (KSO).

Jeder medizinische Eingriff ist immer auch ein Risiko. Fehler können auch bei einer ärztlichen Behandlung passieren. Doch wie können solche unerwünschten Ereignisse vermieden? Nationalrätin Bea Heim diskutiert mit Medizinern über die Fehlprävention.

Jeder medizinische Eingriff ist immer auch ein Risiko. Fehler können auch bei einer ärztlichen Behandlung passieren. Doch wie können solche unerwünschten Ereignisse vermieden und die Sicherheit der Patienten gewährleistet werden? Auf Initiative von Nationalrätin Bea Heim fand deshalb in der Fachhochschule eine öffentliche Veranstaltung statt. Der Abend stand unter dem Titel «Patientensicherheit geht uns alle an». Als Referenten waren Dieter Conen von der Stiftung Patientensicherheit Schweiz und Markus Zuber, der Chefarzt Chirurgie am Kantonsspital Olten (KSO), eingeladen.

Dieter Conen erinnerte einleitend daran, dass sich die durchschnittliche Lebenserwartung seit 1900 fast verdoppelt hat. Dabei ist das Gesundheitswesen für rund achtzig Prozent dieser Verbesserung verantwortlich, die Medizin ist eine Erfolgsgeschichte. Trotzdem ist sie nicht perfekt. Wer sich in Spitalbehandlung begibt, muss zwischen ein und sechs (Übergewichts-Chirurgie) Prozent beziehungsweise 14 Prozent (Dickdarmchirurgie) damit rechnen, dass etwas Unerwünschtes passiert. Dabei wäre fast die Hälfte – man schätzt rund 30 bis 40 Prozent – dieser Vorfälle vermeidbar.

Die Schweizerische Stiftung für Patientensicherheit hat deshalb für die kommenden Jahre vier Schwerpunkte definiert: Sichere Chirurgie, Ausmerzen von Medikationsfehlern, Reduktion der Blasenkatheter (Infektionsrisiko) und sicherere Medikation in Altersheimen.

Checklisten bei Operationen

Sicherheit ist auch für Airlines überlebenswichtig. Von der Fliegerei haben die Spitäler die Checklisten übernommen. Bei chirurgischen Eingriffen werden anhand dieser Listen die einzelnen Schritte überprüft und auf dem Fragenkatalog abgehakt. Mit einer damit einhergehenden Sensibilisierung für die Qualitätssicherung allgemein wird auch die Patientensicherheit verbessert. Beim Übertritt von zu Hause oder einem Heim in ein Spital entstehen Schnittstellen, wo auch die Informationen über Medikamente fliessen müssen. Eine bestmögliche Anamnese beim Eintritt vermeidet Medikationsfehler.

Es ist eine Binsenwahrheit, dass, wo gearbeitet wird, Fehler passieren. Die Stiftung Patientensicherheit wirkt darauf hin, sie zu vermeiden. Es gehe nicht darum, die Menschen, die in den Spitälern arbeiten, zu perfekten Wesen zu machen. Menschen können nicht gehindert werden, Fehler zu machen, hielt Dieter Conen fest. Im Gesundheitswesen spielen komplexe Systeme ineinander. Es gilt, diese Systeme so zu gestalten, dass weniger Fehler vorkommen können.

Markus Zuber, Chefarzt Chirurgie am KSO, pflichtete Conen bei. Ändern müsse man nicht die Art, wie die Menschen funktionieren, sondern die Bedingungen, unter welchen sie im Spital arbeiten. Grundsätzlich sei aber jede Operation ein Stress für den Patienten und somit dessen Körper die Quelle von Komplikationen.

Zuber zeigte anhand einiger praktischer Beispiele auf, was für Vorkehrungen die Solothurner Spitäler AG (SoH), als deren ärztlicher Direktor er neben seinem Beruf als Chirurg amtet, trafen. Um Verwechslungen zu vermeiden, werden Name und Geburtsdatum des zu Operierenden mit der Checkliste erfragt und der Körperteil, an dem der chirurgische Eingriff erfolgen soll, mit einem Kreuz markiert, solange der Patient noch wach ist. Bei der Verabreichung von Blutkonserven beispielsweise gilt immer das Vier-Augen-Prinzip, also zwei kompetente Personen kontrollieren sich gegenseitig.

Die SoH gehört, von den fünf Unispitälern abgesehen, zu den Top Ten. Um die Qualität zu garantieren, muss das Operationsteam entsprechend eingespielt und erfahren sein, also eine minimale Anzahl von chirurgischen Eingriffen durchführen. Das bedeutet für die SoH, dass bestimmte Operationen an einem Standort, etwa in Solothurn oder Olten, konzentriert werden. Wo das Minimum an Fallzahlen auch so nicht erreicht wird, verzichtet man auf die betreffenden Eingriffe. So werden keine Speiseröhren- oder grosse Leberoperationen vorgenommen.

Zur Patientensicherheit gehört eine Pflege der Fehler- und Lernkultur, sich allfällige Fehler eingestehen und daraus lernen. Sie ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess und kostet Kräfte. Die SP-Nationalrätin Bea Heim stimmte ihm zu und fügte an, die Politik sei gefordert, für die Patientensicherheit gute Rahmenbedingungen zu schaffen.

Vom 14. bis 18. September führt die Stiftung Patientensicherheit eine Aktionswoche in der ganzen Schweiz durch.

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